ImPulsTanz: Das Programm 2016

Juni 17, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Auch Ismael Ivo zeigt seine jüngste Arbeit

Ismael Ivo & Dimos Goudaroulis: Discordable - Bach. Bild: © akriviadis.org

Ismael Ivo & Dimos Goudaroulis: Discordable – Bach. Bild: © akriviadis.org

Donnerstag Vormittag stellten ImPulsTanz-Intendant Karl Regensburger und Ismael Ivo bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit den Direktoren des Leopold Museum, mumok und weiteren zahlreichen Podiumsgästen das diesjährige Festivalprogramm vor. 53 Künstler und Compagnien bespielen ab 14. Juli in 65 Produktionen, davon 14 Uraufführungen, nicht nur die großen Bühnen der Stadt.

Sondern auch Museen und Galerien, sowie die legendäre Burgtheater Probebühne und weitere 40 Studios über ganz Wien verteilt. Zum Beispiel verwandelt sich das Volkstheater mit neun herausragenden Klassikern und Neuproduktionen der internationalen Tanz- und Performanceszene in ein hochkarätiges Tanzhaus. Zu erleben sind dort Choreografien der Goldener-Löwe-Preisträgerinnen Maguy Marin und Anne Teresa De Keersmaeker oder von Wim Vandekeybus / Ultima Vez, der Needcompany, von ImPulsTanz-Mitbegründer Ismael Ivo, Marie Chouinard aus Kanada sowie der weltberühmten Butoh-Compagnie Sankai Juku aus Japan und dem spanischen Flamenco-Star Israel Galván.

Insgesamt 41 österreichische Erstaufführungen, etwa von Benoît Lachambre, Marco Berrettini & Marion Duval, Mårten Spångberg, Pieter Ampe, Kaori Ito, Dana Michel, Clara Furey & Peter Jasko sind im Rahmen von ImPulsTanz  zu sehen. Der Shootingstar der österreichischen Szene und letztjähriger Workshopdozent sowie FM4-Fan-Award-Gewinner Simon Mayer zeigt anlässlich eines EU-Projekts von ImPulsTanz mit dem Centre National de la Danse Paris und weiteren europäischen Partnerinstitutionen, die während des Festivals zu entwickelnde „Sehbehindertenfassung“ seines auch international viel beachteten Stücks „Sons of Sissy“. Weitere österreichische Choreografinnen und Choreografen, darunter Michikazu Matsune, Chris Haring, Florentina Holzinger, Magdalena Chowaniec, Akemi Takeya und Georg Blaschke präsentieren sich im Sommer mit Uraufführungen.

Ushio Amagatsu / Sankai Juku: Meguri – Teeming Sea, Tranquil Land. Bild: © Sankai Juku

Ushio Amagatsu / Sankai Juku: Meguri – Teeming Sea, Tranquil Land. Bild: © Sankai Juku

Simon Mayer: Sons of Sissy. Bild: © Rania Moslam

Simon Mayer: Sons of Sissy. Bild: © Rania Moslam

 

Im Leopold Museum erwarten das Publikum 19 Arbeiten, die in so noch nicht gekannter Intensität die Vielfalt einer der aktuell aufregendsten künstlerischen Strömungen aufzeigen: die Verbindung von Tanz und bildender Kunst. Performances des französischen Tanzphilosophen Xavier Le Roy, von Akemi Takeya, Florentina Holzinger oder Simone Aughterlony, Antonija Livingstone & Hahn Rowe sowie Chris Haring / Liquid Lofts Auseinandersetzung mit Andy Warhols „Screentests“ werden jeweils in einer Theater- und einer speziell für das Leopold Museum entwickelten Museumsversion gezeigt. Dort sind unter anderem auch drei Arbeiten von Tino Sehgal, Goldener-Löwe-Preisträger und diesjähriger danceWEB-Mentor und Ko-Kurator der Workshopreihe „visual arts X dance“ durchgehend von 20. Juli bis 14. August zu sehen. Dort laufen Videoinstallationen des Künstlers Ian Kaler, davon eine Gemeinschaftsarbeit mit der Künstlerin Anne Quirynen. Und: dort beendet der große Ivo Dimchev am 14. August nicht nur ImPulsTanz sondern mit der Buchpräsentation seines 442 Seiten starken Opus Magnum auch seinen dann bereits fünften Auftritt im Rahmen des diesjährigen Festivals.

Dieses Aufeinander-Zugehen von bildender Kunst und Choreografie setzt sich im mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien fort. Neun Performances von Mårten Spångberg, Alice Chauchat, Peter Stamer und Jule Flierl suchen den Dialog mit Themen und Bildern der soeben eröffneten Ausstellung „Painting 2.0.: Malerei im Informationszeitalter“. Aus dem dreitägigen Workshop Critical Joy des kanadischen Performers und Aktivisten Keith Hennessy mit Peaches, der großen Electroclash-Wegbereiterin, kommt es am 28. Juli im mumok zu einer Performance der besonderen Art, bei der Bilder, Sound, Tanz und Politik zur treibenden Kraft werden.

Peaches & Keith Hennessy: Critical Joy. Bild: © Ian Douglas

Peaches & Keith Hennessy: Critical Joy. Bild: © Ian Douglas

Wim Vandekeybus / Ultima Vez: Revival: In Spite of Wishing and Wanting. Bild: © Danny Willems

Wim Vandekeybus / Ultima Vez: Revival: In Spite of Wishing and Wanting. Bild: © Danny Willems

Die [8:tension] Young Choreographers’ Series umfasst dieses Jahr 13 Produktionen von Choreografen aus Europa, den USA und Brasilien, die mit eindrucksvollen Gruppenstücken, aber auch vielschichtigen Soloarbeiten neue Spiel-/Räume der Stadt erforschen. Der an die erfolgreiche Newcomer-Reihe angeschlossene Prix Jardin d’Europe wird heuer bereits zum zweiten Mal als Casinos Austria Prix Jardin d’Europe vergeben, der beliebte Fan Award geht mit Kooperationspartner FM4 ebenfalls in eine weitere Runde. Beide Auszeichnungen werden am 14. August im Rahmen einer außergewöhnlichen Galanacht, moderiert von Dirk Stermann und der kanadischen Tänzerin, Musikerin und Schauspielerin Clara Furey, im Kasino am Schwarzenbergplatz verliehen. Das Gesamtprogramm wird abgerundet durch eine Reihe von speziellen Veranstaltungen internationaler Künstler. So zeigt die belgische Regisseurin Lut Vandekeybus am 17. Juli und 3. August im Metro Kinokulturhaus ein Portrait ihres einzigartigen Bruders Wim, der seit Jahrzehnten zu den weltweit wichtigsten Choreografen zählt. Ebenfalls ist diesem belgischen Ausnahmekünstler im Rahmen des dotdotdot Open Air Kurzfilmfestivals im Volkskundemuseum Wien am 15. Juli ein eigenes Screening gewidmet.

Die ImPulsTanz festival lounge gastiert erneut im Vestibül des Burgtheaters und verschreibt sich in diesem Jahr dem Motto „Ch-ch-changes“, also ganz dem Gedanken der Veränderung. Das Grundprinzip jedoch bleibt gleich: Künstler und Zuschauer, Tanzfans und Musikliebhaber kommen zusammen, tauschen sich aus und tanzen bis zum Morgengrauen. Während der Festivalzeit präsentiert die ImPulsTanz festival lounge allabendlich Live-Konzerte und DJ Sets bei freiem Eintritt. Pause macht sie nur an zwei Abenden. Dann, wenn ImPulsTanz soçial zu den zwei Festivalpartys lädt, die feste Highlights im sommerlichen Nachtleben Wiens sind. Neu: Der Programmschwerpunk „Küss‘ die Hand – Ladies Live in Concert“ lädt jeden Sonntag Musikerinnen auf die Bühne.

Das Programm der Workshops: www.mottingers-meinung.at/?p=19386

www.impulstanz.com

Wien, 17. 6. 2016