10 Jahre Forum Frohner

Oktober 13, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum Jubiläum zeigt man erstmals die Sammlung Gabriel

Adolf Frohner: Eine der drei Grazien,1969. Sammlung Gabriel. Bild: Christian Redtenbacher

Zum Zehn-Jahre-Jubiläum des Forum Frohner zeigt das Haus in Krems-Stein ab 15. Oktober die Sammlung Gabriel, eine österreichische Privatsammlung, die erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Das Wiener Sammlerpaar Harald und Mechtilde Gabriel lernte Adolf Frohner in den 1960er-Jahren durch Vermittlung des Galeristen Erich Gabriel, Cousin von Harald, kennen. Frohner hatte zu dieser Zeit sein Atelier in der Paradisgasse im 19. Wiener Bezirk, in unmittelbarer Nachbarschaft der Gabriels. Es entwickelte sich ein Naheverhältnis und das junge Paar begann, Werke des befreundeten Künstlers zu sammeln. In einigen Jahrzehnten entstand eine umfangreiche Sammlung, die sich nach dem Motto „Fokus Frohner“ primär auf dessen Werk konzentrierte.

Die Sammlung Gabriel umfasst neben Radierungen und Zeichnungen auch malerische Schlüsselwerke aus den 1960er- und 1970er-Jahren. In dieser Periode entwickelte Adolf Frohner ausgehend vom Wiener Aktionismus einen neuen Zugang zur Figuration. Außerdem gelang ihm mit der Teilnahme an der Biennale von São Paulo 1969 und der Biennale von Venedig 1970 der internationale Durchbruch. Die figurativen Arbeiten bilden den Schwerpunkt der Sammlung, begleitet von ausgewählten Blättern der präfigurativen Phase.

Mit der Arbeit „Verschlossenes“  aus dem Jahr 1962 findet sich in der Sammlung ein seltenes Werk, in dem Frohner mit Materialien wie Jute und Gips in Kombination mit reduktiven malerischen Elementen experimentierte. Das Aquarell „Ohne Titel“ von 1965 integriert hingegen Zeitungsausschnitte und demonstriert Frohners Suche nach den neuen figurativen Bildelementen. Das Gemälde „Hochzeit der Schwestern“, entstanden 1967, zeigt die für Frohner typischen Frauengestalten. Mit Anregungen aus der Art brut definieren sie ein neues Menschenbild, das sich kritisch mit der Conditio humana befasst.

Die bildnerischen Werke der Sammlung werden mit detailliertem Archivmaterial, Presserezensionen sowie liebevoll aufbewahrten Kleinoden wie Plakaten, Sonderausgaben von Publikationen und persönlichen Widmungen ergänzt. Die Ausstellung rückt die persönliche Note und den individuellen Zugang des Sammlerpaares in den Vordergrund. Durch den Blick der Sammler öffnet sich ein neuer Zugang zu Adolf Frohners Position zu Kunst und Realität, die er im Statement „Kunst muss nicht schön sein. Aber sie muss notwendig sein“ auf den Punkt brachte.

Entdeckt wurde die Sammlung Gabriel im Zuge der Recherche für das Werkverzeichnis zur Malerei Adolf Frohners, das nach mehrjähriger Arbeit zum Jubiläum des Forum Frohner erscheint und bei der Ausstellung präsentiert wird.

Adolf Frohner: Hochzeit der Schwestern, 1967. Sammlung Gabriel. Bild: Christian Redtenbacher

Adolf Frohner: Die Revolte,1971. Sammlung Gabriel. Bild: Christian Redtenbacher

Das Forum Frohner im ehemaligen Minoritenkloster in Stein wurde 2007 eröffnet. Wie Dieter Ronte, von 2007 bis 2015 künstlerischer Leiter des Hauses, feststellte, wollte Frohner „dezidiert kein eigenes Museum, sondern ein Forum, in dem spannende kulturelle Arbeit geleistet werden kann“. Jedoch verstarb Adolf Frohner unerwartet im Jänner 2007 und konnte die Eröffnung „seines“ Forums nicht mehr miterleben.

Seit nunmehr zehn Jahren findet am Haus ein abwechslungsreicher Parcours von Ausstellungen und Veranstaltungen statt, die Aspekte aus allen Bereichen der Kultur verbinden. In der letzten Dekade gab es mehr als 25 Ausstellungen mit mehr als 200 Künstlerinnen und Künstlern. Der Bogen reicht von Einzelpräsentationen verwandter Zeitgenossen bis zu thematischen Fragestellungen, von nationalen bis zu internationalen Positionen. Das Ausstellungsprogramm, das auch Aspekte der Gegenwartskunst zeigt, wird mit Diskussionen, Musikveranstaltungen und Lesungen ergänzt.

www.forum-frohner.at

13. 10. 2017