Leopold Museum: Hundertwasser – Schiele

Februar 15, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Menschen, die in Meerblau gehen

Friedensreich Hundertwasser: 224 Le grand chemin, St. Mandé/Seine, 1955. © Belvedere, Wien. Bild: © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

Ab 21. Februar zeigt das Leopold Museum die Schau „Hundertwasser – Schiele. Imagine Tomorrow“. Friedensreich Hundertwasser prägte als Maler, Gestalter von Lebensräumen und Vorkämpfer der Ökologiebewegung die Kunst des 20. Jahrhunderts über die Grenzen Österreichs hinaus. Wenig bekannt ist seine lebenslange intensive Beschäftigung mit der Person und dem Werk Egon Schieles. Als 20-jähriger entdeckte der damalige Student an der Akademie der Bildenden Künste in Ausstellungen und Büchern die Kunst der Wiener Moderne für sich: Vor allem Schiele sollte in den folgenden Jahren eine zentrale Bezugsfigur für den international agierenden Künstler werden.

Sein zeichnerisches Können erwarb er im Selbststudium von dessen Zeichnungen, in Paris propagierte er gegenüber seinen Künstlerkollegen effektiv Schieles Kunst und 1965 betitelte er ein Werk mit „622 Der Nasenbohrer und die Beweinung Egon Schieles“. Bis zu seinem Lebensende umgab sich Hundertwasser in seinen Wohn- und Arbeitsräumen in Venedig und Neuseeland mit Reproduktionen von Gemälden und Zeichnungen des von ihm so sehr geschätzten Künstlerkollegen. Hundertwassers poetischer Text „Ich liebe Schiele“ von 1951 macht die Intensität seiner Bezugnahme anschaulich: „Ich träume oft wie Schiele, mein Vater, von Blumen, die rot sind, und Vögeln und fliegenden Fischen und Gärten in Samt und Smaragdgrün und Menschen, die weinend in Rotgelb und Meerblau gehen.“

Egon Schiele: Tote Mutter I. (Detail), 1910. © Leopold Museum, Wien. Bild: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Friedensreich Hundertwasser: 622 Der Nasenbohrer und die Beweinung Egon Schieles, Lugano, 1965. © Privatstiftung Wien. Bild: © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

Egon Schiele: Waldandacht II (Detail), 1915. © Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm. Bild: Kunsthaus Zug, Alfred Frommenwiler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwanzig Jahre nach Hundertwassers Tod am 19. Februar 2000 widmet das Leopold Museum diesen beiden ikonischen Künstlern eine etwa 170 Exponate umfassende, dialogisch angelegte Schau. Entlang zentraler Motiv-und Themenkomplexe im Werk beider, wie jener der beseelten Natur oder dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, werden Analogien jenseits von formalen Ähnlichkeiten ersichtlich. Anhand hochkarätiger Leihgaben aus österreichischen und internationalen Sammlungen, bisher nicht veröffentlichtem Archivmaterial und in Kooperation mit der „Hundertwasser gemeinnützigen Privatstiftung Wien“ zeichnet die Ausstellung die künstlerische und geistige Verwandtschaft zweier herausragender österreichischer Maler des 20. Jahrhunderts nach, die einander nie persönlich kennenlernen konnten und doch so viel verbindet.

www.leopoldmuseum.org           www.hundertwasser.at

15. 2. 2020