Volkstheater: Der Spielplan der Saison 2017/18

Mai 12, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Hafner macht „Höllenangst“, Kimmig kommt

Spielplankonferenz 2017/18: Anna Badora. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Insgesamt 18 Produktionen in der dritten Spielzeit der künstlerischen Direktorin Anna Badora am Volkstheater fragen danach, was eine Welt im Umbruch mit den Menschen macht. Neben Klassikern stehen vier Uraufführungen, drei österreichische und zwei deutschsprachige Erstaufführungen auf dem Programm und alle miteinander suchen sie nach Wegen, in der Krise Antworten und eine (neue) Haltung zu finden.

Veränderungen gibt es auch im Ensemble des Volkstheaters, in dem gleich drei aus Österreich stammende Neuzugänge zu begrüßen sind: Isabella Knöll kommt frisch von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Peter Fasching, zuletzt Ensemblemitglied am Theater Bremen, hat sich dem Wiener Theaterpublikum bereits mit Dušan David Pařízeks bei den Festwochen 2015 gezeigten Inszenierung „Kauza Schwejk / Der Fall Švejk“ präsentiert. Auch Sebastian Pass, der zuletzt am Staatsschauspiel Dresden engagiert war, ist kein Unbekannter: In der Spielzeit 2015/16 war er in Susanne Lietzows Inszenierung von Johann Nestroys „Zu ebener Erde und erster Stock“ bereits als Gast am Volkstheater zu sehen.

Neben Regisseuren wie Nikolaus Habjan, Yael Ronen, Christine Eder, Felix Hafner, Miloš Lolić, Ingo Berk oder Holle Münster, die dem Volkstheater-Publikum bereits aus den vergangenen beiden Spielzeiten bekannt sind, stellen sich in der Saison 2017/18 auch weitere spannende, internationale Künstler wie Hermann Schmidt-Rahmer, Stephan Kimmig oder Pınar Karabulut vor.

Sebastian Schug, der in der letzten Spielzeit erfolgreich Robert Seethalers „Der Trafikant“ auf die Bühnen des Volkstheater/Bezirke brachte, inszeniert mit William Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ erstmals auf der großen Bühne, in der mittlerweile gut etablierten Nebenspielstätte Volx/Margareten gibt dafür mit Paul Spittler ein Regieassistent des Volkstheaters sein Debüt als Regisseur.

Die Saison eröffnet am 8. September Volkstheater-Intendantin Anna Badora mit Iphigenie in Aulis | Occident Express: Sie verknüpft darin den antiken Mythos mit der österreichischen Erstaufführung des zeitgenössischen Dramentextes aus der Feder des italienischen Autors Stefano Massini und sucht nach Möglichkeiten, mit den Mitteln des Theaters etwas so ungeheuerliches wie eine Fluchtgeschichte zu erzählen. Am 23. September hat, ebenfalls am Haupthaus, Felix Hafners Inszenierung von Nestroys Höllenangst Premiere. Der Steirer, der in der Saison 2016/17 mit Molières „Der Menschenfeind“ sein Debüt am großen Haus feierte und (noch als Max-Reinhardt-Seminarist) am Volx/Margareten die österreichische Erstaufführung von Thomas Köcks „Isabelle H. (geopfert wird immer)“ realisierte, untersucht anhand Nestroys dunkler Komödie die Mechanismen eines Machtgefüges, das durcheinander gerät.

Das Volx/Margareten eröffnet am 30. September Paul Spittler mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Alexandra Badeas Extremophil, in der sich drei vermeintliche Gewinnertypen die Frage stellen müssen: Lebe ich wirklich das Leben, das ich leben will? Diese Frage gar nicht erst zu stellen braucht sich die Protagonistin in Clemens J. Setz’ Vereinte Nationen, das am 13. Oktober Premiere im Volx/Margareten hat: Die siebenjährige Martina wird von ihren eigenen Eltern in einer Art privatem Dschungelcamp gehalten. Holle Münster, die in der Saison 2016/17 „Hose Fahrrad Frau“ zur Uraufführung brachte, widmet sich dem brandaktuellen Text, der zu den Mülheimer Theatertagen Stücke 2017 eingeladen war.

Am Haupthaus präsentiert Nikolaus Habjan eine musikalische Uraufführung (Premiere 11. Oktober): Wien ohne Wiener heißt der Georg-Kreisler-Liederabend, den er gemeinsam mit der Musicbanda Franui erarbeitet. Einem Prototyp des dystopischen Romans widmet sich die folgende Inszenierung: Hermann Schmidt-Rahmer gibt mit George Orwells 1984 sein Debüt am Volkstheater (Premiere 17. November). Und auch Stephan Kimmig widmet sich in seiner ersten Arbeit am Volkstheater einem Stoff, der sich mit (Lebens-)Regeln und deren Einhaltung beschäftigt: Die Zehn Gebote nach den Filmen von Krzysztof Kieslowski (Premiere 15. Dezember). Yael Ronen macht sich in der Folge auf, die allgegenwärtigen Zeichen des Untergangs nicht nur zu lesen, sondern umzudrehen – um im besten Fall sogar darüber zu lachen. Das wie immer gemeinsam mit dem Ensemble erarbeitete neue Stück #FröhlicheApokalypse (AT) hat am 19. Jänner Uraufführung. Eine etwas ältere Version des Verwirrspiels zwischen Sein und Schein, Wahrheit und Lüge zeigt Sebastian Schug: William Shakespeares Klassiker Viel Lärm um nichts (Premiere 2. März).

Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Im Mai 2018 starten die Bauarbeiten für die dringend notwendige Generalsanierung des Volkstheaters. Während das Haus sich in eine Großbaustelle verwandelt, geht der Spielbetrieb nicht nur im Volkstheater/Bezirke und im Volx/Margareten, sondern auch in der Ausweichspielstätte Odeon in der Taborstraße weiter: Dort hat am 4. Mai David Bowies und Enda Walshs Musical Lazarus österreichische Erstaufführung: Schauspieler des Volkstheater-Ensembles singen und spielen in der Regie des serbischen Regisseurs Miloš Lolić.

Im Volx/Margareten präsentiert am 5. Jänner die 1987 geborene Regisseurin Pınar Karabulut, die bereits am Schauspiel Köln Erfolge feierte, ihr erstes Projekt am Volkstheater Wien. Darauf folgt am 16. Februar die deutschsprachige Erstaufführung von Concord Floral: Anhand des Textes des 1988 geborenen Kanadiers Jordan Tannahill untersucht Regisseur Simon Windisch gemeinsam mit zehn Wiener Jugendlichen deren Lebenswirklichkeit. Der Zukunft widmet sich dagegen Multimedia-Künstler Georg Hobmeier: In seiner spekulativen Simulation Vienna – All Tomorrows entsteht die Landkarte eines zukünftigen Wiens. Uraufführung ist im Mai. Ebenfalls mit Wien setzt sich das Stadtprojekt des Jungen Volkstheaters Wien 5 – Die Kunst der Nachbarschaft auseinander. Vereine, Initiativen, Schulklassen und Einzelpersonen aus dem fünften Wiener Gemeindebezirk werden eingeladen, gemeinsam die Kunst der Nachbarschaft zu (er-)finden, Premiere ist im Mai 2018.

Das Volkstheater/Bezirke startet am 22. September mit Ernest Thompsons Das Haus am See (On Golden Pond) in die neue Spielzeit, wie bereits bei „Mittelschichtblues“ in der vergangenen Saison führt Ingo Berk Regie. Christine Eder, die sich in der Saison 2016/17 in der Stückentwicklung „Alles Walzer, alles brennt“ mit den Wiener Kämpfern für Demokratie zwischen Kaiserreich und Februar 1934 auseinandersetze, widmet sich nun einem Wiener Vorstadt-Rächer: Am 24. November hat ihre Inszenierung von Jura Soyfers Der Lechner Edi schaut ins Paradies Premiere. Ihr Debüt am Volkstheater/Bezirke gibt Aurelina Bücher: Sie zeigt in österreichischer Erstaufführung die Beziehungskomödie Anderthalb Stunden zu spät von Gérald Sibleyras (Premiere 2. Februar). Zum Abschluss gibt es schließlich eine neue Inszenierung von Volkstheater-Ensemblemitglied Lukas Holzhausen: Gotthold Ephraim Lessings Emilia Galotti hat am 22. April Premiere.

Im Rahmen der jährlich gemeinsam mit dem Österreichischen Parlament veranstalteten Gedenkmatineen zu den Novemberpogromen 1938 wird am 9. November erstmals in Österreich Strandflieder oder Die Euphorie des Seins der ungarischen Gruppe „The Symptoms“ gezeigt: Die Auschwitz-Überlebende Éva Fahidi tanzt hierzu gemeinsam mit einer jungen Frau.

www.volkstheater.at

Wien, 12. 5. 2017