Nestroy-Preis 2018: Die Gewinner

November 18, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Keine besonderen Vorkommnisse

The Who and The What: Peter Simonischek mit Aenne Schwarz. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Für den Gag des Abends sorgte Peter Simonischek in Abwesenheit. Weil er Samstagabend kurzfristig mit einer Vorstellung einspringen musste, konnte er nicht bei der Nestroy-Preis-Verleihung im Theater an der Wien sein. Die Auszeichnung entgegen nahm sein Sohn Benedikt, der brav des Vaters Dankesworte verlas, von einem Zettel, auf dessen Rückseite deutlich Simonischeks Statement „Na endlich!“ zu erkennen war.

Erhielt der Burgschauspieler mit der Goldtrophäe für seine Leistung in „The Who and The What“ doch tatsächlich erst seinen ersten „Nestroy“. Für die frech festgehaltene Feststellung gab’s viel Gelächter und Applaus im Publikum.

Ansonsten, so könnte man sagen, keine besonderen Vorkommnisse. Es wirkte, als hätten die Theaterkünstlerinnen und – künstler des Landes zu dessen aktueller Lage nichts zu sagen. Mit Ausnahme von Autor Ferdinand Schmalz, der sich bezüglich „Bundespopulisten“ und „Vorurteilsfäulnis“ kein Blatt vor den Mund nahm. Schmalz‘ Kritik richtete sich an jene, die „gern an der Festung Europa“ bauen, „obwohl man meinen könnte, dass die, die heute wirklich unsere Sicherheit gefährden, in den Ministerien sitzen.“ Der Dramatiker: „Wir dürfen nicht vergessen, dass mit der Zukunft der Demokratie auch die Zukunft des Theaters auf dem Spiel steht.“ Und auch Regisseur Dušan David Pařízek warnte vor „Rechtsruck“ und einer „weltfremden linken Elite“.

Laudator Klaus Maria Brandauer verneigte sich mit einer „Satzbiografie“ vor Peter Handke für dessen Lebenswerk. Der war ganz im Glück und antwortete mit einer launigen Rede. Kein Glück hatte indes Nikolaus Habjan. Bereits zum zweiten Mal mit dem ORF III-Publikumspreis bedacht, konnte er diesen, weil erkrankt, nicht selbst entgegennehmen. Er schickte seine Schwester. Durch den Abend führten, nach dem Buch von Nicolaus Hagg, Maria Happel, Viktor Gernot und Peter Fässlacher als sympathisches und nicht nur sängerisch talentiertes Moderatorentrio – überraschte doch Fässlacher mit einer Showeinlage als Taschenspieler und Gernot mit einer täuschend echten Otto-Schenk-Parodie. Das Theater in der Josefstadt ging unverständlicherweise völlig leer aus.

Die Preisträger:

Vor Sonnenaufgang: Dörte Lyssewski mit Markus Meyer und Michael Maertens. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

jedermann (stirbt) von Ferdinand Schmalz. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Die Zehn Gebote: Peter Fasching. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Muttersprache Mameloschn: Suse Lichtenberger, Michèle Rohrbach, Martina Rösler und Jelena Popržan. Bild: Bettina Frenzel

Lebenswerk: Peter Handke www.mottingers-meinung.at/?p=18269   http://www.mottingers-meinung.at/?p=23720

Bestes Stück – Autorenpreis: Ferdinand Schmalz für „jedermann (stirbt)“ am Burgtheater www.mottingers-meinung.at/?p=28390

Beste Ausstattung: Alice Babidge für „Hotel Strindberg“ am Akademietheater www.mottingers-meinung.at/?p=28131

ORF III-Publikumspreis: Nikolaus Habjan www.mottingers-meinung.at/?p=26649

Beste Schauspielerin: Caroline Peters in „Hotel Strindberg“ am Akademietheater www.mottingers-meinung.at/?p=28131

Bester Schauspieler: Peter Simonischek in „The Who and the What“ am Akademietheater www.mottingers-meinung.at/?p=28977

Beste Darstellung einer Nebenrolle: Dörte Lyssewski in „Vor Sonnenaufgang“ am Akademietheater www.mottingers-meinung.at/?p=27733

Beste Regie: Dušan David Parizek mit „Vor Sonnenaufgang“ am Akademietheater www.mottingers-meinung.at/?p=27733

Bester Nachwuchs weiblich: Lara Sienczak in „Die Weiße Rose“ am Theater der Jugend

Bester Nachwuchs männlich: Peter Fasching in „Die Zehn Gebote“ am Volkstheater www.mottingers-meinung.at/?p=27700

Spezialpreis: „Die Kinder der Toten“, Regie Nature Theater of Oklahoma beim steirischen herbst www.mottingers-meinung.at/?p=26015

Beste Off-Produktion: „Muttersprache Mameloschn“, Inszenierung Sara Ostertag am KosmosTheater www.mottingers-meinung.at/?p=27612

Beste Bundesländer-Aufführung: „Iwanow“, Inszenierung Mateja Koležnik am Stadttheater Klagenfurt www.mottingers-meinung.at/?p=24871   www.mottingers-meinung.at/?p=30503

Beste Aufführung im deutschsprachigen Raum:Die Perser“, Inszenierung Ulrich Rasche bei den Salzburger Festspielen

www.nestroypreis.at

  1. 11. 2018