Rabenhof: Alles für’n Hugo

Februar 28, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Katharina Straßer kann’s als Cissy Kraner

Katharina Straßer und Boris Fiala. Bild: © Rita Newman / Rabenhof

Dafür, dass ihr die grandiose Diseuse, wie sie selber sagt, eigentlich immer ein wenig unheimlich war, macht sie das unheimlich gut. Katharina Straßer präsentierte im Wiener Rabenhof den von ihr geschriebenen und auch produzierten Abend „Alles für’n Hugo“ – Lieder und Leben von Cissy Kraner und Hugo Wiener, und es gilt festzuhalten, dass die Schauspielerin mit Hang zum Komödiantischen sich die Grande Dame des österreichischen Musikkabaretts einwandfrei anverwandelt hat.

Straßer zeigt sich in ihrer One-Woman-(and a Man am Klavier)-Show als begnadete Entertainerin, eine Seite, die man von ihr so noch nicht kannte, ja, sie versteht es meisterlich und ohne Cissy Kraner in Habitus oder Stimme zu imitieren, deren Spirit auf die Bühne zu bringen. Der Sound der satirischen Chansons stimmt, der herbe Charme der Wiener Seele sowieso, die gebürtige Tirolerin macht mit Timbre und Tremolo auf Type – und das ist ganz wunderbar.

Auftritt Straßer mit Flügerln und Luftballons, denn die Story ist diese: Cissy Kraner will im Himmel ihren 101. Geburtstag feiern, dazu ist eine Party mit erlesener Gästeliste geplant.

Von Maxi Böhm und Pepi Meinrad über Helmut Qualtinger bis Heinz Conrads, auch Karl Farkas ist eingeladen, obwohl man mit dem zuletzt ein bissl über Kreuz war, und selbstverständlich soll Hugo Wiener kommen. Man hat einander schließlich 26 lange Jahre nicht gesehen, entsprechend nervös ist die Kraner, noch dazu, weil die Vorbereitungen fürs Fest aus dem Ruder und Richtung Desaster laufen. Inszeniert von Komödienspezialist Andy Hallwaxx und musikalisch begleitet von Theaterkomponist Boris Fiala als jenseitiger Engelbert, englisch: Angelbört, zeigt die Straßer, dass sie’s als Cissy Kraner kann. Auch das Hantige, das Keiferte, vor dem sich die diversen Kollegen ganz schön fürchteten. Straßer singt die Hits wie „Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn“, „Der Novak lässt mich nicht verkommen“ oder „Wie man eine Torte macht“, hat aber auch in Zusammenarbeit mit Dramaturgin Karin Sedlak längst vergessene Kleinodien aus der Versenkung geholt.

Die „Schönheitspflege“ beispielsweise, oder den „Sozialtourismus“, „Ich möchte so gern ein Teenager sein“ – da dreht Katharina Straßer auf wie die geborene Jazz-Röhre. „G-Dur weida“, sagt sie, wenn sie ihren Pianisten rügt und ihm das Lesen von Kritiken verbietet. All den Spaß und ihre Quecksilbrigkeit bricht Straßer, wenn sie vom Leben der beiden Großen der Kleinkunst erzählt. „Es war einmal ein schönes Land“ memoriert sie über ein Wien voller „Arier“, berichtet über das Exil in Manizales und Medellín, über die Zeit in Caracas, wo Cissy Kraner und Hugo Wiener die Bar „Johnny’s Music Box“ eröffneten – ein Neuanfang in spanischer, englischer und französischer Sprache. Schließlich die Rückkehr – und wieder von vorne beginnen, die legendären Erfolge am berühmten Kabarett Simpl.

Straßer liest Briefe von Hugo Wieners Mutter Berta, von Cissy Kraners Schwester Hela, weiß, wie er über der Auslöschung seiner gesamten Familie in Depressionen versank, sie ihn immer wieder aus diesen retten musste. Da schwenkt das Heitere schnell ins Schwermütige, und gut ist’s, dass es Straßer versteht, mit einer Korrespondenz Kraner-Wiener während getrennt absolvierter Kuraufenthalte die Stimmung wieder hochzureißen. Wagte es doch Wiener die Gattin zu fragen, ob sie denn schon ein paar Kilos abgenommen hätte … Derart bewegt sich „Alles für’n Hugo“ zwischen souveräner Leichtig- und Momenten der Nachdenklichkeit, und so, wie es Cissy Kraner mit Hugo Wieners Genie gelang, den Lack vom Goldenen Wienerherz zu kratzen, so schafft das auch Katharina Straßer. Das Publikum im Rabenhof jedenfalls tobte vor Begeisterung. Nach Wien geht’s weiter nach Salzburg und Innsbruck.

Katharina Straßer im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=32152

www.katharinastrasser.at          www.rabenhoftheater.com

  1. 2. 2019