Wienwoche 2016: Die Highlights aus dem Programm

September 7, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Flüchtlingsfernsehen, Gastarbajter und ein Antifa-Ballett

Die Wienwoche-Leiterinnen Nataša Mackuljak und Ivana Marjanović. Bild: Daniel Jarosch

Die Wienwoche-Leiterinnen Nataša Mackuljak und Ivana Marjanović. Bild: Daniel Jarosch

Am 16. September startet die diesjährige Wienwoche mit dem Titel „Forever Together“; mit einem Dutzend künstlerischer und aktivistischer Versuchsanordnungen erforscht sie die Möglichkeiten der Menschen zu Solidarität, Freundschaft und Liebe.

„Überall, wo Ignoranz und Unterdrückung herrschen, braucht es Kräfte, die sich ihnen entgegenstellen – ein oftmals energieraubendes Unterfangen. Wir versuchen es im täglichen Leben und auf experimentelle Weise im Rahmen von Wienwoche 2016: in Gruppen und Projekten, in Freundschaftszirkeln, in Bars, fiktiven Frisiersalons, Parks und Marktplätzen, in wiederbelebten Kulturbrachen und in der Lugner City“, erläutern die neuen Leiterinnen des Projekts Nataša Mackuljak und Ivana Marjanović bei ihrer Präsentation am Mittwochvormittag.

Fünf Tipps aus dem Programm:

refugee.tv’s Good-News-Studio, ab 17. September, Haus Liebhartstal, Thaliastraße 157: „Only bad news are good news!“ Dieses zynische Mainstream-Medien-Mantra gilt in Europa für die Berichterstattung über Geflüchtete ganz besonders. Im Fokus stehen Chaos und Konflikte; alles, was schief läuft. Mit refugee.tv’s Good-News-Studio drehen die Beteiligten die Perspektive um. Wo andere in Kriegsrhetorik verfallen und von Zaun, Festung, Obergrenze und Notstand sprechen, lädt refugee.tv Wienerinnen und Wiener ins Good-News-Studio ein. Etwa ein Dutzend Film- und Medienmacher, die – teils auch wegen ihrer Arbeit – aus Afghanistan, Syrien, Nigeria, Somalia, Palästina und aus dem Irak nach Europa geflüchtet sind, machen eigenes Fernsehen, in Zusammenarbeit mit einem deutsch-österreichischen Film-Kollektiv. Anschauen, mitmachen, anmelden unter info@refugee.tv

Anti-Fascist Ballet School, ab 19. September, Lugner City Show Stage, Gablenzgasse 11: Inmitten eines Wiener Einkaufszentrums eröffnen die Performancekünstlerinnen und Tänzerinnen Elizabeth Ward und Magdalena Chowaniec eine „antifaschistische Ballettschule“, um sich zu versammeln, zu tanzen und somit den aktivistischen Körper des Publikums zu erwecken. Motto: Lasst uns lernen, einander mit Anmut zu unterstützen! Damit werden die beiden sicherlich Erwartungen brechen. Anmeldung: antifaballet@gmail.com

Meisterinnen der Unsichtbarkeit, ab 19. September, Treffpunkt am unteren Ende der Treppe zur Hauptbücherei, Urban-Loritz-Platz 2a: Unterwegs in der Stadt, ohne feste Adresse. Ein Stationentheater führt zu den privaten und öffentlichen, sicheren, gefährlichen und solidarischen Orten obdachloser Frauen in Wien. Sie meiden die für sie vorgesehenen Tageszentren, sie durchstreifen lieber Bahnhöfe, Bibliotheken und Parks. Wohnungslose Frauen sind Meisterinnen darin, unerkannt zu bleiben. Ihre Situation sieht man ihnen häufig nicht an: Mitunter sitzen sie geschminkt im Hugo-Boss-Mantel aus zweiter Hand im Bus oder in der Kirche, auch wenn sie sich die Miete für eine Wohnung schon lange nicht mehr leisten können. Regisseurin und Autorin Valerie Kattenfeld hat für ihre Arbeit Interviews mit zwölf obdachlosen Frauen geführt und ihre Geschichten zu einer fiktiven Biografie verknüpft. Nach den Spaziergängen lädt sie gemeinsam mit ihren Interviewpartnerinnen zu einer Kleidertauschparty. Anmeldung: office@kunstspiel.at

Langer Weg der Gastarbajt, ab 22. September, unterschiedliche Treffpunkte im 16. und 17. Bezirk: 2016 jährt sich das Anwerbeabkommen zwischen Österreich und Jugoslawien zum 50. Mal. Tausende jugoslawische Gastarbeiter kamen für ursprünglich begrenzte Zeit nach Österreich. Sie kamen und blieben. Die neu gegründete Platforma für temporäre Kreation nimmt das Jubiläum zum Anlass, um die Geschichte und die politischen Kämpfe der Gastarbeit in den Fokus zu rücken und sichtbar zu machen. Der Lange Weg der Gastarbajt führt von einer ehemaligen Fabrik, heute ein Kulturraum, über einen Arbeiterverein zu lokalen legendären Gastarbeitern, Freizeitorten und Bars. An allen Stationen wird Programm stattfinden mit Ausstellungen, Lesungen, Filmen, Performance, Musik und Tanz. Geschichten von Gastarbeitern und Dauergästen werden erzählt. So entsteht eine kollektive Geschichtsschreibung, deren Existenz sonst oft ausgeklammert wird. Treffpunkte und mehr erfragen: gastarbajt2016@gmail.com

In Bed with the Exotic Enemy, 25. September, Ateliertheater, Burggasse 71: Jasmina Tešanović, jugoslawische Feministin, Aktivistin und Schriftstellerin, und Bruce Sterling, US-amerikanischer Schriftsteller und einer der Begründer der Science-Fiction-Cyberpunk-Bewegung, sind seit vielen Jahren verheiratet. Sie haben sich über das Internet kennengelernt, als Bruces Heimatland NATO-Bomben und Lenkflugkörper auf Jasminas Heimat regnen ließ. Als besondere Gäste der Wienwoche werden sie in einigen persönlichen Bekenntnissen Einblick in ihre unorthodoxe Liebesgeschichte gewähren: „Zuerst waren wir ‘Frenemies’, dann solidarische Kollaborateure, im Laufe der Zeit Vertraute und Freunde und schließlich Liebhaber und Ehepartner …“ Karten unter reservation@wienwoche.org

www.wienwoche.org

Wien, 7. 9. 2016