21er Haus: Kurt Hüpfner. Aus dem Verborgenen

November 16, 2016 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Wiederentdeckung witziger Zeitkritik

Kurt Hüpfner: Black Mess. Bild: © Belvedere, Wien

Kurt Hüpfner: Black Mess. Bild: © Belvedere, Wien

Mit der Ausstellung „Kurt Hüpfner – Aus dem Verborgenen“ würdigt das 21er Haus ab 18. November das Lebenswerk des österreichischen Künstlers mit seiner ersten musealen Einzelpräsentation. Die Schau zeigt einen Querschnitt durch die zentralen Schaffensphasen des heute noch aktiven Künstlers – von seinen grafischen Anfängen, seinen Zeichnungen, den markanten Assemblagen der 1970er-Jahre bis hin zu den Kleinplastiken, die sein Werk ab Mitte der 1980er-Jahre charakterisieren.

Nach Anfängen als Gebrauchsgrafiker und Karikaturist entwickelt Kurt Hüpfner ab den frühen 1960er-Jahren ein komplexes eigenständiges Werk. Bei einem Parisaufenthalt 1961 lernte er die écriture automatique kennen – auch Automatisches Schreiben genannt. Diese Methode versucht Gefühle und Gedanken sinnbildhaft auszudrücken, ohne Rücksicht auf Grammatik, Zeichensetzung oder Rechtschreibung. Hüpfner ließ sich von seiner Entdeckung inspirieren und lehnte seine Zeichnungen seither daran an. Ab 1962 setzt er sich autodidaktisch mit dem Medium der Plastik auseinander, das mit der Zeit eine immer bedeutendere Rolle in seinem Schaffen spielt. Von nun an dienen seine Zeichnungen teilweise auch als Ausgangspunkt für seine ausgefallenen Plastiken, Assemblagen und Gemälde.

Nach dem prägenden Besuch der Ausstellung „Pop etc.“ 1964 im ehemaligen 20er Haus, entstehen Werke, die sich formal an der Pop Art orientieren, inhaltlich jedoch Themen wie Politik, Krieg und Literatur aufgreifen. In den 1970er-Jahren entwickelt Hüpfner einen gänzlich individuellen Stil. Seine kleinformatigen Gips- und Terrakottaplastiken, oftmals mit Ölfarbe bemalt, sind vielfältige „magische Geschöpfe“, von denen jedes eine eigene Geschichte zu erzählen vermag.

Kurt Hüpfner: The Hypertelist, 1966/1968. Bild: © Belvedere, Wien

Kurt Hüpfner: The Hypertelist, 1966. Bild: © Belvedere, Wien

Kurt Hüpfner: INRI, 1974. Bild: © Belvedere, Wien

Kurt Hüpfner: INRI, 1974. Bild: © Belvedere, Wien

Die Auseinandersetzung mit Kunstbewegungen der Moderne und dem zeitgenössischen Kunstgeschehen, wie Surrealismus, Dadaismus und Pop Art, sowie die Reflexion politischer Krisensituationen bilden die Parameter, in denen sich Hüpfners Kunstwerke entwickeln. Sein künstlerisches Arbeiten blieb weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Erst im Jahre 2006 beteiligte er sich das erste Mal an einer Gruppenausstellung.

www.21erhaus.at

Wien, 16. 11. 2016