MdM Salzburg – Sigalit Landau: Salt Years

Juli 3, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Aus Salz erschaffene Kunstobjekte

Sigalit Landau: Dead Sea, 2005, Filmstill: Die Künstlerin treibt auf den 500 Wassermelonen, die sie zu einem sechs Meter breiten Spiralfloß verband. Bild: © Studio Sigalit Landau

Ab 6. Juli präsentiert das Musem der Moderne Salzburg an seinen beiden Standorten Rupertinum und Mönchsberg unter dem Titel „Salt Years“ die erste museale Einzelausstellung der israelischen Bildhauerin, Video- und Installationskünstlerin Sigalit Landau im deutschsprachigen Raum. Landau ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen Israels.

Seit mehr als 15 Jahren nutzt sie das Tote Meer als Inspirationsquelle und Labor für ihre Videoarbeiten, fotografischen Serien und Salzskulpturen. Mit ihren ortsspezifischen Arbeiten nimmt sie Bezug auf das private und kollektive Gedächtnis, archaische und utopische Mythen und auf aktuelle Fragen zur menschlichen Verfassung. Durch den Einsatz von unterschiedlichen Materialien und einem Zusammenspiel mit dem menschlichen Körper verbindet die in Jerusalem geborene Tochter jüdischer Immigranten mit österreichischen Wurzeln das Öffentliche mit dem Intimen, die Geschichte mit persönlichen Erfahrungen und lokale mit epischen Erzählungen. Die Ausstellung am Museum der Moderne Salzburg präsentiert kristalline Salzskulpturen und Installationen, die von Landau seit mehreren Jahren im Toten Meer erschaffen werden.

Fast einem Ritual gleich taucht die Künstlerin zusammen mit ihrem Team Objekte in dieses einzigartige Gewässer. Neben spezifischen Handarbeiten mit symbolischem Charakter, wie beispielsweise Fischernetze oder Skulpturen aus Stacheldraht, verwendet Landau auch immer wieder simple Alltagsgegenstände. Allen ist gemein, dass sie eine verlorene Welt darstellen. Durch das Wasser des Toten Meeres werden die Objekte von einer Kruste aus Salzkristallen umschlossen. Was von Landau aus dem Toten Meer geborgen wird, ist zerbrechlich, schrecklich und schön gleichermaßen, wie historische Fundstücke, die von der Verwandlung der Dinge und den dunkelsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts berichten.

Sigalit Landau: Hebung des Tutus aus dem Wasser des Toten Meeres. Bild: © Shaxaf Haber

Sigalit Landau: Tutu, 2017. Bild: Yotam From

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Künstlerin bezeichnet ihre Salzarbeiten als konzeptuelle Readymades und gruppiert sie im Museum der Moderne Salzburg auf dem Mönchsberg zu choreographierten Installationen. Eine Auswahl ihrer Videoarbeiten über das Tote Meer und die Küste des Mittelmeeres wird im Rupertinum auf zwei Stockwerken präsentiert. Darin thematisiert Landau neben Fragen der weiblichen Identität und Körperlichkeit auch die politische Situation in Israel sowie das vom Menschen verursachte Umweltproblem und die daraus resultierende Bedrohung des Toten Meers. Die Personale „Salt Years“ vereint sechs Installationen mit Salzobjekten, eine Serie von Fotografien, die in Zusammenarbeit mit Yotam From entstanden sind, und dreizehn Videoarbeiten.

„Mit großer Intensität und teilweise erschütternder Symbolik und Poesie verhandelt Sigalit Landau in ihrem Werk existenzielle und ambivalente Schwellen- und Grenzerfahrungen. Entstanden in einer der konfliktreichsten Regionen der Erde, zeugen diese Arbeiten von der Vision eines gemeinsamen, friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Menschen, Religionen, Kulturen und Weltanschauungen und besitzen dadurch eine universelle Relevanz“, erklärt Thorsten Sadowsky, Direktor des Museums der Moderne Salzburg.

Sigalit Landau: When I go, 2017. Readymades – doppelseitiger Hocker, Cello, Bogen, Holzstuhl, Brautschleier. Bild: © Yotam From

„In Anbetracht der Geschichte und der Erinnerungen meiner Familie an Österreich freue ich mich überaus, meine Salzkristall-Skulpturen in Salzburg ausstellen zu können – einer Stadt, in der Salz ein wichtiger Teil der Geschichte war. Die neuen Skulpturen begeben sich vom tiefsten Punkt der Erde, dem Toten Meer, auf den Mönchsberg. In meinen Arbeiten stellt das Tote Meer eine Reflexion dar. Einen Ort, der die Zeit in glamouröse Kristalle verwandelt und Salz – ein Element, das Leben bewahrt, heilt und ermöglicht, aber auch vergiften, konservieren und konstruieren kann – dient als mein Medium und Botschafter“, so die Künstlerin Sigalit Landau.

www.museumdermoderne.at           www.sigalitlandau.com

3. 7. 2019