MAK: Show Off. Austrian Fashion Design

Februar 9, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Mode von Gernreich bis Kronthaler und Kutoglu

Andreas Kronthaler for Viv. Westwood, Advertising Campaign, FW 18/19. © Juergen Teller

Ab 14. Februar wird das MAK zur Bühne für die heraus- ragendsten zeitgenössischen Modepositionen designed/ made in Austria. Als erste umfassende Großausstellung ihrer Art lädt „Show Off. Austrian Fashion Design“ auf multiplen Ebenen zur Auseinandersetzung mit österreichischer Mode im internationalen Kontext. Gast-Kuratorin Ulrike Tschabitzer-Handler inszeniert gemeinsam mit Gast-Co-Kurator Andreas Bergbaur und Brigitte Winkler als wissenschaftlicher

Beraterin eine außergewöhnliche Fashion-Zeitreise in spektakulärem Setting: Raumgreifende Installationen von Architekt Gregor Eichinger bilden den Rahmen für einen Parcours durch die österreichische Modeavantgarde von den 1980er-Jahren bis heute. Herzstück der Schau ist eine überdimensionale, sechseinhalb Meter hohe, leichte und offen strukturierte Skulptur im zentralen Raum der MAK-Ausstellungshalle. Begehbar auf mehreren Ebenen, erlaubt sie eine unmittelbare Begegnung mit etwa 250 Modeobjekten: Bekleidung, Schuhe, Taschen sowie Schmuck-Accessoires von etwa 60 Designerinnen und Designern. Die transparente Architektur lässt 360°-Einblicke auf die Exponate zu.

In diesem spektakulären Modeturm kontrastieren reduzierte Designs mit ausladenden Silhouetten, grellen Oberflächen oder experimentellen Techniken und Materialien. Konzeptionelle Ansätze und sozialkritische Manifeste stehen traditionellen und historischen Inspirationsquellen gegenüber. Erinnerungen an die Wiener Werkstätte, die österreichische Tradition der Tracht und das ästhetische Erbe von Adolf Loos treten in Dialog mit globalen Szenarien.

FATEEVA x POTF: Game 6. Sneaker, 2019. © Picture On The Fridge

Schella Kann, Lederoutfit, FW 92. © Rudi Molacek

Shooting für Demian, 1988. © Elfie Semotan

 

 

 

 

Revolutionäre Entwürfe von zwei der prägendsten Modeikonen bilden das Entrée zu diesem Zentrum der Ausstellung: Rudi Gernreich, Amerikaner österreichischer Herkunft, dessen Entwürfe aus Los Angeles Ende der 1970er-Jahre den weltweiten Zugang zur Mode revolutionierten, und Helmut Lang, in New York lebender Mode-Star und Künstler mit österreichischen Wurzeln, stehen als Vorbilder für das Potenzial der heimischen Modeszene.

Großflächige Prints von 34 Modefotografinnen und -fotografen lenken flankierend dazu den Blick auf die visuelle Ausdruckskultur von Mode. Viele der vertretenen Lichtbildner, darunter Elfie Semotan, Andreas H. Bitesnich, Jakob Lena Knebl, Lukas Gansterer oder Erwin Wurm, arbeiten im internationalen Kontext und haben dazu beigetragen, österreichisches Modedesign international zu verankern. Teilnehmende Designerinnen, Designer und Labels sind unter anderem Andreas Kronthaler, Atil Kutoglu, Lena Hoschek, Michel Mayer, Petar Petrov, Demian, Ludwig Reiter, Macchu Picchu, Marina Hoermanseder, Maximilian Rittler, Peter Pilotto, Thomas Kirchgrabner, Ute Ploier und Wendy&Jim.

Rund um diesen Kern der Ausstellung entfalten sich drei weitere Erzählstränge: Die eindrucksvolle Videoinstallation „talking heads“ holt mehr als 20 Persönlichkeiten – weibliche wie männliche, Model-Agenten, Stylisten, Journalisten und Organisatoren von Modeveranstaltungen – mitten ins Geschehen. In Interviews werfen sie einen kritischen Blick auf die heimische Modeszene und formulieren visionäre Perspektiven.

Maximilian Rittler, Rock Me Amadeus, 2019. Makeup Enzio Costa. Model Sieme, Visagemodelszürich. © Laura Knipsael

Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood, Advertising Campaign, FW 17/18. © Juergen Teller

AND_I, Triangle dress, RAW SS 20, 2019. © Felix Vratny

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Modeausbildung an der Universität für angewandte Kunst Wien gilt als eine der renommiertesten weltweit. Mit dem Schritt, Karl Lagerfeld als ersten international gefeierten Designer an die Angewandte zu holen, löste Rektor Oswald Oberhuber in den 1980er-Jahren einen radikalen Innovationsschub aus. Es folgten Stars wie unter anderem Jil Sander, Jean-Charles de Castelbajac, Vivienne Westwood, Helmut Lang, Raf Simons oder Lucy & Luke Meier. Herausragende Arbeiten aus 40 Jahren Modeausbildung an der Angewandten setzt eine Medien- installation der Projektionskünstlergruppe Lumine in Szene.

Auch die soziokulturellen Rahmenbedingungen und die Perzeption von österreichischer Mode lässt „Show Off. Austrian Fashion Design“ Revue passieren. Erste Ausgaben des Magazins WIENER, Sprachrohr der Avantgarde der 1980er-Jahre, sind ebenso vertreten wie die Magazine ahead, Flair, Diva oder Indie. Videos lassen legendäre Shows der U-Mode aufleben. Ein historischer Abriss zu Modeinitiativen und ein Einblick in das Archiv der Modeexpertin Brigitte Winkler erweitern den Blick auf die österreichische Modeszene.

www.mak.at

9. 2. 2020