Aus dem Museum für Völkerkunde wird das Weltmuseum

April 17, 2013 in Ausstellung

Getanzte Schöpfung – Asien zwischen den Welten

Es ist eine Kindheitserinnerung: Düster-dunkle Säle. Geheimnisvolles in staubigen Vitrinen. Ein bisschen Gruseln an der Hand des Vaters. Das wird nun alles anders. Frischer Wind weht durchs Völkerkundemuseum, das am 17. April offiziell zum Weltmuseum Wien umbenannt wurde. Um dies kundzutun trat eine halbe Armada an: Kulturministerin Claudia Schmied, Generaldirektorin Sabine Haag, Direktor Steven Engelsman und Burghauptmann Reinhold Sahl präsentieren das Konzept zur Neupositionierung des Hauses. Grundstimmung: Mit der inhaltlichen Neuausrichtung sei ein weiteres zentrales kulturpolitisches Investitionsprojekt in dieser Stadt realisiert worden. Eine „interaktive Herangehensweise an historische und zeitgenössische Besonderheiten“ wurde beschworen. In den Niederlanden, von wo Hausherr Steven Engelsman ja kommt (oder in Großbritannien oder in Deutschland oder in …), ist dieses Mitmach-Workshop-Besucher-schrauben-an-allem-herum-Konzept nicht mehr so ganz neu. Für Österreich: eine Sensation seit Sabine Haag.

Tanzmasken „Black and White“, Thailand Leihnahme Pichet Klunchun, 2011 © KHM mit MVK und ÖTM

Tanzmasken „Black and White“, Thailand
Leihnahme Pichet Klunchun, 2011
© KHM mit MVK und ÖTM

Funktionieren soll das alles erstmals bei der Ausstellung „Getanzte Schöpfung – Asien zwischen den Welten“, die ebenfalls am 17. April eröffnet wurde und bis 30. September zu sehen ist. Ein Rahmenprogramm aus Spezialführungen, Tanzworkshops, Vorträgen, Filmvorführungen, Events und einer Performance-Reihe in Kooperation mit dem ImPulsTanz Festival, die von dem aus Singapur stammenden Choreographen Ong Keng Sen moderiert wird (www.ethno-museum.ac.at/de/ausstellungen), soll die Präsentation der 500 Exponate – Marmorfiguren des indischen Gottes Krishna, burmesische Holzfiguren, Kagura-Masken aus Japan, koreanische Fächer, Tanzkostüme aus Burma oder thailändische Tanzmasken – aufpeppen. Ein Beispiel: Jeden Mittwochabend und Sonntagvormittag finden  kurze Tanzperformances statt. An fast allen Samstagnachmittagen werden zusätzlich Tanzworkshops angeboten: Von Tango (April) und dem japanischen AIKO (Mai) über balinesische und javanische Tänze (Juni) bis hin zu Urban Dance (Juli).

Die Ausstellung selbst beschäftigt sich mit den verschiedenen Aspekten des asiatischen Tanzes. In Asien ist der Tanz ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Lebens. In vielen Tempeln gibt es Darstellungen von tanzendenGottheiten und die Bedeutung des Shiva Nataraja, der die Welt durch seine Tanzbewegungen schuf, ist allgemein bekannt. Einer Legende zufolge entstand in Indien bereits um 200 v. Chr. ein erstes Buch über die Tanzkunst. Es trägt den Titel „Natya Sastra“ und wurde vom Brahmanen Bharata Muni verfasst, der dabei einer göttlichen Eingebung folgte. Der Tanz  wird als Opfergabe an die Götter verstanden.

Wer könnte jedoch den Tanz besser verkörpern als die Tänzer und die Choreographen selbst? Ganz bewusst wurde daher eine Ausstellung „mit ihnen“ und nicht „über sie“ konzipiert. Zu diesem Zweck wurden sechs zeitgenössische asiatische Künstler ausgewählt, um als Ko-Kuratoren mitzuarbeiten: Bulan Trisna Djelantik (Bali), Didik Nini Thowok (Java), Matsune Michikazu (Japan), Hiah Park (Korea), Terence Lewis (Indien) und Pichet Klunchun (Thailand, siehe Bild). Sie repräsentieren sechs unterschiedliche Aspekte des traditionellen asiatischen Tanzes und dienen zugleich aber auch als herausragende Beispiele für das asiatische Kunstschaffen. In der Ausstellung werden neben Gegenständen aus ihrem persönlichen Besitz, wie etwa Kostümen und Requisiten, auch von ihnen ausgewählte Museumsobjekte zu sehen sein.

www.weltmuseumwien.at

www.youtube.com/weltmuseumwien

www.khm.at

www.impulstanz.com

Von Rudolf Mottinger

Wien, 17. 4. 2013