Architektur.Film.Sommer: Resisting Architecture

August 8, 2016 in Film

VON RUDOLF MOTTINGER

Drei Tipps aus dem Programm

Granica. Bild: © Still Eni Brandner© Margherita Spiluttini

Granica. Bild: © Still Eni Brandner © Margherita Spiluttini

An sechs Abenden von 12. bis 24. August und bei freiem Eintritt präsentiert der vierte Architektur.Film.Sommer im Rahmen des Filmfestivals frame[o]ut Kurz-, Essay- und Dokumentarfilme im Hof des Architekturzentrum Wien im MuseumsQuartier. Das diesjährige Thema „Resisting Architecture“ wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet:

Einerseits geht es um den Widerspruch gegen geplante Bauvorhaben und das Aufbegehren gegen gebaute Grenzen, andererseits auch um den Widerstand, der dem selbstbestimmten Bauen innewohnt. Der Architektur.Film.Sommer zeigt, dass Eigeninitiative und Selbstorganisation das Potential haben, neue Formen der Architektur und neue Formen des Zusammenlebens zu erschaffen. Unter freiem Himmel sind die Besucher danach eingeladen, mit den anwesenden Filmemachern zu diskutieren.

Die drei Filmtipps:

Andermatt - Global Village. Bild: © Still Leonidas Bieri, Robin Burgauer

Andermatt – Global Village. Bild: © Still Leonidas Bieri, Robin Burgauer

12. August, ab 20 Uhr: Andermatt – Global Village. Schweiz, 2015. Regie von Leonidas Bieri und Robin Burgauer. Ein ägyptischer Geschäftsmann kauft eine Talschaft im Herzen der Schweiz, um ein Luxusressort für den internationalen Jetset aus dem Boden zu stampfen. Das ist die Geschichte von Andermatt, einem Bergdorf in der Krise, erweckt aus dem Dornröschenschlaf durch einen milliardenschweren Kuss, der Heimat und Hoffnung zur handelbaren Ware macht. Der Film begleitet über sechs Jahre hinweg Gegner und Befürworter aus dem Dorf, ausführende Architekten, berechnende Investoren und geschäftstüchtige Sales Agenten. Wie wird die über Jahrhunderte gewachsene Dorfgemeinschaft die Lawine des Wandels verkraften – in einer Welt, in der Finanzkrisen, Revolutionen und Machtübernahmen vor keinen Grenzen mehr haltmachen?

13. August, ab 20 Uhr: Granica. Österreich, 2009. Regie von Eni Brandner. „Granica / Grenze / Border“ bezeichnet die Trennlinie zwischen zwei Religionen und zwei Kulturen – zwischen mehrheitlich serbisch beziehungsweise kroatisch bewohnten Gebieten. Zwölf Jahre nach Ende des Konflikts um die „Serbische Republik Krajina“ sind die Spuren der Auseinandersetzung noch immer präsent. Als ungewollte Denkmäler wider das Vergessen stehen verfallene, zerstörte Häuser teilweise direkt neben Minenfeldern oder auch mitten im Stadtbild und warten auf ihre Besitzer. In das durch den Jugoslawienkrieg unwirtschaftlich gemachte Gebiet finden die ehemaligen Bewohner oder deren Nachfahren nur langsam zurück. Es bleiben halb verlassene Dörfer und spärlich bewohnte Städte im Hinterland, abseits der touristischen Zentren, die sich auch Jahre nach dem Krieg noch nicht von ihren Verletzungen erholt haben.

Estate, a Reverie: Haggerston Estate. Bild: © Still Andrea Luka Zimmerman

Estate, a Reverie. Bild: © Still Andrea Luka Zimmerman

17. August, ab 20 Uhr: Estate, a Reverie. Großbritannien 2015. Regie von Andrea Luka Zimmerman. „Estate, a Reverie“ ist das Porträt einer Gemeinschaft, die in einem für den Abbruch vorgesehenen sozialen Wohnbau in London zu überleben versucht. Der Film lässt in eine traumähnliche verlorene Welt von Außenseitern und Überlebenskünstlern eintauchen. Regisseur Andrea Luka Zimmermann zeigt und feiert die Widerstandsfähigkeit der Bewohner, die von Medien und sozialen Maßnahmen weitgehend übersehen werden. Der im Laufe von sieben Jahren entstandene Film entfaltet eine poetische und fesselnde Vision von Einsamkeit und Ohnmacht, die selbst in den reichsten Städten der Welt gegenwärtig ist. Er befasst sich mit dem Ende der Utopie des sozialen Wohnbaus, der Umgestaltung der Landschaft von East London und einer Gruppe von Menschen, die sich nicht in wirtschaftliche Kategorien einordnen lassen wollen.

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Wien, 8. 8. 2016