Volksoper: Das Programm der Saison 2017/18

April 23, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Maria Happel gibt ihr Debüt als Musicaldarstellerin

Ein bunter Premierenreigen erwartet das Publikum der Volksoper in der Saison 2017/18. Bild: © Johannes Ifkovits

Acht Premieren, eine europäische und eine österreichische Erstaufführung, vier Wiederaufnahmen, dazu 20 Repertoirestücke sowie zahlreiche Sonderprogramme stehen in der 11. Saison der Direktion Robert Meyer auf dem Spielplan der Volksoper.

Zum Saisonauftakt bringt das Haus Jule Stynes Broadway-Hit Gypsy nach Wien. Die Lebensgeschichte von Rose Louise Hovick, die unter dem Namen Gypsy Rose Lee als schillernder Burlesque-Star weltberühmt wurde, zählt zu den Klassikern des amerikanischen Musicals. Nun kommt die Geschichte von Mama Rose, die alles nur Erdenkliche tut, um die Theaterkarrieren ihrer Töchter June und Louise voranzubringen, erstmals auf die Bühne der Volksoper. Werner Sobotka inszeniert, Lorenz C. Aichner übernimmt die musikalische Leitung. Burgschauspielerin Maria Happel gibt als ehrgeizige Gypsy ihr Musicaldebüt, ihre Töchter Louise und June werden von den Hausdebütantinnen Lisa Habermann und Marianne Curn verkörpert. Premiere ist am 10. September.

Mit Giuseppe Verdis Oper Die Räuber (I masnadieri) setzt die Volksoper ihre Tradition fort, das Repertoire um selten gespielte Werke zu erweitern. Verdi komponierte das Stück 1847 nach Friedrich Schillers gleichnamigen Sturm-und-Drang-Drama für das Haymarket Theatre in London. Der Ideengeber für das Werk war Verdis langjähriger Freund, der Dichter Graf Andrea Maffei, und der Komponist, der eine Vorliebe für explosive Vater-Kind-Beziehungen hatte, fand Gefallen an dem Stoff rund um den Konflikt des ungleichen Brüderpaars Karl und Franz Moor. Alexander Schulin inszeniert Verdis Frühwerk mit Kurt Rydl als Graf Moor und Vincent Schirrmacher und Boaz Daniel als dessen Söhne Karl und Franz. Premiere ist am 14. Oktober.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von der Holzpuppe, die zum Leben erwacht und deren Nase wächst, wenn sie lügt? Inspiriert durch den gleichnamigen Kinderbuchklassiker Carlo Collodis schufen der italienische Komponist Pierangelo Valtinoni und sein Textdichter Paolo Madron 2001 für das Teatro Olimpico in Vicenza die Kinderoper Pinocchio. In der österreichischen Erstaufführung singt die junge Sopranistin Juliette Khalil die Titelpartie. Philipp M. Krenn gibt als Regisseur sein Hausdebüt, Guido Mancusi dirigiert das Orchester der Volksoper Wien. Zu sehen ab 19. November.

Dem wohl berühmtesten Liebespaar aller Zeiten widmet Choreograph Davide Bombana seine neue Auftragsarbeit für das Wiener Staatsballett, Roméo et Juliette, zur gleichnamigen Symphonie dramatique von Hector Berlioz. Für Bombana ist es nach „Ballett: Carmen“ die zweite abendfüllende Uraufführung an der Volksoper. Für eine spektakuläre Ausstattung garantiert die Stuttgarter Bild- und Lichtkünstlerin rosalie. Premiere ist am 9. Dezember.

„Gehen wir ins Chambre séparée“, so lautet die verführerische Devise in Richard Heubergers Der Opernball. Gemeinsam mit den Librettisten Victor Léon und Heinrich von Waldberg gestaltete er aus dem Lustspiel „Die rosa Dominos“ eine Operette. Das Ergebnis des kongenialen Trios: ein virtuos komponiertes amouröses Verwirrspiel rund um zwei lebenslustige Gatten (Carsten Süss und Marco Di Sapia), die von ihren Frauen (Kristiane Kaiser und Ursula Pfitzner) auf die Treueprobe gestellt werden. 216 Mal war die Operette seit 1945 in drei verschiedenen Inszenierungen an der Volksoper zu sehen. In der aktuellen Neuproduktion verlegt Regisseur Axel Köhler die Handlung von Paris nach Wien und in die heutige Zeit. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Alfred Eschwé, Anita Götz zieht als freches Kammermädchen Helene alle Fäden und Heinz Zednik kehrt als Theophil Almpichler auf die Bühne zurück. Premiere ist am 17. Februar.

Rebecca Nelsen als „Marily Forever“ im Kasino am Schwarzenbergplatz. Bild: © Johannes Ifkovits

Familie Moor: Vincent Schirrmacher, Kurt Rydl und Boaz Daniel. Bild: © Johannes Ifkovits

Burgschauspielerin Maria Happel gibt als „Gypsy“ ihr Musicaldebüt. Bild: © Johannes Ifkovits

Fußballfans kennen ihn in- und auswendig – den Song „You’ll Never Walk Alone“. Seit mehr als 50 Jahren gilt er in der Interpretation der britischen Popband „Gerry & the Pacemakers“ als die ultimative Stadionhymne. Dabei wissen wahrscheinlich nur die wenigsten, dass das Lied eigentlich von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein stammt und für das Musical Carousel entstanden ist. Die tragische Liebesgeschichte von Billy Bigelow und Julie Jordan basiert auf Molnárs Bühnenstück „Liliom“. Regisseur Henry Mason setzt den Klassiker gemeinsam mit seinem Ausstatter Jan Meier in Szene. Das Regieduo hat bereits 2014 die Erfolgsproduktion „Der Zauberer von Oz“ für das Haus erarbeitet und trifft nun erstmals auf Musicalspezialisten Joseph R. Olefirowicz am Pult des Volksopernorchesters. In der Titelpartie gibt Daniel Schmutzhard als Karussell-Ausrufer Billy Bigelow sein Musicaldebüt, Mara Mastalir singt seine Julie. Premiere ist am 17. März.

Im Kasino am Schwarzenbergplatz kommt das Leben von Hollywood-Legende Marilyn Monroe auf die Bühne. Gavin Bryars‘ Kammeroper Marilyn Forever wurde 2013 in Victoria, Kanada, uraufgeführt und seither zwei weitere Male, im australischen Adelaide und in Kalifornien, nachgespielt. Die Volksoper produziert nun in der Regie von Christoph Zauner die europäische Erstaufführung des Stücks. Ausgehend von der letzten Nacht im Leben Marilyn Monroes, dem 5. August 1962, entfalten sich vor dem Publikum die Szenen der Oper wie Puzzleteile, die den Mythos Marilyn abbilden. Ein Regisseur (Morten Frank Larsen) konfrontiert Marilyn (Rebecca Nelsen) in einer fiktiven Probensituation mit den Widersprüchen ihres Lebens und schlüpft in die Rollen ihrer Männer. Ein kleiner Chor kommentiert das Geschehen. Das achtköpfige Kammerorchester unter der Leitung von Wolfram-Maria Märtig wird durch ein Jazztrio auf der Bühne ergänzt. Zu sehen ab 14. April.

Als Gasparone 1884 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde, war das Publikum begeistert und Carl Millöcker bereits weltberühmt. Paul Knepler und Ernst Steffan adaptierten Millöckers Original für Superstars wie Johannes Heesters, Marika Rökk und Leo Slezak und orientierten sich dabei musikalisch stark an den Revue-Operetten der 1920er-Jahre. Die Volksoper zeigt nun diese Fassung aus dem Jahr 1932 mit dem bekannten Lied „Dunkelrote Rosen“ in der Regie von Olivier Tambosi, der hier zuletzt das Musical „Der Mann von la Mancha“ brillant in Szene setzte. Sebastian Geyer gibt als geheimnisvoller Fremder sein Debüt an der Volksoper Wien, Mara Mastalir spielt seine Angebetete, die schöne verwitwete Gräfin Carlotta. Premiere ist am 2. Juni.

Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Johann Strauß‘ „Eine Nacht in Venedig“, Dvořáks Märchenoper „Rusalka“, dem mörderischen Barbier „Sweeney Todd“ und Jorma Elos „Ein Sommernachtstraum“. Im Repertoire bleiben unter anderem die Erfolgsproduktionen „Axel an der Himmelstür“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23082), „Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24112) und „Hoffmanns Erzählungen“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23452). Das umfangreiche Kulturvermittlungsprogramm wird weiter ausgebaut und firmiert nun unter dem Namen „Junge Volksoper“. Zum Schluss präsentierte die Volksoper noch ihre Zahlen der Saison 2015/16: Mit insgesamt 315.382 Besuchern konnte eine Sitzplatzauslastung von 83,24 Prozent erreicht werden; die Einnahmen aus dem Kartenvertrieb betragen 9,68 Millionen Euro.

www.volksoper.at

Wien, 23. 4. 2017