Karikaturmuseum Krems: Für das Leben lernen

September 16, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Nicht nur die Lehrer auf die Schippe genommen

Ein frommer Wunsch – Bruno Haberzettl: Im Audimax anno 2040 …, 2009. Bild: © Bruno Haberzettl

Zum diesjährigen Schulbeginn widmet sich das Karikaturmuseum Krems ab 17. September mit der Ausstellung „Für das Leben lernen. Mehr Wissen mit Humor und Karikatur“ der Bildung. Mehr als  30 Karikaturistinnen und Karikaturisten nähern sich dem Thema mit Humor und präsentieren auf amüsante Weise Standpunkte für einen Diskurs über die Schule und die gesellschaftlichen Anforderungen eines ganzheitlichen Bildungssystems.

Den Originalzeichnungen sind Gedanken von Expertinnen und Experten sowie Künstlerinnen und Künstlern gegenübergestellt. Dadurch regt die Ausstellung dazu an, sich mit der eigenen, aber auch der allgemeinen Bildungssituation zu beschäftigen. Bildung ist und bleibt der Schlüssel zu Entwicklung und Zukunft, Lernen soll wieder als Freude und Chance und weniger als Pflicht empfunden werden. Denn: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir – und das ein Leben lang.

Kaum ein Thema wird mehr diskutiert und analysiert als das Bildungssystem. Im Sommer 2017 konnte endlich ein politischer Kompromiss für eine Bildungsreform geschlossen werden. Bis die Reformen jedoch im Klassenzimmer ankommen, kann es noch eine Weile dauern. In einer Zeit der großen Umbrüche, Krisen und Zukunftsängste scheint das richtige Bildungssystem noch nicht gefunden zu sein.

Oliver Schopf: Pleiten, Pech und Pannen begleiten das digitale Projekt der Zentralmatura …, 2015. Bild: © Oliver Schopf

Markus Szyszkowitz: Das Märchen vom freien Unizugang, 2011. Bild: © Markus Szyszkowitz

Thomas Wizany, Nach der Schule, 2014. Bild: © Thomas Wizany

Das öffentliche  Bild von Lehrerinnen und Lehrern hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Glücklicherweise sind die Zeiten, als sie den Rohrstock schwangen, endgültig vorbei. Wissen, Persönlichkeit und dem sogenannten Classroom Management sind die Disziplinen, mit welchen die Lehrer heutzutage ihre Schüler überzeugen können. Dazu zählen klare Anweisungen, transparente Ziele und damit verbunden ein gut strukturierter Unterricht. Vor allem schwächere Schülerinnen und Schüler profitieren davon und können sich dadurch besser organisieren.

An den Schulen soll vor allem auch die politische Urteilsfähigkeit gefördert werden. Kritisches Denken, kombiniert mit Faktencheck, schützt vor medialen Unwahrheiten, den sogenannten Fake News. Den hohen Anforderungen kann die Schule aber nur auf der Basis eines positiven Zusammenspiels von Lehrern, Schülern und Eltern genügen. Bildung soll dazu befähigen, aktiv und selbstbestimmt am öffentlichen Leben teilzunehmen und Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen.  Die digitalen Bilder und Werbewelten des Internets haben wenig Verlässlichkeit, sie machen immer neue Versprechungen und erzeugen einen extremen Perfektionsanspruch.

Wo solche Medienbilder in Dauerberieselung den sozialen Alltag durchdringen, wird es schwieriger, eigene Werte und Überzeugungen zu entwickeln, um an echten Erfahrungen zu wachsen. „Jeder hat das Recht auf Bildung“ – so heißt es in Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Bildung ist eine Grundvoraussetzung für soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Innerhalb des Systems der Vereinten Nationen koordiniert die UNESCO die globale Bildungsagenda.

Vor allem wird die soziale Inklusion angestrebt, sodass jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben. Sprache und schulische Bildung sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft. Bildung ist wesentlich für die Verbesserung der Lebensqualität, die Überwindung von Armut, die Erreichung der Chancengleichheit der Geschlechter, die Verringerung der Kindersterblichkeit und des Bevölkerungswachstums, eine nachhaltige Entwicklung und letztendlich Frieden und Demokratie.

www.karikaturmuseum.at

16. 9. 2017