Seefestspiele Mörbisch 2017: Der Vogelhändler

April 24, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum 60-Jahr-Jubiläum ein Operettenklassiker

Staatsoperntenor Thomas Ebenstein singt – hier umringt von seinen gefiederten Freundinnen – den Vogelhändler Adam. Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Es ist ein Klassiker der Operette, den Intendantin Dagmar Schellenberger ihrem Publikum mit dem „Vogelhändler“ 2017 präsentiert. Nach beinah zwei Jahrzehnten Abwesenheit, finden und lieben Christel und Adam einander ab 7. Juli wieder auf der Seebühne in Mörbisch. Die Hits „Grüß enk Gott, alle miteinander“, „Ich bin die Christel von der Post“ und „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ sind Operettenliebhabern bestens bekannt.

Genau das richtige Werk also für die Jubiläumssaison – 60 Jahre, die die Seefestspiele heuer begehen. „Ich freue mich sehr, dass wir unser Jubeljahr mit diesem wunderbaren Werk von Carl Zeller feiern“, so Schellenberger bei der Programmpräsentation am Montagvormittag im Wiener Theatermuseum – wo „Adam“ Thomas Ebenstein, der Kärntner ist Staatsopernbesuchern seit 2012 als Ensemblemitglied bekannt und derzeit in der Alvis-Hermanis-Inszenierung des „Parzifal“ zu sehen, auch gleich eine Kostprobe seines Könnens gab.

Frank Philipp Schlößmann, Mirko Mahr, Gerrit Prießnitz, Dagmar Schellenberger und Axel Köhler bei der Pressekonferenz. Bild: © Seefestspiele Mörbisch

Flix, flux, flax, Florian! Thomas Ebenstein gibt bei der Präsentation im Wiener Theatermuseum eine erste musikalische Kostprobe. Bild: © Seefestspiele Mörbisch

„Im ,Vogelhändler‘ werden Themen verhandelt, die zutiefst menschlicher Natur sind und die in der Vergangenheit genauso relevant waren, wie sie es in der Zukunft sein werden, denn es geht um die Sehnsucht nach der großen ehrlichen und ausschließlichen Liebe, die dunklen Seiten der Macht und die lächerlichen Auswirkungen übergroßer Eitelkeit“, sagt Axel Köhler, der für die Inszenierung verantwortlich zeichnet. „Die amüsante Erzählweise und die hochemotionale Musik haben diese Operette zu den beliebtesten Werken ihres Genres werden lassen. Und eben diese Leichtigkeit, das permanente Augenzwinkern der Verfasser gilt es, auf der Bühne sichtbar und zum Erlebnis werden zu lassen. Mein Ziel ist es, unseren Zuschauern ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, das sie nach dem Genuss des Abends in Mörbisch mit in den Schlaf nehmen werden.“

Das Bühnenbild wird wieder opulent – mit riesiger Kukucksuhr, Singvögeln, einem Jagdfalken und einer waschechten Wildsau (re.). Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Frank Philipp Schlößmann

„Das Bühnenbild stellt sich wie ein großes Pop-up-Buch dar, das durch bewegliche Elemente das Publikum überrascht. Ein Beispiel dafür ist die überdimensionale Kuckucksuhr, die im Fokus der Seebühne steht“, erklärt Frank Philipp Schlößmann, der das Bühnenbild entworfen hat.  Der spielerische Umgang mit dem Stück setzt sich auch bei den Kostümen fort. „Dieses Jahr werden es 100 Kostüme für Statisterie, 200 Kostüme für Ballett und 32 Kostüme für Solisten sein. Alleine für die Damen-Kostüme der Hofgesellschaft werden gerade 160 Laufmeter Tüll für 25 pastellfarbene „Tüllbomben“ verarbeitet, die so groß sind, das alle Türen ausgehängt werden müssen und ein Handkuss nur aus gebührenden Abstand möglich wird“, gibt Armella Müller von Blon Einsicht in ihre Kostümentwürfe.

Die Choreographie sieht sich beim „Vogelhändler“ mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert, da in der Operette keine Balletteinlage im herkömmlichen Sinn vorgesehen ist. „Da eine Operette ohne Ballett auf der Seebühne Mörbisch undenkbar ist, war es also unsere Aufgabe, nach Möglichkeiten zu suchen, um das wunderbare Ballett der Seefestspiele Mörbisch wirkungsvoll und erfrischend in die Inszenierung zu integrieren. So werden zum Beispiel Adam, dem Vogelhändler, eine Schar erotisch anmutender Vögel zur Seite gestellt und die Christel von der Post ist von tollpatschigen Brieftauben umgeben. Außerdem wird unser Publikum zünftige Tiroler Trachtenpaare zu Gesicht bekommen und nicht zuletzt ein prunkvolles „Rosenballett“ erleben dürfen. Aber ich will nicht zu viel verraten“, so Choreograph Mirko Mahr.

Zu sehen sind in dieser Inszenierung Sieglinde Feldhofer alternierend mit Martina Fender als Christel, Thomas Ebenstein und Paul Schweinester als Adam, Cornelia Zink beziehungsweise Elena Puszta als Kurfürstin Marie, Dagmar Schellenberger als Adelaide, Wolfgang Dosch und Gerhard Ernst als Professoren Süffle und Würmchen, Horst Lamnek oder Rupert Bergmann als Baron Weps und Maximilian Mayer im Wechsel mit Philipp Kapeller als Graf Stanislaus.

Intendantin Dagmar Schellenberger singt die Adelaide. Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Tschank

Sieglinde Feldhofer als Postbotin Christel, Thomas Ebenstein als Vogelhändler Adam und Cornelia Zink als Kurfürstin Marie. Bild: © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Anlässlich 60 Jahre Mörbisch haben sich auch Stars vergangener Jahre angesagt. Allabendlich wird Dagmar Schellenberger mit einigen von ihnen plaudern, danach stehen die Publikumslieblinge ihren Fans für Autogramme und Gespräche zur Verfügung. Angekündigt sind unter anderem: Guggi Löwinger und Gerhard Ernst am 14. Juli, Adolf Dallapozza und Susanne Kirnbauer-Bundy am 15. Juli, Sona Ghazarian und Heinz Zednik am 20. Juli, Helga Papouschek und Kurt Schreibmayer am 22. Juli, Gabi Bischof und Sandor Nemeth am 27. Juli. Am 17. August tritt der  Gründungschor der Seefestspiele Mörbisch auf, am 18. August Dagmar Koller.

www.seefestspiele-moerbisch.at

Wien, 24. 4. 2017