Ute Bock Superstar

Januar 14, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit trockenem Humor gegen die Herzlosigkeit

Ute Bock: Hommage an die Menschenrechtsaktivistin. Bild: © Stadtkino Filmverleih

„Ich habe einen Vogel, aber es gibt viele Leute, die meinen Vogel unterstützen“, so zitiert Bundespräsident Alexander van der Bellen Ute Bock beim Lichtermeer zu ihren Ehren. Am 19. Jänner 2018 ist die große Menschen- rechtsaktivistin und Flüchtlingshelferin gestorben, am 2. Februar trafen sich tausende Menschen auf dem Wiener Heldenplatz, um von ihr Abschied zu nehmen.

Mit Van der Bellens Ausspruch „Ute Bock ist ein Symbol für die Hilfe, die wir geben können, wenn wir wollen“ eröffnet Filmemacher Houchang Allahyari seine Dokumentation „Ute Bock Superstar“, die am Freitag in den Kinos anläuft. Es ist nach „Bock for President“ und „Die verrückte Welt der Ute Bock“ seine dritte Arbeit über seine ehemalige Schwägerin, Allahyari war mit Bocks Schwester Helga verheiratet, und das Besondere diesmal ist der familiäre Aspekt. Allahyari beleuchtet mithilfe von privaten Fotos und Filmaufnahmen nicht nur Ute Bocks Wirken, sondern auch ihr Werden. Vom Elternhaus mit einem dem Nationalsozialismus durchaus zusprechenden Vater, von dem sie sich früh distanzierte, über ihre Zeit als Erzieherin, später als Heimmutter im Gesellenheim Zohmanngasse, eine Einrichtung für Jugendliche, die als „schwierige Fälle“ galten, bis in den 1990er-Jahren die ersten Flüchtlinge aus Jugoslawien und Afrika kamen und sie schließlich ihren Verein gründete (www.fraubock.at).

Auch die Drogenrazzia im Herbst 1999 lässt er nicht aus, es sei, sagt er im Interview mit mottingers-meinung.at, noch Ute Bocks ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass die im Film vorkommt, weil nichts ausgelassen werden sollte. „Ute Bock Superstar“ ist die Begegnung mit einer bewunderungswürdigen Persönlichkeit, die für sich in Anspruch nahm, nichts Außergewöhnliches, sondern nur das zu tun, was normal sei. Einem Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben, einem Hungernden zu essen. Mit trockenem Humor begegnet Bock der gesellschaftlichen Herzlosigkeit, man sieht sie granteln, wenn’s nicht nach ihrem Kopf geht, bei ihren Immer-wieder-Abrutschern erst hantig sein, dann natürlich hilfsbereit – und einmal, wie ihr der Geduldsfaden reißt.

Beim Lichtermeer zu Ute Bocks Ehren auf dem Heldenplatz … Bild: © Stadtkino Filmverleih

… sprach auch Bundespräsident Alexander van der Bellen. Bild: © Stadtkino Filmverleih

Und gerade dieses von Allahyari ausgestellte Auch-nur-ein-Mensch-Sein, ist es, was Ute Bock als Symbol, als moderne Heldin, als „Superstar“ greifbar macht. Alles Zuschreibungen, sagt Allahyari, über die sie sich nur lustig gemacht, die sie weit von sich gewiesen hätte. Etliche Male zeigt sein Film Ute Bock auf Bühnen, in Universitäten vor Studenten, bei der Viennale vor deren Publikum, und ja, es entsteht der Eindruck, sie hätte den Applaus schon genossen. Nicht den für sich, den für die Sache.

Allahyari lässt Familienmitglieder, Ex-Frau Helga, seine Söhne Tom-Dariusch und Kurosch, dieser bei Purple Sheep engagiert, seine Tochter Petra, zu Wort kommen. Er spricht mit Josef Hader, Karl Markovics oder Hans Peter Haselsteiner, der das Heim Zohmanngasse von der Gemeinde Wein kaufte, sanierte und so das „Ute Bock Haus“ entstehen ließ, und der Pflegerin in ihren letzten Wochen. Ehemalige Zöglinge erzählen von Ute Bock, Anekdoten und private Eindrücke.

Und in eigentlich jedem Gespräch fallen die Worte „Ehrfurcht und Respekt“ und „Ersatzmutter“ und „Mama Bock“, so wie Bock ihre Schützlinge ihre Kinder nannte. In einer Sequenz sieht man sie an ihrem Grab stehen, Allahyari zeigt auch die, die nach wie vor und gerade in der derzeitigen politischen Stimmung Schutz brauchen. Ein 18-jähriges Mädchen, Schülerin mit Bestnoten, mit dem Vorsatz Tourismus-Management zu studieren, bevor sie ihren Abschiebebescheid bekam. Kinder von Geflüchteten, die ohne Scheu und in schönstem Wienerisch in die Kamera sagen, einmal Koch werden zu wollen, oder Polizist. Kinder, die sich ganz selbstverständlich als hierher gehörig empfinden – weil sie gar kein anderes Zuhause kennen.

Ute Bocks Schützlinge an ihrem Grab. Bild: © Stadtkino Filmverleih

Ute Bock war keine Jausengegnerin, wenn es darum ging, sich für Menschen in Not einzusetzen. Schlagfertig und um klare Worte nie verlegen, wies sie Gegner an ihrem Handeln in die Schranken. Dass ihre diesbezügliche Kompromisslosigkeit, ihre trotz aller Widerstände Unbeirrbarkeit, ihre Zivilcourage beispielgebend sind, auch das sieht man.

„Ute Bock Superstar“ ist ein inspirierendes Plädoyer für soziales Engagement, und ein Beleg dafür, dass es das andere Österreich immer noch gibt. Katze Mutzi kommt selbstverständlich auch vor, sie lebt nun bei Nichte Petra.

Houchang Allahyari im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=31182

Trailer: vimeo.com/303082307

stadtkinowien.at

  1. 1. 2019