Volksoper: Das Programm der Saison 2019/20

April 24, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Cabaret“, Gespenst und eine Komische Gemüseoper

Robert Meyer und Christoph Ladstätter präsentierten heute das Programm der kommenden Saison. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Neun Premieren und sechs Wiederaufnahmen präsentierte Direktor Robert Meyer heute Vormittag als Spielplan seiner 13. Saison an der Wiener Volksoper. Ein Klassiker des Operettenrepertoires, „Der Zigeunerbaron“, trifft auf die Wiederentdeckung der Offenbach-Rarität „König Karotte“. Dem monumentalen „Boris Godunow“ stehen die Familienoper „Das Gespenst von Canterville“ und „Schoenberg in Hollywood“ im Kasino am Schwarzenberg- platz gegenüber.

Das Musical „Cabaret“ entführt in das Berlin der 1930er-Jahre, während das Musical-Märchen „Brigadoon“ in den schottischen Highlands angesiedelt ist. Und mit „La Piaf“  huldigt das Wiener Staatsballett einerseits der großen französischen Chansonnière und orientiert sich andererseits in der Uraufführung von „Appassionato – Bach und Vivaldi“ an Meisterwerken des Barock. Die Premiere von Cabaret am 14. September ist die erste der Saison. Das Musical des Autorenduos John Kander und Fred Ebb ist in der Regie von Volksoperndebütant Gil Mehmert und unter der musikalischen Leitung von Lorenz C. Aichner unglaublicherweise zum ersten Mal am Haus zu sehen. Ruth Brauer-Kvam kehrt in der Rolle des Conférencier nach längerer Abwesenheit ans Haus zurück, den Part der legendären Nachtclubsängerin Sally Bowles wird Bettina Mönch übernehmen. Als spät verliebter Herr Schultz wird Robert Meyer zu sehen sein.

Am 18. Oktober folgt als Österreichische Erstaufführung Das Gespenst von Canterville. Philipp M. Krenn inszeniert die humorvolle Gruseloper des zeitgenössischen Komponisten Marius Felix Lange. „Mit Morten Frank Larsen als gepeinigtem Geist Sir Simon und Martin Winkler als neureichem Käufer von dessen Schloss sind die Hauptrollen hochkarätig besetzt“, so Meyer. Gerrit Prießnitz wird am Pult stehen. Übersinnliches ist auch in Jacques Offenbachs König Karotte im Spiel, wenn die Mitglieder des königlichen Gemüsebeets die Macht ergreifen. Die Wiederentdeckung von Jacques Offenbachs „Komischer Zauberoper“ voller bissiger literarischer und politischer Anspielungen ist das Jubliläumshighlight zum 200. Geburtstag des Komponisten. Die Volksoper zeigt die Inszenierung von Matthias Davids als Koproduktion mit der Staatsoper Hannover unter der musikalischen Leitung von Guido Mancusi. Mirko Roschkowski verkörpert den vergnügungssüchtigen Regenten Fridolin XXIV, der einer vegetarischen Läuterung bedarf, „als Gast aus Hannover wird Sung-Keun Park den König Karotte singen“, so Meyer. Premiere ist am 23. November.

Eine Liebesgeschichte in den schottischen Highlands, die die Grenzen von Zeit und Raum überwindet, erzählt Brigadoon, 1947 der erste durchschlagende Erfolg des Musicalduos Alan J. Lerner und Frederick Loewe, und noch berühmter geworden durch die Vincente-Minelli-Verfilmung aus dem Jahr 1954 mit Gene Kelly als Tommy Albright – wiewohl Robert Meyer bekennt, das Werk bis vor Kurzem nicht gekannt zu haben. Inhalt: Die beiden Amerikaner Tommy und Jeff geraten bei einer Jagdtour in Schottland in ein kleines Dorf namens Brigadoon. Das idyllische Nest und seine Bewohner erscheinen nur alle 100 Jahre für einen Tag, dann verschwinden sie wieder. Tommy verliebt sich in die Schönheit Fiona, und das bringt natürlich Probleme mit sich. Die Volksoper präsentiert das große romantische Musical unter der Leitung von Lorenz C. Aichner halbszenisch als Österreichische Erstaufführung ab 1. Dezember. Die Ensemblemitglieder Rebecca Nelsen und Ben Connor verkörpern das Liebespaar Fiona und Tommy, Sarah Schütz die schräge Meg Brockie.

Durchaus „Sorge wegen der Verherrlichung des Krieges im Werk“ hatte Robert Meyer bezüglich Der Zigeunerbaron, da aber Regisseur Peter Lund diese „mit einer großartigen Idee“ zerstreuen konnte, hat die Operette von Johann Strauß nun am 29. Februar Premiere. Kurt Rydl gibt den gierigen Schweinezüchter Kálmán Zsupán und Eric Laporte den aus der Fremde heimkehrenden Sándor Bárinkay, der in der jungen Saffi, dargestellt von Katrin Adel, seine Liebe findet. Dirigieren wird Alfred Eschwé. Gleich zwölf Tänzerinnen verkörpern in Mauro Bigonzettis Hommage an Edith Piaf die Rolle der unvergesslichen Chansonnière, die sich als „Spatz von Paris“ in die Geschichte einschrieb. Fasziniert von ihrem einzigartigen Charisma spürt Bigonzetti in seinem Ballett La Piaf mit einer stark bildhaften und märchenhaft anmutenden Erzählweise der besonderen Aura der legendären Sängerin nach. Mit Chansons von Edith Piaf sowie Musik von Gabriel Fauré, Jules Massenet, Darius Milhaud, Francis Poulenc, Maurice Ravel und Erik Satie. Premiere ist am 28. März.

Bettina Mönch als Sally Bowles in „Cabaret”. Bild: © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Volksopern-Gast Sung-Keun Park (M.) und Komparserie aus „König Karotte”. Bild: © Thomas Jauk

Morten Frank Larsen als Sir Simon in „Das Gespenst von Canterville”. Bild: © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

„Ich habe mich mit Martin Kušej getroffen, und es war überhaupt kein Thema, dass die Volksoper auch weiterhin eine Produktion pro Saison im Kasino am Schwarzenbergplatz zeigen wird“, freut sich Robert Meyer über die Fortsetzung dieser Möglichkeit unter dem neuen Burgtheater-Direktor, die am 4. April mit der Europäischen Erstaufführung von Schoenberg in Hollywood als vierte Produktion der Serie zeitgenössischer Werke an der Spielstätte weitergehen wird. Als Arnold Schönberg 1933 in die Vereinigten Staaten emigrierte, geriet er mit Hollywood und dem Genre der Filmmusik in Kontakt. In cineastischen Rückblenden erzählt die Kammeroper des US-Komponisten Tod Machover, ausgehend vom Aufeinandertreffen des Komponisten mit dem Filmproduzenten Irving Thalberg, Episoden aus dessen Leben. Die musikalische Leitung übernimmt Gerrit Prießnitz, Helen Malkovsky zeichnet für die Regie verantwortlich, Marco Di Sapia verkörpert die Titelfigur. „In diversen Rollen, wie Schoenbergs Gefährtinnen Mathilde Zemlinsky und Gertrud Kolisch, den Komponistenkollegen von Alban Berg bis Gustav Mahler oder Nebenbuhler Richard Gerstl, sind die Neuengagements Lauren Urquhart und Jeffrey Treganza zu sehen“, so Meyer.

Sein Volksoperndebüt gibt auch Regiealtmeister Peter Konwitschny mit der 2.-Mai-Premiere von Mussorgskis Monumentaloper Boris Godunow. Der österreichische Bass Albert Pesendorfer kehrt in der Titelrolle ans Haus zurück. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Jac van Steen. Die zugleich letzte Premiere der Saison und von Manuel Legris als Direktor des Wiener Staatsballetts ist Uraufführungen von Choreographen gewidmet, die aus der Kompanie hervorgegangen sind: Appassionato – Bach und Vivaldi wird am 5. Juni uraufgeführt – und gleichsam aus drei Teilen bestehen. Während Boris Nebyla in „Il Prete Rosso“ der bewegten Biographie Antonio Vivaldis nachspürt, lotet Eno Peci mit „Monkey Mind“ die Kraft der Gedanken aus, die es ermöglicht, zu innerer Stärke zu finden. Martin Winter wiederum folgt dem Symbolgehalt der „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi, wobei er sich auf die 2012 veröffentlichte Bearbeitung des Werkes von Max Richter stützt.

Als Wiederaufnahmen kehren mit Gräfin Mariza und Die lustige Witwe zwei Werke der silbernen Operettenära in gefeierten Inszenierungen wieder. Die Opern Carmen und Rigoletto, zweitere nun in italienischer Sprache, thematisieren die Liebe in ihrer Unausweichlichkeit, während im Musical Kiss me, Kate der Rosenkrieg tobt. Mit Carmina Burana wird ein besonders effektvoller und beim Publikum beliebter Ballettabend wiederaufgenommen. Eröffnet wird die Saison am 1. September mit dem traditionellen Volksopernfest und einer Hommage an Dagmar Koller, die am 26. August ihren 80. Geburtstag feiert. In der Soiree zu ihren Ehren werden Melodien ihrer größten Erfolge vorgetragen, von „My Fair Lady“ über „Kiss me, Kate“ bis „Hello, Dolly!“. Scherzt Robert Meyer: „Ich wurde dazu verdonnert, eine Szene aus ,Der Mann von La Mancha‘ zum besten zu geben.“

Zum Schluss der Programmvorschau kam der kaufmännische Geschaftsführer Christoph Ladstätter noch auf zwei erfreuliche Zahlen zu sprechen, nämlich auf die bis dato 81 % Auslastung in der aktuellen Saison, „wir haben jetzt bereits 10.000 Karten mehr verkauft, als in der vorherigen“, und auf seine Herzensangelegenheit, die Schulprojekte, die in der Saison 2019/20 „Das Gespenst von Canterville“ und „König Karotte“ sein werden. Während Wiener Schülerinnen und Schüler diese vor Ort vom ersten Bühnenbildentwurf bis zur Premiere mitverfolgen können, werden, so Ladstätter, „neu für Schulklassen aus den Bundesländern Online Classrooms eingerichtet, um diese Informationen digital ins Klassenzimmer zu vermitteln.“

www.volksoper.at

24. 4. 2019