Burgtheater: Endbericht des Rechnungshofs liegt vor

Mai 24, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Scharfe Kritik an Hartmann und Stantejsky

Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Nicht ohne Stolz darf die neue Burgtheaterchefin Karin Bergmann auf den seit Dienstag vorliegenden Endbericht des Rechnungshofs verweisen. Der umfangreiche Bericht enthält nach eineinhalbjährlicher Prüfung wesentliche Beurteilungen, Erkenntnisse und Empfehlungen, wobei 60 der 67 Empfehlungen an die Burgtheater GmbH bereits umgesetzt wurden oder sich in Umsetzung befinden, hieß es heute in einer Aussendung.

„Wir sind dankbar für diesen Rechnungshofbericht, weil er uns geholfen hat, die Vorgänge aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Natürlich wird die rechtliche Aufarbeitung noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber diese ist in erster Linie die Sache der Staatsanwaltschaft und der Gerichte“, sagt Bergmann und ihr kaufmännischer Geschäftsführer Thomas Königstorfer ergänzt: „Wir haben gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus in den vergangenen beiden Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um uns organisatorisch besser aufzustellen und uns damit wieder mehr auf die künstlerische Arbeit konzentrieren zu können. Der Endbericht des Rechnungshofs ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.“

Scharfe Kritik übt der Rechnungshof in seinem nunmehr an den Nationalrat übermittelten Papier am früheren Direktor Matthias Hartmann und der früheren kaufmännischen Leiterin Silvia Stantejsky. Deren Gebaren soll in den Jahren 2008 bis 2013 dazu geführt haben, dass das Eigenkapital von 15,66 Millionen Euro plus auf ein Minus von 10,29 Millionen Euro gesunken ist. Um nur eine Zahl hervorzuheben: Allein im Geschäftsjahr 2009/10 , also Hartmanns erster Saison, überschritt die Burgtheater GmbH das für Produktionen genehmigte Budget um beinah sechs Millionen Euro. Der Aufsichtsrat soll sich damit erst im Jahr 2013 beschäftigt haben, dessen mangelnde Lust auf Nachfrage wird vom Rechnungshof ebenfalls bemängelt. Ebenfalls beanstandet werden vom Rechnungshof mehr als zwei Millionen Euro, die Hartmann von seiner Bestellung im Jahr 2006 bis zu seiner Entlassung im Jahr 2014 erhalten hat, und deren Auszahlungen, so heißt es, „nicht immer ein nachvollziehbarer Leistungsgrund“ zuzuordnen sei. Und auch die bereits mehrfach kritisierten Barauszahlungen des Burgtheaters und Akonti, für die es zu 80 Prozent keine Belege gibt, wurden erneut unter die Lupe genommen.

In Visier der Prüfer ist auch die frühere Kulturministerin Claudia Schmied. In ihre Amtszeit fällt die vorzeitige Vertragsverlängerung für Hartmann im Jahr 2012 – ohne Ausschreibung, „obwohl ihr Ressort über die sich verschlechternde wirtschaftliche Situation der Burgtheater GmbH informiert worden war“. Der neue Kulturminister Thomas Drozda verlangt nun von der Bundestheater-Holding  bis zum Sommer eine Analyse der Erkenntnisse aus dem Rechnungshofbericht. Karin Bergmann und dem neuen Holding-Chef Christian Kircher spricht er naturgemäß sein vollstes Vertrauen aus.

Das Burgtheater-Programm für die Spielzeit 2016/17: www.mottingers-meinung.at/?p=19834

www.burgtheater.at

Wien, 24. 5. 2016