Loving Vincent

Dezember 27, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Van Goghs Gemälde als Kinokrimi

Armand Roulin (Douglas Booth, vorne) betrunken in einer Kneipe. Bild: © Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

Eines der ungewöhnlichsten und sicherlich stilvollsten Biopics der vergangenen Jahre kommt morgen in die heimischen Kinos: „Loving Vincent“ erzählt die Lebensgeschichte des genialen Malers Van Gogh – und nebenbei noch einen Krimi. Mehr als 200 Künstler haben dieses Leinwandmeisterwerk geschaffen, das nicht nur schön anzusehen, sondern auch spannend ist.

Frankreich, Sommer 1891. Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin erhält den Auftrag, den Brief auszuhändigen. Zunächst widerwillig macht er sich auf den Weg, doch je mehr er über Vincent erfährt, desto faszinierender erscheint ihm der Maler, der zeit seines Lebens auf Unverständnis und Ablehnung stieß. War es am Ende gar kein Selbstmord? Wurde Van Gogh ermordet oder Opfer eines Unfalls unter übermütigen Freunden? Entschlossen begibt sich Armand auf die Suche nach der Wahrheit …

Mit diesem erfundenen Plot versuchen die Filmemacher Dorota Kobiela und Hugh Welchman einem den komplexen Charakter Vincent Van Goghs näher zu bringen. Ihren Film gestalteten sie komplett in Ölbildern in dessen Stil. 125 Künstler aus aller Welt kreierten mehr als 65.000 Einzelbilder; Gemälde wie „Sonnenblumen“ oder „Portrait des Dr. Gachet“ strahlen erneut in kräftigen Farben, werden dreidimensional, werden zu Settings, um die die Kamera zu kreisen scheint. Es gibt 94 Gemälde im Film, die in ihrer Form sehr nah am Original sind, und 31 weitere, die im Wesentlichen oder in Teilen mit den Originalen übereinstimmen. Entstanden ist so ein visuell berauschendes Meisterwerk, dessen Farbenpracht und Ästhetik noch lange nachwirken.

Dr. Gachet (Jerome Flynn). Bild: © Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

Vincent van Gogh (Robert Gulaczyk). Bild: © Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

Die Handlung selbst basiert auf 800 Briefen Van Goghs. Und obwohl es sich um einen Animationsfilm handelt, werden alle Figuren von Schauspielern dargestellt. Die agierten entweder in Sets, die speziell nach den Gemälden van Goghs nachgebaut wurden, oder vor einem Green Screen. Zu sehen sind dem Maler nahestehende Charaktere wie Margaret Gachet (Saoirse Ronan), Adeline Ravoux (Eleanor Tomlinson), Louise Chevalier (Helen McCrory), eben Armand Roulin (Douglas Booth), Dr. Gachet (Jerome Flynn) und der Postbote Roulin (Chris O’Dowd).

Bild: © Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

Dass der Krimiplot ein wenig unausgeglichen und die Dialoge nicht allzu geschliffen sind, mag man dem Film verzeihen. Es heißt Form vor Inhalt. „Sie wollen so viel über seinen Tod wissen, was wissen Sie von seinem Leben?“, fragt eine aufgebrachte Marguerite Armand. Und sie hat Recht. Niemand wird je wissen, was in den letzten Tagen in Van Gogh vorging. So sollte man „Loving Vincent“ sehen: Als Hommage an ein Genie und sein Werk, das biografische Eckdaten und einen neuen Blick auf dessen Bilder liefert.

www.lovingvincent-film.de

  1. 12. 2017