„Die Kameliendame“ im Theater an der Wien

Mai 2, 2013 in Tipps

In einer Choreografie von John Neumeier

Am 5. Mai hat am Theater an der Wien das Ballett „Die Kameliendame“ Premiere. Die Musik ist von Frederic Chopin, der Stoff von Alexandre Dumas dem Jüngeren. In der Choreografie des großen John Neumeier tanzen Solisten und Corps de Ballet des Hamburg Balletts.

Bild: Theater an der Wien

Bild: Theater an der Wien

Handlung: Als „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas dem Jüngeren 1848 erschien, war das Thema für das damalige Ballett uninteressant: Viel zu realistisch war diese Geschichte um eine Kurtisane, deren echten Namen ganz Europa kannte, zu deren Liebhabern Franz Liszt und eben Dumas selbst gehört hatten. Man wollte tanzende Feen auf der Bühne sehen. Erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts entdeckten die Choreografen das poetische Potential  der schwindsüchtigen Kurtisane. John Neumeier verwendet in seiner Version ausschließlich Musik von Frédéric  Chopin und gestaltet aus dem Stoff einen romantisch-melancholischen Fiebertraum.

Die Kurtisane Marguerite Gautier ist an Schwindsucht gestorben. Bei der Versteigerung ihres Nachlasses trifft Armand Duval auf seinen Vater. Beide erinnern sich an Marguerite: Armand hatte sich in der Oper bei einer Vorstellung von Manon Lescaut leidenschaftlich in die Kurtisane verliebt und mit seiner Liebe in ihr die Hoffnung auf Heilung von der Schwindsucht erweckt, aber Armands Vater konnte die Verbindung nicht dulden. Er suchte Marguerite auf, hielt ihr vor Augen, dass kein anständiger Mann mehr Armands Schwester heiraten würde, wenn er mit einer Kurtisane lebe. Um des ihr unbekannten Mädchens willen verzichtete Marguerite auf ihre Liebe und – wie sie wusste – auf ihr Leben. Denn als sie Armand verließ und in die Pariser Halbwelt zurückkehrte, kam auch die Krankheit wieder. Ihr Wunsch, vor ihrem Tod Armand wieder zu sehen, erfüllte sich nicht. Marguerites Zofe Nanina übergibt Armand bei der Versteigerung ein Tagebuch. Erschüttert liest Armand von Marguerites letzten Tagen, ihrer Sehnsucht und ihrem einsamen Sterben.

In Dumas’ Text schenkt Armand Marguerite den Roman Manon Lescaux. Neumeier ergänzte daher sein Ballett durch die Figuren Manon Lescaut und Des Grieux, die Marguerite immer wieder erscheinen. In ihnen werden die Gedanken, Zweifel und Träume von Marguerite und Armand reflektiert. Das Ballett endet mit einem von Marguerite phantasierten „Pas de trois“, in dem sie sich so stark mit den Liebenden identifiziert, dass sie nicht mehr unterscheiden kann, ist es Armand oder ist es Des Grieux, ist sie Marguerite oder ist sie Manon. Die Verlassenheit und Einsamkeit von Manon und Des Grieux begleiten sie in ihren Tod.

www.theater-wien.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 2. 5. 2013