Neu am Volkstheater: Peter Fasching

Dezember 14, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Er spielt in „Die Zehn Gebote“ nach Krzysztof Kieślowski

Peter Fasching in „Die Zehn Gebote“. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Seit Beginn der Spielzeit 2017/18 ist Peter Fasching (mehr: www.volkstheater.at/person/peter-fasching/) Ensemblemitglied des Volkstheaters. Nach der aufsehenerregenden Aufführung von „Extremophil“ im Volx/Margareten hat er am Freitag mit „Die Zehn Gebote“ in der Regie von Stephan Kimmig die nächste Premiere. Ein Gespräch über Mörder, Moral, Musik – und Josef Hader als Einstiegsdroge:

MM: „Die Zehn Gebote“ sind nicht aus der Bibel …

Peter Fasching: Genau. Es ist nach einem Filmzyklus namens „Dekalog“ von Krzysztof Kieślowski. Wir nehmen die Geschichten, die Kieślowski verfilmt hat, nun für die Bühne und adaptieren sie. Gezeigt werden Menschen, die vor großen Problemen stehen, oder vor großen Fragen, die an die Zehn Gebote gebunden sind.

MM: Ihre Figur beispielsweise?

Fasching: Ich spiele fünf, davon zwei große Rollen. Eine behandelt zum Beispiel das Gebot „Du sollst nicht töten“, da wird von einem Rechtsanwalt erzählt, der einen Mörder verteidigen muss, der einen Taxifahrer bestialisch umgebracht hat, und jetzt zum Tode verurteilt wird. Also das Gebot trifft immer wieder zu. Bei uns lernt man erst den Rechtsanwalt kennen, der diese Geschichte erzählt, danach komme ich als Mörder. Kurz bevor ich erhängt werden soll. Die zweite ist ein junger Mann, der eine Frau durchs Fenster beobachtet, ganz obsessiv, heute würde man sagen, ein Stalker. Es hat jeder viel zu tun, es gibt viele Umzüge und sehr viele Perücken.

MM: Was soll uns am Kosmos Kieślowski heute interessieren?

Fasching: Die Universalität der Themen. Wir stellen die Frage: Wie leben wir zusammen? Was tun wir uns gegenseitig an? Wollen oder können wir nicht anders? Ganz eigenartig ist, wie viel sich die Figuren gegenseitig verzeihen. Es gibt wahnsinnige Verletzungen, aber auch sehr viel Vergebung. Das finde ich interessant zu spielen in einer Welt, in der sich gerade gegenseitig sehr wenig verziehen wird.

MM: Stephan Kimmig ist das, was man einen Starregisseur nennt. Wie ist arbeiten mit ihm?

Fasching: Ganz toll. Manchmal bricht schon Melancholie aus, weil wir wissen, am Freitag ist die Probenzeit vorbei. Man merkt, dass er schon sehr lange dabei ist, viel Erfahrung hat. Er schaut ganz sensibel. Eine Schauspielerin hat mal gesagt, sie wünsche sich von einem Regisseur „Luft unter die Flügel“, und das gibt er einem.

MM: In einem Interview sagt Kimmig, die Inszenierung würde von „expressiver Körperlichkeit“, mit Tanz und Musik sein. Das heißt, Sie sind gefordert?

Fasching: Wir sind sehr gefordert. Es gibt immer wieder Momente, wo die Sprache nicht mehr reicht, dann gibt es sehr expressive körperliche Einlagen, die einen als Spieler außer Atem bringen. Nach den drei Stunden ist man ziemlich durch.

MM: Seit Anna Badora das Volkstheater leitet, sind Aufführungen immer wieder nahe am Tanz. Etwas, das Ihnen entgegenkommt?

Fasching: Ich genieße das sehr. Ich habe in der Schauspielschule sehr gerne körperlich gespielt, in Bremen hat mir das sehr gefehlt. Ich habe manchmal versucht, es einzubauen, aber das kam nicht so gut an. Hier war „Extremophil“ meine erste Premiere und wir hatten gleich eine richtige Choreografie. In den „Zehn Geboten“ gibt es wiederum ganz freie Tanzgeschichten, ich finde das toll. Endlich wieder richtig sich austoben!

Mit Anja Herden in „Die Zehn Gebote“. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Erste Premiere in Wien: In „Extremophil“. Bild: © Robert Polster / Volkstheater

MM: Wie ist denn Ihre Leidenschaft zum Theater entfacht?

Fasching: Ich komme aus Braunau am Inn, und was sieht man dort als Theater? Die großen österreichischen Kabarettisten. Das hat mit 15, 16 angefangen, da habe ich meine ersten Erinnerungen an Abende mit Josef Hader. Der ja an der Grenze zwischen Theater und Kabarett sich bewegt, das hat mich total fasziniert. Wir haben dann Schultheater gespielt, auch in Linz eine Produktion gemacht – das war der Moment! „Andorra“ von Max Frisch, jeden Tag, eine Woche lang. Danach war ich so müde, wie noch nie, aber gleichzeitig dachte ich mir, am Montag könnt’s wieder losgehen. Da dachte ich erstmals: Vielleicht ist das ein Beruf?

MM: Hat Ihre Familie das auch so gesehen?

Fasching: (Er lacht.) Die waren eigentlich ganz cool. Viel später hat mir meine Mutter erzählt, dass sie dachte, das wird eh nix und dann kann er was Richtiges machen. Aber da ich gleich an der Otto-Falckenberg-Schule bestanden habe, war ihnen der Wind aus den Segeln genommen und alle Zweifel beseitigt.

MM: Sie haben den O.E. Hasse-Preis erhalten.

Fasching: Ja, das war für eine Arbeit mit Christiane Pohle, eine performative Inszenierung. Die Jury hat die Inszenierung gesehen, und beschlossen, dass ich den Preis kriegen soll.

MM: Dann Bremen, das Volkstheater ist „erst“ die zweite Station.

Fasching: Ja, das waren aber auch die einzigen Angebote – und natürlich zwei, die man sofort annimmt. Der Weg war vorgegeben. Ich habe Roland Koberg kennengelernt, als wir bei den Festwochen vor zwei Jahren den „Schwejk“ gespielt haben, seither verfolgte ich das Volkstheater, und war immer wieder hier, um mir die Inszenierungen anzusehen. „Lost and Found“ war das erste Stück, das ich hier gesehen habe – und es war einfach nur Wow!

MM: Was treibt Sie als Künstler an?

Fasching: Für mich ist wichtig, was ein Haus sich auf die Fahnen schreibt. Da geht es gar nicht darum, ob das ein das ein prominentes Haus oder eine kleine Bühne ist. Ich finde es toll, dass das Volkstheater ein Anliegen hat, und das auch rüberbringen kann. Hier sieht man, dass sich Humor und Inhalt nicht ausschließen, oder Zugänglichkeit und Inhalt. Das andere ist, wie gut dieses Ensemble ist. Das war in den ersten Wochen ganz eigenartig, weil ich als Fan plötzlich Teil davon war. Das Volkstheater macht Theater für die Stadt, hört hin, was gerade die Fragen und Probleme sind. Es gilt nicht nur, schöne Kunst zu machen, man muss auch eine Haltung haben und die mit Theaterstücken vertreten.

MM: Kieślowski hat ja in Interviews immer beteuert, er sei kein Moralist. Finden Sie, man darf in Zeiten wie diesen ruhig ein Moralist sein? Hat man ein Recht darauf?

Fasching: Man sollte auf jeden Fall Fragen aufwerfen, oder eine Aufmerksamkeit mal auf eine Sache lenken, die nicht so im allgemeinen Bewusstsein ist. Man kann extrem tagespolitisch sein, wie bei der Nestroy-Preisverleihung, oder wie in den „Zehn Geboten“ einen philosophischen Überbau zum Leben an sich bieten.

MM: Was machen Sie, wenn Sie nicht Theater spielen?

Fasching: Musik. Tatsächlich interessiere ich mich für Theatermusik. Damit habe ich schon in Bremen angefangen, ich habe mich an ein paar musikalische Leiter rangeschmissen, dann selber komponiert für ein Stück. Das ist ein schöner Ausgleich. Da kann man sich an einem freien Wochenende in Texten, Liedern und auch Computerprogrammen verlieren.

Mit Birgit Stöger in „Extremophil“. Bild: © Robert Polster / Volkstheater

MM: Da könnten Sie ja eigentlich mal in der Roten Bar auftreten.

Fasching: Wir hatten neulich eine erste Veranstaltung von „Spiel mir das Lied“, da durfte ich zwei Weihnachtslieder interpretieren. Das schätze ich auch als Qualität am Volkstheater, das man so vielseitig sein kann, und das man als das, was man ist und kann, auch gesehen und geschätzt wird.

 

MM: Nach „Die Zehn Gebote“ sieht man Sie in einem Shakespeare.

Fasching: Im März kommt „Viel Lärm um nichts“, Sebastian Schug inszeniert, und ich spiele den Borachio, den Intriganten. Das wird meine erste komödiantische Rolle, zum allerersten Mal Komödienfach. Ich freue mich darauf, weil ich das gerne mag,und noch nie machen durfte. Vielleicht schließt sich da der Kreis zur Einstiegsdroge Josef Hader.

www.volkstheater.at

14. 12. 2017