Filmmuseum: Mel & Albert Brooks. Erfinder der modernen Komödie

Dezember 18, 2019 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Tribute an die Godfathers von Cringe und Slapstick

Mel Brooks als Frederick Bronski in „To Be or Not to Be“, 1983, Regie: Alan Johnson. Bild: Österreichisches Filmmuseum

„If we had three million exhibitionists and only one voyeur, nobody could make any money.“ – „Bad taste is simply saying the truth before it should be said.“ – „I only direct in self-defense.“ – „When I die, if the word ›thong‹ appears in the first or second sentence of my obituary, I’ve screwed up.“

Zwei dieser Zitate stammen von Albert Brooks, geborener Albert Lawrence Einstein, die anderen beiden von dessen Namensvetter Mel, geborener Melvin Kaminsky – diesen widerspenstigen Köpfen ist ab 22. Dezember das diesjährige Weihnachtsprogramm des Österreichischen Filmmuseums gewidmet. Brooks & Brooks zählen als Schauspieler, Autoren und Regisseure zu den unbändigsten und zugleich beständigsten Hollywood-Komikern des späten 20. Jahrhunderts.

Das Tribute sucht jedoch nicht nach Gemein- samkeiten, will auch keine Parallelen zwischen dem jeweils reichhaltigen Werk ziehen.

Denn Albert und Mel Brooks haben sich auf ihre unverwechselbare, persönliche Weise in die Geschichte der Filmkomödie eingeschrieben und beide verdienen es, einzeln für ihre Arbeit gewürdigt zu werden. Was Brooks & Brooks jedoch verbindet, ist, abgesehen vom gemeinsamen Nom de guerre, ihr einzigartiger Status als – nach wie vor viel zu wenig beachtete – Begründer einer modernen US-Komödie.

Albert Brooks spielt in „Modern Romance“, 1981, Regie: Albert Brooks. Bild: Österreichisches Filmmuseum

Sharon Stone und James Cameron in „The Muse“, 1999, Regie: Albert Brooks. Bild: Österreichisches Filmmuseum

John Candy, Lorene Yarnell, Daphne Zuniga und Bill Pullman in „Spaceballs“, 1987, Mel Brooks. Bild: Österr. Filmmuseum

Zero Mostel, Gene Wilder und Christopher Hewett in „The Producers“, 1967, Mel Brooks. Bild: Österr. Filmmuseum

Albert Brooks wird oft als die weniger produktive und deshalb gemächlichere Westküstenversion von Woody Allen bezeichnet – oder abgelehnt, tatsächlich aber macht man es sich mit dieser Beschreibung bequem: Denn während Woody Allens neurotische Intellektuelle trotz ihrer jugendlich-renitenten Wut immer sympathisch, liebenswert und letztlich harmlos bleiben, scheut Albert nicht davor zurück, seine immer von ihm selbst gespielten Charaktere in hochnotpeinliche Situationen zu versetzen, in denen sie die Grenze von unerfreulich zu richtig übel überschreiten (müssen). Albert Brooks kann auch als Gründer der Cringe-Comedy gesehen werden, die in den 1990er-Jahren ihre erste Blüte erlebte und nach der Jahrtausendwende schließlich regelrecht explodierte, angeführt von Comedy-Größen wie Larry David, Ricky Gervais und Standup-Comedian Louis C. K.

Mel hingegen, der seine Filmkarriere ein Jahrzehnt zuvor begonnen hatte, trug über Jahre hinweg stolz die Fackel der schamlos vulgären Slapstick-Komödie und pflegte die lustvoll-grobschlächtige Form der Parodie – eine Brutstätte für jenen späteren Slapstick, dessen Güteklasse von vortrefflich, siehe Farrelly-Brüder, bis mitunter brillant bei Jim Carrey oder Adam Sandler reichen sollte.

www.filmmuseum.at

18. 12. 2019