21er Haus: Rudolf Goessl. Malerei im Wandel

September 6, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Die Innenschau eines Introvertierten

Rudolf Goessl, 2016. Bild: Roland Unger, © Belvedere, Wien

Rudolf Goessl, 2016. Bild: Roland Unger, © Belvedere, Wien

Das 21er Haus widmet dem österreichischen Maler Rudolf Goessl ab 7. September die Einzelpräsentation „Rudolf Goessl. Malerei im Wandel“. Die Schau bietet einen Schnitt durch die Entwicklung Goessls in dessen bewegtesten Phasen. Damit werden die Wandelbarkeit und die Empfindsamkeit des künstlerischen Einzelgängers erfasst. Der Fokus der Ausstellung liegt auf Bildern der 1960er- und 1970er-Jahre.

„Werke“, wie Direktorin Agnes Husslein-Arco sagt, „eines der wichtigsten Vertreter der abstrakten reduktionistischen Malerei in Österreich. In künstlerischer wie in persönlicher Hinsicht zeichnet Goessl eine große Beharrlichkeit aus. Über Jahrzehnte hinweg verfolgte er seine Gegenposition zu gestischen und aktionistischen Ansätzen und entwickelte so seinen persönlichen Stil“.

Rudolf Goessl studiert an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und diplomiert 1950 beim österreichischen Landschafts- und Porträtmaler Max Frey. Von 1957 bis 1959 besucht er die Abendakte von Herbert Boeckl an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er ist einer der ersten österreichischen Künstler seiner Generation, der sich mit monochromer Malerei auseinandersetzen. Das Frühwerk des Malers ist vor allem durch seinen Aufenthalt in Nordamerika geprägt, wo er Pop-Art und Color Field Painting für sich entdeckt und auf seine eigene Weise neu interpretiert. 1969 beginnt Goessl allmählich eine eigene Formensprache zu entwickeln, die sich einer Art Trompe-l’œil-Effekt bedient. Zarte Rahmungen der Farbflächen erzeugen einen bühnenhaften Raum innerhalb des sonst gegenstandslosen Bildes und bewirken somit eine gewisse Dreidimensionalität.

Anfang der 1970er-Jahre wird auch Monsignore Otto Mauer von der Wiener Galerie nächst St. Stephan auf den Einzelgänger aufmerksam, und veranstaltet mit diesem 1973 eine Ausstellung. Diese sollte die letzte sein, die Otto Mauer vor seinem Tod eröffnete.

Rudolf Goessl: Innenblick, 1973. Bild: © Ernst Kainerstorfer

Rudolf Goessl: Innenblick, 1973. Bild: © Ernst Kainerstorfer

Rudolf Goessl: Freitag, 1978. Bild: © Ernst Kainerstorfer

Rudolf Goessl: Freitag, 1978. Bild: © Ernst Kainerstorfer

Bühnenhaftigkeit und Raumtiefe weichen mit der Zeit einer flächigeren Malweise, die an die zarte Faltung seidener Tücher erinnert. Diese Reduktion führt Goessl weiter, bis jeder räumliche Anhaltspunkt in seinen Bildern verschwunden ist. Goessls Empfindsamkeit zeigt sich in einem schleierartig wirkenden Farbauftrag und in den feinen Helligkeitsabstufungen. In seiner weiteren Entwicklung bringt er, indem er Sand auf die Leinwand aufträgt, einen haptischen Ansatz in seine sphärischen Bilder ein. Die spürbare Materialität der Arbeiten erhält immer mehr Gewicht. Der leichte Farbauftrag weicht einer stark gestischen und expressiven Malweise, die sich auch in der Farbigkeit widerspiegelt. Somit schließt sich der Kreis der Arbeiten in den 1990er-Jahren, als Goessl gänzlich zur Farbigkeit zurückkehrt.

www.21erhaus.at

Wien, 6. 9. 2016