Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon

August 25, 2018 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Roadmovie mit einem Doppeldecker

Philomena (Emma Bading) und Schorsch Kempter (Elmar Wepper) vor Schorschs Kiebitz. Bild: © Mathias Bothor/Majestic

Es sei Grundvoraussetzung gewesen, dass Elmar Wepper die Titelrolle in diesem Film übernimmt, sagt Regisseur Florian Gallenberger im Gespräch. Der Oscarpreisträger hat Jockel Tschierschs Roman „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ für die Leinwand adaptiert, und tatsächlich ist sein Hauptdarsteller darin sein größter Trumpf.

Wepper läuft als grumpy old man einmal mehr zur Hochform auf, liebenswert und lässig lässt der 74-Jährige die Tragikomödie in luftige Höhen abheben – zu sehen ab 31. August in den Kinos. Wepper spielt den Gärtner Schorsch Kempter. Dessen Kleinbetrieb steht kurz vor der Pleite. Zu den finanziellen kommen familiäre Probleme. Die Ehe mit Frau Monika hat sich entzaubert, Tochter Miriam will an der Kunstakademie studieren, statt in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Als sich die Betreiber eines Golfplatzes weigern, die Rechnung für einen neuen Rasen zu bezahlen, weil der nicht kalifornisch-grün ist, wird die Lage prekär. Der Gerichtsvollzieher kommt, und will seinen „Kuckuck“ auch auf das Propellerflugzeug von Schorsch kleben. Da tut der, was er immer tut, wenn ihm die Probleme über den Kopf wachsen: Er fliegt mit seinem roten Kiebitz auf und davon.

Was nun folgt, ist ein Roadmovie mit einem Doppeldecker. Denn auf seiner Reise lernt Schorsch nicht nur allerlei kauzige Typen kennen, sondern auch sich selbst. Ganz klar, dass aus dem pessimistischen, misanthropischen Eigenbrötler am Ende ein empathiebegabter Menschenfreund wird. So wird er etwa zum Heiler und Helfer für die bipolare Schlossbesitzerstochter Philomena, die ihrer Stiefmutter via Handy „Selbstmordvideos“ schickt. Mit ihr hat er Erlebnisse, die seine harte Schale knacken, und für beide wieder Freude am Leben aufkommen lassen. Philo wird zu Schorschs Reisegefährtin.

Aufblüht der Antiheld dann auf der vierten Etappe. Da muss er wegen einer Havarie auf einem stillgelegten, kleinen Flughafen in Brandenburg notlanden – und landet so mitten im Revier der dortigen Besitzerin, Mechanikerin, Kneipenwirtin Hannah. Und die wirbelt die Gefühle des Gärtners ganz schön durcheinander. Doch Hannah steht nicht auf ungeklärte Verhältnisse, und so schickt sie Schorsch nach Hause zu seiner Frau. Der aber will seine Ahnung von Glück nicht wieder verlieren …

Die Ehe von Schorsch Kempter (Elmar Wepper) und seiner Frau Monika (Monika Baumgartner) steht nicht zum Besten. Bild: © Luna Filmverleih

Schorsch Kempters (Elmar Wepper) schicksalhafte Begegnung mit Mechanikerin Hannah (Dagmar Manzel). Bild: © Luna Filmverleih

Gallenberger hat seinen Film hochkarätig besetzt. Monika Baumgartner spielt Schorschs resigniert habende Ehefrau, Dagmar Manzel mit Berliner Schnauze die Hannah. Ulrich Tukur und Sunny Melles sind als Schlossbesitzerpaar von der exzentrischen Extraklasse. Emma Bading ist als deren Tochter Philomena zu sehen, Karolina Horster als Schorschs rebellische Tochter Miriam. Die Schauspieler haben sichtlich Spaß am augenzwinkerndem Stoff. Und als Draufgabe gibt’s wunderschöne Luftaufnahmen aus dem Kiebitz.

„Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ ist ein ans Herz gehender Film. Feinfühlig erzählt er von unerfüllten Träumen, mutigen Entscheidungen und von jener außergewöhnlichen Kraft im Menschen, die erforderlich ist, um die Hürden des Lebens zu überwinden.

Erst der Blick von weit oben öffnet Schorsch die Sicht auf sich selbst. Er begreift, dass er an wichtigen Herzensentscheidungen und seinen Träumen vorbeigelebt hat. Und dass er auf Kurs kommen muss, bevor es zu spät ist. Ein Wiedersehen mit Elmar Wepper gibt es bald. Denn Doris Dörrie, die den einst unterforderten Serienstar für die große Leinwand entdeckte, dreht derzeit mit ihm die Fortsetzung von „Kirschblüten Hanami“, „Kirschblüten & Dämonen“. Im April fiel die erste Klappe, Kinostart ist 2019.

gruenerwirdsnicht-film.de/

  1. 8. 2018