Burgtheater: Karin Bergmann zieht Bilanz

Januar 25, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Neuer Premierentermin von „Die Stühle“ ist am 13. März, Joachim Meyerhoff schreibt seinen ersten Theatertext

Burg-Herrin Karin Bergmann und der neue kaufmännische Geschäftsführer Robert Beutler. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Dass sie die Medien, als sie 2014 nach Matthias Hartmann ihr Amt antrat, unter anderem „Trümmerfrau“ nannten, wo Krisenmanagerin angebracht gewesen wäre, das kann Karin Bergmann heute bereits unter Anekdote verbuchen. Freitagvormittag lud die Burgtheater-Direktorin, deren Zeit – als erste Frau – an der Spitze der größten Sprechbühne im deutschsprachigen Raum mit der laufenden Saison endet, ein, Rückblick auf ihre Ära und Ausblick auf die kommenden Premieren zu nehmen.

Von einer „schwierigen Ausgangssituation“ im März vor fünf Jahren mag Bergmann durchaus sprechen, sie, die sich im oft genug von Cholerikern und Egozentrikern besetzten Chefsessel stets um Diskussionskultur und Sachlichkeit bemühte. Mit ihrer unkomplizierten, unprätentiösen Art, Devise: Probleme angehen, statt deren Lösung anderen anzuschaffen, hat sie mehr bewirkt, als mancher ihrer Vorgänger. Etwa, um beim Thema Geld zu beginnen, einen Kreis von Förderern ins Leben gerufen, die die Burg auf ein solides finanzielles Fundament stellten. Jüngst erst, referiert Robert Beutler, neuer kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters und bei dieser Gelegenheit von Bergmann offiziell vorgestellt, habe man ein Legat über 75.000 Euro von einem Abonnenten erhalten.

„Ich habe ein Haus mit Schulden übernommen und übergebe ein Haus mit Rücklagen“, sagt Bergmann. „Rücklagen für künstlerische Belange und separiert davon Rücklagen für die Renovierung des Kasinos.“ Dass das Publikum ihre Spielpläne so begeistert mittragen würde, hätte sie sich allerdings „in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können“. Neben den großen klassischen Stoffen verschrieb sich die Burg unter Bergmann der Autorenpflege, weshalb sich die Anzahl der Ur- und Erstaufführung mit 41 seit 2014 sehen lassen kann.

Stolz ist die Hausherrin auf ihre Entdeckung und Förderung von Ewald Palmetshofer, Thomas Köck, Ferdinand Schmalz, dessen „jedermann (stirbt)“ ein außerordentliches Theaterereignis ist (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28390), Wolfram Lotz oder Miroslava Svolikova, das Nach-Wien-Holen von hier wenig bekannten Regisseuren wie Herbert Fritsch, Jette Steckel oder Christian Stückl, ganz besonders, betont sie, „auf die Peter-Handke-Uraufführung ,Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße‘ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=18269), die posthume Würdigung von Wolfgang Bauers ,Der Rüssel‘ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28808) und Maja Haderlaps ,Engel des Vergessens‘ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=14710)“ – das demnächst vom Akademietheater ans große Haus übersiedelt.

Engel des Vergessens: Elisabeth Orth, Gregor Bloéb und Alina Fritsch. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Die Unschuldigen und „Ich“ – Christopher Nell. Bild: Monika Rittershaus

Mephisto: Nicholas Ofczarek, Sylvie Rohrer und Ensemble. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Medea: Steven Scharf, Caroline Peters, Mavie Hörbiger, Quentin Retzl und Wenzel Witura. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Jeden Abend 1700 Karten an die Zuschauerinnen und Zuschauer bringen zu müssen, das ist keine leichte Aufgabe, um so mehr freut Karin Bergmann ihre Bilanz von beinah zwei Millionen Besuchern, mehr als 45 Millionen Euro aus Ticketeinnahmen und einem Eigendeckungsgrad von 27 Prozent. Die fünf beliebtesten Inszenierungen dieser Spielzeit, gerankt nach Sitzplatzauslastung, sind: „Mephisto“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=29498) mit 98 Prozent, „John Gabriel Borkman“ mit 97,8 Prozent, „Medea“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31048) und „The Who and The What“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28977) mit je 96 Prozent und „Der Besuch der alten Dame“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28967) mit 94 Prozent.

Kommende Premieren:

Was an Highlights bis zum Sommer noch zu erwarten ist, auch darüber wollte Karin Bergmann berichten. So folgt etwa als nächstes, am 23. Februar, am Akademietheater die Uraufführung von Fiston Mwanza Mujilas „Zu der Zeit der Königinmutter“, inszeniert von Philipp Hauß, mit Gertraud Jesserer, die sich, so Bergmann, mit so viel Verve in das Experiment wirft, „dass sie neuen und viel mehr Text vom Autor geschrieben gekommen hat“. Tags darauf folgt an der Burg „Hiob“ in der Regie von Christian Stückl und mit Peter Simonischek als Mendel Singer. Claus Peymanns Inszenierung von Ionescos „Die Stühle“, verschoben wegen einer Verletzung von Maria Happel, hat einen neuen Premierentermin: Es ist der 13. März am Akademietheater. Andrea Breth beschäftigt sich an der Burg für den 27. März mit Hauptmanns „Die Ratten“ und bringt dazu Johanna Wokalek ans Haus zurück. Und an einem noch nicht exakt festgelegten Termin im April wird Joachim Meyerhoff seinen ersten Theatertext präsentieren, „Land in Sicht“, den er am Akademietheater auch selber auf die Bühne heben wird.

www.burgtheater.at

25. 1. 2019