Stephan Kimmigs „Kinder der Sonne“

März 14, 2013 in Tipps

Gastspiel am Burgtheater

Mit einer “ Sternstunde nicht allein des Berliner Theaters“ habe man es hier zu tun. Nie habe Stephan Kimmig „Besseres, in sich Stimmigeres gemacht“, schrieb die Welt. Der Regisseur führe uns „in seiner brillanten Inszenierung“ die Folge des „Weltabhandengekommenseins“ bei Gorki „mit größtmöglicher Ironie“ vor, jubelte die Frankfurter Rundschau. Und über die Darsteller berichtet die Berliner Zeitung: „Sie sind allesamt hinreißend!“ Ein Schauspielhochglanzabend.

 

Kinder der Sonne

Ulrich Matthes (Pawel Fjodorowitsch Protassow), Nina Hoss (Jelena Nikolajewna, seine Frau)
Bild: Arno Declair
Eine Produktion des Deutschen Theaters Berlin

Kimmigs vielgelobte Inszenierung – er bekam dafür den deutschen Theaterpreis „Faust“ in der Kategorie Beste Regie – von Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ ist am 16. und 17. März  als Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin am Burgtheater zu sehen. Inhalt: Im Haus des Wissenschaftlers Protassow und seiner Ehefrau Jelena gehen ein und aus: der Künstler Wagin, der in Jelena verliebt ist, die reiche Witwe Melanija, die ihrerseits Protassow liebt, sowie der Tierarzt Tschepurnoj, der seit langem Protassows Schwester Lisa zugetan ist. Schließlich der Hausmeister Jegor, der seinen Beruf versteht, aber trinkt und seine Frau schlägt. Alle sind auf der Suche nach einem erfüllten, einem besseren, einem wertvollen Leben. Wie muss man arbeiten, wie miteinander leben, um so etwas wie Sinn zu verspüren? Sie verstehen einander nicht – neurotisch, unglücklich, egoistisch und zutiefst komisch hat sich jeder in seinem Kokon eingerichtet. Draußen auf der Straße, „unten“, findet eine wirkliche Revolte nicht statt. Eine Utopie ist nicht in Sicht.

Maxim Gorki schrieb ‚Kinder der Sonne‘ 1905 in der Peter-Paul-Festung, wo er wegen seiner Teilnahme an Protesten gegen die Militäraktion des so genannten „Blutsonntags“ in Arrest gehalten wurde. Die Schüsse auf die Demonstration von Arbeitern leiteten die erste russische Revolution ein. In seinem Stück nimmt Gorki die Cholera-Unruhen von 1890 zum Vorwand und erzählt von der Vorausahnung einer politischen wie gesellschaftlichen Katastrophe. Er zeichnet das düsterkomische Bild einer Gesellschaft, die, von sozialen wie kulturellen Konflikten zerrissen, unfähig ist zur Schaffung einer besseren Welt.

Es spielen u. a. Ulrich Matthes, Nina Hoss, Sven Lehmann und Alexander Khuon.

www.burgtheater.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 14. 3. 2013