Sommerszene Salzburg 2016: Die Highlights

Juni 9, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein heißer Tanz um die großen Weltfragen

Jérôme Bel: Gala. Bild: © Herman Sorgeloos

Jérôme Bel: Gala. Bild: © Herman Sorgeloos

Die diesjährige Sommerszene Salzburg startet am 21. Juni mit einem umfangreichen Programm: 14 Tanz- und Theaterproduktionen, davon neun Österreich-Premieren, machen die Stadt zwölf Tage lang zur Bühne. Mit einem Fest des Lebens und einem Hoch auf die Individualität wird eröffnet:

Eine zwanzigköpfige Schar Salzburger, bestehend aus Laien und professionellen Tänzern, ist in der Performance Gala des französischen Star-Choreographen Jérôme Bel aufgefordert, ihr unverwechselbares Bewegungsrepertoire zu präsentieren. Die daraus entstehende Galerie lebendiger Porträts zeigt eindrucksvoll, wie schillernd die Möglichkeiten des Tanzes sein können (21. und 22. Juni, 20.30 Uhr, republic). Nach diesem weltweit bejubelten Abend setzen Produktionen wie das bildgewaltige Tanzstück „Black Marrow“ von Islands Star-Choreographin Erna Ómarsdóttir oder die Uraufführung von Willi Dorners städtischer Intervention „every-one“ spektakuläre ästhetische Akzente. Und Utopisten und Visionäre können beim partizipativen Planspiel „Home Sweet Home“ der britischen Gruppe Subject to_change ihre Stadt der Zukunft planen.

Fünf Tipps für das Festival:

Aktuellen tagespolitischen Fragen wendet sich der Performer, Filmer, Autor und bildende Künstler Julius Deutschbauer in seiner elftägigen Serie Antirassismusvergnügungspark zu: Ausgangspunkt seiner Live-Performances sind provokante Statements, verortet ist sein Park in einem Container, wie er aktuell überall an den Grenzen Europas zu finden ist (22. Juni bis  2. Juli, täglich um 19 Uhr, Unipark Nonntal).

Erna Ómarsdóttir: Black Marrow. Bild: © Bjarni Grimsson

Erna Ómarsdóttir: Black Marrow. Bild: © Bjarni Grimsson

Die Rabtaldirndln: Du gingst fort. Bild: © Rania Moslam

Die Rabtaldirndln: Du gingst fort. Bild: © Rania Moslam

Islands Star-Choreographin Erna Ómarsdóttir gastiert mit Black Marrow zum ersten Mal in Österreich. Das Tanzstück, das von einem achtköpfigen Ensemble der Iceland Dance Company zu den sphärischen Klängen des Komponisten Ben Frost interpretiert wird, bewegt sich zwischen archaischem Ritual und poetischen Stimmungen und wirft einen kritischen Blick auf den Planeten Erde, seine Natur und seine Ressourcen (24. und 25. Juni, 20.30 Uhr, republic).

Bereits zum dritten Mal ist das Grazer Kollektiv Die Rabtaldirndln zu Gast bei der Sommerszene: Inspiriert vom Fernsehformat „Aktenzeichen XY ungelöst“ hinterfragen Barbara Carli, Rosi Degen, Gudrun Maier und Gerda Strobl in Du gingst fort den Heimatbegriff und involvieren dazu „Ausheimische“, die das Landleben hinter sich gelassen haben und doch nie ganz davon loskommen (25. und 26. Juni, 20 Uhr, ARGEkultur).

In ihrem beeindruckenden Solo Oblivion zeichnet die belgische Künstlerin Sarah Vanhee ein Bild der Gesellschaft, das nachdenklich stimmt: Indem sie den realen und virtuellen Müll, den sie über ein Jahr gesammelt hat, auf die Bühne holt, fordert sie den Zuschauer auf, eine neue Sicht und eine neue Bewertung der Dinge des Lebens zu finden. Die Produktion hat bei der Sommerszene Österreich-Premiere (30. Juni und 1. Juli, 20 Uhr, ARGEkultur).

Dem globalen Phänomen der Angst widmet sich Choreographin und Tänzerin Doris Uhlich: In ihrem hochenergetischen Stück Boom Bodies werden acht Tänzer, großteils Absolventen der Salzburg Experimental Academy of Dance – „SEAD“, vom pulsierenden Techno-Sound von DJ Boris Kopeinig in einen Bewegungsrausch versetzt. Der Körper wird dabei zum Ventil um die komplexe Gegenwart als einen beweglichen Körper zu begreifen (1. und 2. Juli, 20.30 Uhr, republic). Zum Festivalabschluss lässt Doris Uhlich als DJane in der „Letzten Nacht“ ihre aktuellen künstlerischen Ideen und die der letzten Jahre mitschwingen, inklusive einer wilden Mischung ihrer Lieblingssounds und Beats, von Pop bis Techno (2. Juli, ab 22 Uhr, republic).

www.szene-salzburg.net

Wien, 9. 6. 2016