museum gugging: johann hauser … der künstler bin ich!

Mai 30, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Jubiläumsschau über den Schöpfer des Blauen Sterns

Johann Hauser mit Pin-up-Skulptur, 1987. Bild: Mathias Braschler

Johann Hauser mit Pin-up-Skulptur, 1987. Bild: Mathias Braschler

Am 5. Juni begeht das museum gugging sein 10-jähriges Jubiläum. Gefeiert wird mit einer großen Art Party und der Ausstellungseröffnung des Ausnahmekünstlers Johann Hauser. Hauser wurde schon sehr früh zum Star unter den Gugginger Künstlern. Mit seinem prägnanten Strich war er von anderen Künstlern wie Jean Dubuffet bis Arnulf Rainer hoch geschätzt. Seine Bildnisse von schönen und hässlichen Frauen, Raketen und Panzern, Schlangen und Schlössern sind intensiv, mächtig und bewegend.

Kaum einer eignet sich mehr dazu, zehn Jahre museum gugging gebührend zu feiern. Die Schau „johann hauser … der künstler bin ich!“ gibt mit ungefähr 200 Werken einen repräsentativen Einblick in sein Lebenswerk.

Kurator ist der künstlerische Direktor des museum gugging, Johann Feilacher, der Johann Hauser persönlich über einen Zeitraum von 13 Jahren begleitete. Hauser, Schöpfer des Blauen Sterns von Gugging, hat hunderte farbenprächtige Bildnisse geschaffen, die in öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten und aus der internationalen Art Brut-Szene nicht mehr wegzudenken sind. Seine Frauendarstellungen sind voll offensiver Erotik und beeindrucken durch ihre kraftvolle Strichführung. Seine verspielte Seite zeigt der Künstler bei seinen Darstellungen anderer Themen: Flugzeuge, Kriegsschiffe, Hubschrauber, Schlösser, grüne Schlangen. Sie ziehen die Betrachter durch ihre farbliche und emotionale Intensität in ihren Bann.

Johann Hauser, Nackte Frau mit Hut, 1986. Bild: Privatstiftung Künstler aus Gugging

Johann Hauser, Nackte Frau mit Hut, 1986. Bild: Privatstiftung Künstler aus Gugging

Flugzeug mit Bombe, 1986, Bleistift, Farbstifte, Sammlung Helmut Zambo. Bild: Privatstiftung - Künstler aus Gugging

Flugzeug mit Bombe, 1986, Sammlung Helmut Zambo. Bild: Privatstiftung Künstler aus Gugging

1926 in Bratislava geboren, musste Johann Hauser in seiner frühen Jugend in ein Umsiedlungslager nach Niederösterreich. In die Landes-Nervenklinik Maria Gugging wurde Hauser 1943 im Alter von 17 Jahren eingewiesen, 1986 übersiedelte er in das Haus der Künstler in Gugging. Der Psychiater und Leiter der Männerabteilung, Leo Navratil, entdeckte sein Talent und begann ihn zu fördern. So begann er erst im Alter von 32 Jahren zu zeichnen. Der zum “Künstler-Patienten” aufgestiegene Hauser wurde 1965 erstmals publiziert und andere Künstler, vor allem der Wiener Avantgarde, waren von seiner Kunst begeistert.

Der Maler Peter Pongratz bezeichnete ihn als den Lehrer, der ihm zeigte, was Kunst ist, der “Übermaler“ Arnulf Rainer stellte gar fest, dass Hauser 99 Prozent der professionellen Maler degradiere. Erste Ausstellungen in den 1970er-Jahren brachten frühe Erfolge und erste Publikationen. Unter Navratils Nachfolger Johann Feilacher, der das „Zentrum für Kunst- und Psychotherapie“ in das „Haus der Künstler“ umwandelte und von der Klinik abtrennte, wurde Hausers Werk in ganz Europa, den USA und Japan gezeigt. Hauser wurde zu Vernissagen in Helsinki, Köln, Philadelphia oder New York eingeladen und genoss seinen Ruhm und die damit verbundenen Reisen.

Im Jahr 1990 erhielt er mit seinen Gugginger Künstlerkollegen den Oskar-Kokoschka-Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Hauser starb im Jänner 1996. Er hinterließ etwa 2.500 Zeichnungen und fast 150 Radierungen.

www.gugging.at

Wien, 30. 5. 2016