Kunsthalle Krems – Hans Op de Beeck: The Cliff

März 5, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Leben, zu grau gefroren

Hans Op de Beeck: The Cliff, 2019. Courtesy der Künstler und Galerie Krinzinger, Wien. © Studio Hans Op de Beeck

Hans Op de Beeck entführt in melancholische Bildwelten zwischen Traum und Wirklichkeit. Es sind Bühnen der Imagination und Kontemplation, räumliche Bildsituationen der Stille, Zeitlosigkeit und Abgeschiedenheit. Teils sind sie real begehbar, teils im filmischen oder bildlichen Medium erfahrbar. Hans Op de Beeck ist Regisseur, Choreograf, Kurator, Bühnenbildner, Maler und Bildhauer in einer Person. Die Ausstellung „The Cliff“, ab 3. März in der Kunsthalle Krems zu sehen, hat der 1969 geborene Belgier selbst choreografiert und dafür eigens neue skulpturale Installationen geschaffen. Sie wird zur Passage, zur Reise.

Man trifft auf monochrome Environments, in Grau gefasst: ein schlafendes Mädchen, das auf einem Floß im Wasser treibt, Kinder, die in das Spiel mit Murmeln oder Pfeil und Bogen versunken sind, und ein Liebespaar, das auf einem Felsen sitzt. „The Cliff“, wie diese eigens für Krems geschaffene Arbeit und zugleich die Ausstellung heißt, ist ein romantisches Naturstück in Form einer lebensgroßen skulpturalen Installation. Der offene Blick des Mädchens ist in die Ferne gerichtet, während sich die Aufmerksamkeit des Jungen ganz auf sie konzentriert.

Die Arbeit ist ein bittersüßes Bild der Launen junger Liebe, geprägt von Unschuld und darauf angelegt, die Gefühle der Betrachter anzusprechen. Kunst und Alltag verschwimmen ineinander; real anmutende Personen und Objekte mutieren in ihrer Monochromie zur Skulptur. Das Leben scheint angehalten, pompejanisch einzementiert.

Hans Op de Beeck: Brian, 2018. Courtesy der Künstler und Galerie Krinzinger, Wien. © Studio Hans Op de Beeck

Hans Op de Beeck: Sleeping Girl, 2017 (Detail). Courtesy der Künstler. © Studio Hans Op de Beeck

Nächtens taucht Op de Beeck als Maler und Zeichner in die Welt des Aquarells und der Tuschmalerei ein, deren Nässe der präzisen Sachlichkeit eine malerisch-lyrische Atmosphäre verleiht. Manchmal fungieren diese Blätter als Kader für filmische Projekte –etwa für den aus nächtlichen Szenen bestehenden Animationsfilm „Night Time“ aus dem Jahr 2015, der neben einer Auswahl von weiteren Filmen in der Ausstellung präsentiert wird. Darunter befindet sich auch „Staging Silence (2)“ von 2013. In dem Film erscheinen Hände, die auf einer Bühne mit alltäglichen Gegenständen wie Plastikflaschen oder Zuckerwürfeln imaginative Settings kreieren.

Eine surreale Reise durch die wundersam melancholische Welt des Hans Op de Beeck. 2016 installierte der Künstler auf der Art Basel ein skulpturales Environment in Grau: „The Collector’s House“, eine „neureiche“ Villa mit Bibliothek, Seerosenteich, Klavier, Schaukästen mit Sammlerstücken im Wunderkammerstil, alltäglichen Objekten wie Aschenbechern und Getränkedosen sowie menschlichen Figuren, die zwischen Realität und skulpturaler Dimension changierten – alles im Maßstab eins zu eins.

Darin bewegten sich die Ausstellungsbesucher als rezipierende Protagonisten des magisch-melancholischen Ambientes. Die Kremser Schau legt den Schwerpunkt auf solche raumgreifenden skulpturalen Werke.

www.kunsthalle.at

2. 3. 2019