Belvedere: Erwin Wurms „Fat House“

Mai 1, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein „fettes“, kleinbürgerliches Statussymbol

Erwin Wurm, Fat House, 2003. Bild: Johannes Stoll, Dominik Buda © Belvedere, Wien

An Erwin Wurm führt 2017 kein Weg vorbei. Er ist international in mehreren großen Ausstellungen vertreten und bespielt neben Brigitte Kowanz den Österreichischen Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig. Das Belvedere dokumentiert die Arbeit des renommierten Künstlers für die Biennale und zeigt ab Juni seine performativen Skulpturen und Plastiken im 21er Haus. Zum Auftakt begrüßt Wurms „Fat House“ ab 1. Mai die Museumsbesucher am Oberen Belvedere.

Erwin Wurm ergründet seit mehr als 30 Jahren die Ausdrucksmöglichkeiten der Bildhauerei. Sein vielfältiges, tiefgründiges und zugleich ironisches Œuvre umfasst nahezu alle Gattungen und erweitert den Skulpturbegriff um interaktive, soziale sowie zeitliche Aspekte. Mit seinen „Fat Sculptures“ – „verfettete“, kleinbürgerliche Statussymbole wie Autos oder Einfamilienhäuser – liefert der Bildhauer bissige und treffende Kommentare zur gegenwärtigen Konsumgesellschaft. Ab heute wird an der Südseite des Oberen Belvedere eines der berühmten dicken Häuser von Erwin Wurm stehen, das seit kurzem zur Sammlung des Belvedere gehört. Im Inneren des fettleibigen Hauses wird ein Video projiziert, in dem ein aufgequollenes und vor sich hin räsonierendes Auto den eintretenden Besuchern existentielle Fragen stellt, wie: „Wann ist ein Haus Kunst, und wer befindet darüber?“ Die bei freiem Eintritt begehbare Plastik im Garten gibt einen Vorgeschmack auf Wurms Biennale-Beitrag in Venedig sowie auf die Ausstellung „Erwin Wurm – Performative Skulpturen“, die ab 2. Juni im nahe gelegenen 21er Haus zu sehen sein wird.

Erwin Wurm, House Attack, Performance 2012. Bild: © Gerald Y. Plattner

Erwin Wurm, House Attack, Performance 2012. Bild: © Gerald Y. Plattner

Die Einzelausstellung zeigt etwa 40 performative Skulpturen und Plastiken, darunter eine Reihe neuer Werke, die Erwin Wurm eigens für die Schau erarbeitet hat. In seinen jüngsten Arbeiten setzt sich der Ausnahmekünstler mit herausragenden Beispielen der Architektur und Objekten des täglichen Gebrauchs auseinander. Ausgangsbasis sind Modelle und Blöcke aus Ton, die in der Regel von Wurm selbst oder von Personen, die er instruierte, gezielt bearbeitet werden. Spannung entsteht im Dialog zwischen der Urform und den Spuren, die die performativen Eingriffe hinterlassen. Der Körper wird dabei zum Material und Medium von Handlungsvollzügen. Den Werken aus Ton stehen in der Ausstellung Abgüsse aus Bronze, Aluminium, Eisen oder Polyester gegenüber.

Kurator Alfred Weidinger begleitete Erwin Wurm und Brigitte Kowanz für das Belvedere filmisch bei den Vorbereitungen zur Biennale in Venedig – von den ersten Ideen bis zur Projektumsetzung. Die dabei entstandenen Dokumentationen und Künstlerporträts werden auf der Biennale im Mai 2017 erstmals gezeigt und sind anschließend auch im 21er Haus zu sehen.

www.21erhaus.at

Wien, 1. 5. 2017