Albertina: Albrecht Dürer

September 14, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Spektakuläre Schau übers Renaissance-Genie

Albrecht Dürer: Feldhase, 1502. © Albertina, Wien

Seit Jahrzehnten war das Werk Albrecht Dürers nicht in dieser Fülle zu erleben: Die Albertina ist Heimat zahlreicher weltweit bekannter Ikonen der Zeichnung, darunter der „Feldhase“, die „Betenden Hände“ und das „Große Rasenstück“.

Eine um wertvolle internationale Leihgaben ergänzte Ausstellung präsentiert ab 20. September mit mehr als 200 Exponaten Dürers zeichnerische, druckgrafische und malerische Werke.

Mit mehr als 100 Zeichnungen, einem Dutzend Gemälde, persönlichen Aufzeichnungen und anderen seltenen Dokumenten wird das Werk des Renaissance-Genies umfassender gezeigt als jemals zuvor.

Mit nahezu 140 Arbeiten besitzt die Albertina den weltweit bedeutendsten Bestand an Zeichnungen Albrecht Dürers. Die Sammlungsgeschichte seines Œuvres in der Albertina ist von besonderer Bedeutung: Seine Provenienz lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1528 zurückverfolgen, und bildet damit ein seit fast 500 Jahren geschlossen erhaltenes Konvolut aus Dürers Werkstatt. Die Sammlung bietet daher wie keine andere den idealen Ausgangspunkt, um sich auch seiner persönlichen, vom Gedankengut des frühen Humanismus geprägten Kunstauffassung zu nähern.

Albrecht Dürer: „Mein Agnes“ (Agnes Dürer), 1494. © Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Selbstbildnis als Akt, um 1499. Bild: Weimar, Klassik Stiftung © Klassik Stiftung Weimar

Für die Jahrhundertausstellung konnte die Albertina bedeutende internationale Leihgaben gewinnen: „Die Anbetung der Könige“ aus den Uffizien, das erschütternde und schonungslose Selbstbildnis des nackten Albrecht Dürer aus Weimar, „Die Marter der Zehntausend“ aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, „Jesus unter den Schriftgelehrten“ aus dem Museum Thyssen-Bornemisza und aus dem benachbarten Prado Dürers wohl schönstes Männerporträt. Sein malerisches Spätwerk der letzten niederländischen Reise, den „Heiligen Hieronymus“, präsentiert die Albertina mit allen dazugehörigen Studien.

Albrecht Dürer: Bildnis eines 93-jährigen Mannes, 1521. © Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Betende Hände, 1508. © Albertina, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Dürer-Spezialist und Kurator der Ausstellung, Christof Metzger, hat in den vergangenen Jahren den Bestand der Albertina, dem weltweit bedeutendsten an Dürer-Zeichnungen und -Aquarellen, einer Neubewertung unterzogen. Am überraschendsten sind seine Überlegungen zu den großen Naturstudien der ersten Jahre des 16. Jahrhunderts – der „Feldhase“ oder das „Große Rasenstück“ – und zu den Hell-Dunkel-Studien auf farbigen Papieren, wie etwa die berühmten „Betenden Hände“, die allesamt an die Grenze des mit Feder und Pinsel Machbaren führen. Sie sind Demonstrationsstücke, die jedem Besucher in Dürers Atelier die vollendeten zeichnerischen und malerischen Fähigkeiten des Meisters unter Beweis stellten. Nicht Vor-Studien sind sie, sondern autonome Bilder, Virtuosenstücke, die das stupende Können des Meisters und die geistige Tiefe seiner Naturauffassung demonstrieren.

www.albertina.at

14. 9. 2019