Bronski & Grünberg: Titanic

Februar 1, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Was David Cameron nicht erzählt hat

Rette sich, wer das Geld dafür hat: Daniela Golpashin, Claudius von Stolzmann, Johanna Prosl, David Oberkogler, Lisa-Caroline Nemec. Bild: Andrea Peller

Zwanzig Jahre nachdem die „Titanic“ auf der großen Leinwand gesunken ist, tut sie’s nun im Bronski & Grünberg. Wenig hat sich seitdem verändert, Diverses verschlechtert sich gerade wieder, und die Rettungsboote sind immer noch für die Reichen gedacht. Regisseur und Autor Dominic Oley spart bei seiner Bühnen- adaption des Films nicht an Kritik zur Zeit, an Turbokapitalismus und Regierungen, die doch eben noch links waren, in erster Linie aber ist sein Stück ein Mordsspaß.

Mit Volldampf fährt nicht nur der Luxusliner auf den Eisberg zu, sondern auch die turbulente Komödie ein hohes Tempo. Nicht weniger als elf Schauspieler bevölkern die kleine Bühne, die dank einer weiteren genial-schlanken Lösung von Kaja Dymnicki im Handumdrehen von der Kapitänsbrücke zum Maschinenraum und vom Salon zum Zwischendeck werden kann. Vor allem das Bettenlager im zweiten Zwischendeck wird zum Austragungsort aller möglichen Leidenschaften, wird doch an Bord geliebt, gelogen und betrogen, dass sich die Schiffsbalken biegen.

Ein Auszug aus dem tollen Treiben: Schiffseigner Bruce Manchester (Claudius von Stolzmann) und seine kapriziöse Gattin (Daniela Golpashin) gehen mit jeweils Lord und Lady Wood (David Oberkogler und Johanna Prosl) fremd. Das heißt, zumindest versuchen sie es. Manchester ist außerdem Börsenspekulant und als solcher im Dauerclinch mit einem seiner Hauptaktionäre (Alexander Braunshör), Lord Wood will ein wertvolles Collier seiner Ehefrau verschwinden lassen, um die Versicherungssumme zu kassieren.

Dafür beauftragt er einen zwielichtigen Kubaner (Boris Popovic als Kommunist mit originell-ökonomischen Vorstellungen von der Welt), dem allerdings der Borddetektiv (Thomas Weissengruber) auf den Fersen ist. Thomas Kamper gibt sowohl Kapitän als auch Chefmaschinist, beide der festen Überzeugung, dass die Titanic sinken wird, wenn man die Maschinen nicht drosselt, aber auf sie hört natürlich keiner. Und am Ende taucht Serge Falck auf und interviewt die überlebende Rose. Ach ja: Das mit Rose (Lisa-Carolin Nemec), das war übrigens ganz anders, als David Cameron es erzählt hat. Ihr geliebter Jack (Paul Graf) soll in erster Linie dazu gut sein, Papa und Stiefmama Manchester zu schockieren. Kein Wunder also, dass er am Ende leichten Herzens den Wellen überantwortet wird …

Eisberg voraus: Claudius von Stolzmann und Thomas Kamper. Bild: Andrea Peller

Wandelt auf den Spuren von Leonardo DiCaprio: Paul Graf. Bild: Andrea Peller

Den Schiffbruch mit Seitenspringern und anderen Schlitzohren erzählt Oley mit Versprechern und Beiseitesprechern, so dass es im Publikum einfacher ist, den Überblick zu behalten, als es den Figuren gelingen mag. Dass eine Inszenierung wie diese auch auf Klamauk und Kalauer setzt, versteht sich. Diese „Titanic“ ist die Hochseilvariante von Slapstick – und offenbart dabei dennoch die tiefsten Abgründe menschlicher Seelen. Schade, dass das Schiff mit nur eineinviertel Stunden ein Absaufdatum hat.

www.bronski-gruenberg.at

  1. 2. 2018