Jüdisches Museum Wien: Die Ephrussis. Eine Zeitreise

November 2, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Der bernsteinaugene Hase zeigt seine Familie

Netsuke, Hase mit den Bernsteinaugen. © Jüdisches Museum Wien

Dinge und die Geschichten, die sie über die Menschen erzählen, die sie einst gesammelt, in Händen gehalten, weitergegeben und wiedergefunden haben, stehen ab 6. November im Mittelpunkt der Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ im Jüdischen Museum Wien. Sie behandelt das Schicksal der ursprünglich aus Russland stammenden Familie Ephrussi und ihren freiwilligen und unfreiwilligen Reisen zwischen Russland, Österreich, Frankreich, Großbritannien,

Spanien, den USA, Mexiko oder Japan. Anhand von ausgewählten Objekten, Dokumenten und Bildern wird der wirtschaftliche und gesellschaftliche Werdegang einer europäisch-jüdischen Familie nachgezeichnet, deren Nachfahren heute durch Flucht und Vertreibung während der NS-Zeit in der ganzen Welt verstreut leben.

Ratte, den eigenen Schwanz umfassend, signiert Mitsutada, Kyoto ca. 1800. © Jüdisches Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Handwerker, der einen Kürbis spaltet, signiert Shugetsu, Tokio ca. 1880. © Jüdisches Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Männlicher Tiger, über die Schulter blickend, signiert Toyokazu, Tamba ca. 1820. © Jüdisches Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Fünf im Kreis stehende, chinesische Weisen, signiert Masahiroca. 1880. © Jüd. Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Heute finden sich in internationalen Museen und Kunstsammlungen Werke, die ursprünglich der Familie gehörten. Sie erzählen von ihren einstigen Besitzern und ihren Beziehungen zu den damaligen Künstler- und Intellektuellenkreisen in Odessa, St. Petersburg, Wien, Berlin, Paris, London, Madrid und anderen Orten. Kernstück der Ausstellung bildet das Familienarchiv der Ephrussis, das die Familie de Waal dem Jüdischen Museum schenkte, sowie 157 Netsukes, die dem Museum als Leihgabe von der Familie zur Verfügung gestellt wurden – unter ihnen der berühmte „Hase mit den Bernsteinaugen“; sie prägt den Titel des Romans über die Geschichte der Ringstraßenfamilie, die Edmund de Waal, Enkel von Elisabeth Ephrussi und ein renommierter britischer Künstler, der für seine Keramiken in schlichten Farben und Formen bekannt ist, 2010 veröffentlicht hat.

www.jmw.at

2. 11. 2019