aktionstheater ensemble: Jeder gegen Jeden

September 13, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Entsolidarisierung Europas

Bild: Felix Dietlinger/aktionstheater ensemble

Bild: Felix Dietlinger/aktionstheater ensemble

In vorauseilender Paranoia werden die österreichischen Grenzen dicht gemacht. Mit dem Fehlen der Solidarität zum Außen bricht auch die Solidarität im Innen. Vor dieser Kulisse entwirft Martin Gruber mit seinem aktionstheater ensemble das Bild einer schleichenden Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft und reißt dieses Szenario auf Alltagskonflikte herunter. „Jeder gegen Jeden“ heißt sein Text dazu, der am 22. September im Werk X uraufgeführt wird.

Waren die Protagonisten etwa aus „Pension Europa“, bei aller Egozentrik, noch zu einem empathischen Miteinander fähig, so dienen die fragmentarischen Dialoge der Figuren nun nur noch dazu, dem eigenen Fortkommen Bahn zu schaffen: Roswitha ist die prototypische Wutbürgerin, für die, wegen TTIP und Finanzwelt, alles den Bach runter geht. Babett ist Mietshausbesitzerin, findet aber keinen Anschluss. Kirstin will keinen Anschluss, fühlt sich vom sozialen Umfeld bedrängt. Isabella will endlich bei einem positiven Stück mitspielen, Susanne ist das sowieso alles scheißegal. Martin ist Anarchist und hätte die Lösung, das will aber niemand hören. Alexander will auch nichts hören, freut sich aber, dass man wieder alles sagen darf. Alev geht ihre Großfamilie auf die Nerven und Michaela will unbedingt ein Watschenspiel machen …

Bild: Felix Dietlinger/aktionstheater ensemble

Bild: Felix Dietlinger/aktionstheater ensemble

Es spielen Babett Arens, Susanne Brandt, Michaela Bilgeri, Martin Hemmer, Alev Irmak, Isabella Jeschke, Alexander Meile, Kirstin Schwab und Roswitha Soukup. Vorstellungen bis 30. September.

Trailer: vimeo.com/167304222

aktionstheater.at

Wien, 13. 9. 2016