Kunst Haus Wien: Peter Dressler. Wiener Gold

November 16, 2016 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Magie des Alltäglichen auf Fotos gebannt

Peter Dressler: Aus Zwischenspiel, 1970-74. Bild: © Fotohof Archiv

Peter Dressler: Aus Zwischenspiel, 1970-74. Bild: © Fotohof Archiv

Das Kunst Haus Wien würdigt ab 16. November mit der ersten Retrospektive in Wien das Werk von Peter Dressler, ein Werk in dem die Stadt Wien eine zentrale Position einnimmt. Wie wenige andere Persönlichkeiten hat Dressler als Fotograf und Filmemacher, Akademielehrer, Sammler und kritischer Teilnehmer der Kunstszene die österreichische Fotografie seit den 1970er-Jahren mit beeinflusst. Dresslers künstlerisches Interesse am Medium Fotografie hat seit jeher die Faszination für die Geschichte des Mediums eingeschlossen.

Den Stoff seiner frühen dokumentarischen Serien und Bild-Erzählungen findet Dressler in Wien, dort, wie er selbst sagt, „wo noch die Substanz, Qualität, schlechthin die Magie des Alltäglichen in hohem Maß vorhanden ist“. Später wird sein von ihm so bezeichneter „Realismus der siebziger Jahre“ von Tableaus und Bildfolgen und einer poetischen und filmischen Vorgangsweise abgelöst. „Zwischenspiel“, sein bedeutendes Künstlerbuch von 1989, entwickelt seinen besonderen Reiz aus den vielfältigen Bezügen und Anspielungen, die sich aus der Zusammenstellung der Fotografien ergeben.

Ende der 1980er-Jahre verändert sich erneut seine fotografische Bildsprache: Der Künstler selbst wird zur Hauptfigur und zum Akteur seiner melancholischen bis grotesken Bilderzählungen, er wird zum Koch „eher seltener Rezepte“ oder zum Solo-Tennisspieler im leer geräumten Semper-Depot.

Peter Dressler: Aus Mit großem Interesse, Naturhistorisches Museum 1989. Bild:© Fotohof Archiv

Peter Dressler: Aus Mit großem Interesse, Naturhistorisches Museum 1989. Bild:© Fotohof Archiv

Peter Dressler: Aus Zwischenspiel, 1970-74. Bild: © Fotohof Archiv

Peter Dressler: Aus Zwischenspiel, 1970-74. Bild: © Fotohof Archiv

Mit kraftvollem Humor verlebendigt er gefundene und erfundene Szenarien durch seine Person und artikuliert kunstgeschichtliche wie auch gesellschaftliche Zusammenhänge und menschliche Verhaltensweisen. Dabei ist er oft großartig witzig, wobei sich sein Witz immer aus dem ernsten Wissen um die tragikomischen Seiten der menschlichen Existenz und die subtilen Möglichkeiten des Mediums Fotografie speist.

Wien, 16. 11. 2016