Rabenhof: Das Programm der Saison 2019/20

Juni 29, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Monster, Nymphen, Rock’n’Roll

„Wir Staatskünstler – Jetzt erst recht!“: Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader starten ihre neue Bühnenshow kurz nach der Nationalratswahl. Bild: © Pertramer / Rabenhof

„Das Gemeindebautheater ist und bleibt das Volkstheater der Herzen“, freut sich Thomas Gratzer, künstlerischer Leiter des Rabenhof Theaters bei der Präsentation des Programms für die kommende Spielzeit. Die diesjährige schließt der Hausherr mit 81.556 Zuschauerinnen und Zuschauern ab, bei 312 gespielten Vorstellungen gleichbedeutend mit einer Auslastung von 90,05 Prozent. „Der Mix aus Theater, Politsatire, musik- theatralischen Projekten und Literaturveranstaltungen hat nichts an Attraktivität eingebüßt“, so Gratzer.

Der eine weitere Zusammenarbeit mit den „Big Playern“ der Satire-Szene ebenso verspricht, wie die Dramatisierung und Uraufführung von Kurt Palms Roman „Monster“, „Orpheus in der Unterwelt“ als erste Operette im Rabenhof und ein Gastspiel der großartigen Sophie Rois.

Los geht’s am 4. Oktober mit Wir Staatskünstler – Jetzt erst recht! Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba starten kurz nach der Nationalratswahl ihre neue Bühnenshow – und werden gewohnt bissig und schonungslos aufdecken, was bis dahin aus Sebastian Kurz als frischgebackenem Altkanzler und Pamela Rendi-Wagner als altbackener Zukunftshoffnung geworden ist. Unterstützt werden die Herren erstmals von Gerhard Haderer, der ihr Programm mit seinen Illustrationen begleiten wird. Als Nymphen in Not weisen sich ab 6. Oktober Ulrike Beimpold, Angelika Hager, Maria Happel und Petra Morzé aus. Bei ihrer exzentrischen Sonntags-Matinée-Show taucht das Quartett durch die Themen-Gewässer Power Aging, Selbstoptimierung, Botox-Gespenster, neurosengerechter Umgang mit Wutbürgern aller Art, Instagramitis und einer Idiotenbeschäftigung namens Liebe.

Christoph Krutzler in „Monster“. Bild: © Rita Newman / Rabenhof

Am 5. November folgt Monster, Kurt Palms grotesk-komischer Roman als bitterböse Bühnenshow von Regisseurin Christina Tscharyiski und Fabian Pfleger. Inhalt: Ein abgetrennter Frauenfuß und das Hinterbein eines Hundes sind die Auslöser für die verzweifelten Ermittlungen des Polizisten Alfons Stallinger, die ihn vom örtlichen Strandbad über ein Flüchtlingsheim und ein Seebühnenkonzert in die Groteske des heimischen Politsumpfes führen. Vorkommen außerdem ein lesbisches Vampirpärchen und hemmungslose Rockmusik. Den Kiberer gibt Christoph Krutzler.

Mit Premiere am 10. Dezember sind Sandra Cervik, Erni Mangold und Esra Özmen als 3 Frauen und 1000 Bücher unterwegs. Eine literarischen Tour de Force von Stefanie Sargnagel und Lina Loos über Elfriede Jelinek und Joan Didion bis Hildegard von Bingen. Orpheus in der Unterwelt – A Tribute To The 70’s präsentieren Ruth Brauer-Kvam und Kyrre Kvam ab 14. Februar. Drogenrausch, Glam-Rock, Ehekrisen, Lug, Betrug und Eitelkeiten mit Musik von Elvis bis Jim Morrison, von Iggy Pop bis Jürgen Marcus, dargeboten von Salka Weber, Florian Carove, Johannes Huth, Kyrre Kvam, Thomas Mraz und Austrofred. Ab 2. April werden Peter Hörmanseder und Robert Stachel aka Maschek zur Vox Populi, kaputte Medienwelt – Teil II. Die Syncro-Anarchisten starten mit einer neuen Show in ihrer Homebase.

Ihr aktuelles Programm Maschek XX – 20 Jahre Drüberreden (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30120) wird am 24. September wiederaufgenommen, ebenso wie Alles für’n Hugo von Katharina Straßer am 2. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32204), Dirk Stermanns und Christoph Grissemanns Gags, Gags, Gags! am 17. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24388) und die Georg-Danzer-Hommage Jö schau von Lucy McEvil, Christoph Krutzler, Oliver Welter und Alf Peherstorfer am 19. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32987).

Jö schau: Lucy McEvil, Oliver Welter, Christoph Krutzler, Alf Peherstorfer. Bild: © Rabenhof / Sophie Menegaldo Newman

Alles für’n Hugo: Katharina Straßer und Boris Fiala mit ihrer Hommage an Cissy Kraner. Bild: © Rita Newman

Christoph Grissemann und Dirk Sterman haben fürs Publikum wieder „Gags, Gags, Gags!“. Bild: © Udo Leitner

Maschek – Peter Hörmanseder und Robert Stachel: Auf „Fake!“ folgt als Teil zwei „Vox Populi“. Bild: katsey.org

Auch an Gemeindebau-Spezialitäten wird wieder einiges geboten, etwa am 22. Oktober die unglaublich sympathische Institution „Beschwerdechor“ in Zusammenarbeit mit EsRAP, der lässigsten Rap-Formation des Landes, und Mia san mia und de andan olle Gfrasta. Am 30. November und 1. Dezember heißt es Have a cup of tea with Sophie Rois, Songs und Storys über Inzest, Unschuld und Klassenbewusstsein von Ian McEwan und The Kinks. Ab 14. Jänner fragt Nina Proll Kann denn Liebe Sünde sein?, und freilich fehlt auch der Protestsongcontest nicht – Termin: 12. Februar.

www.rabenhoftheater.com

29. 6. 2019