mumok: Wir Wegbereiter. Pioniere der Nachkriegsmoderne

Mai 6, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Schau über Wiens KPÖ-Kulturstadtrat Viktor Matejka

Wolfgang Herzig: Große Gesellschaft, 1970-1971. © Wolfgang Herzig. Bild: mumok

Wolfgang Herzig: Große Gesellschaft, 1970-1971. © Wolfgang Herzig. Bild: mumok

Ab 12. Mai richtet das mumok im Rahmen der Ausstellung „Wir Wegbereiter. Pioniere der Nachkriegsmoderne“ den Fokus auf zwei charismatische Persönlichkeiten des Kunst- und Kulturlebens nach 1945: Viktor Matejka und Werner Hofmann. Als wichtige Impulsgeber im Wien der Nachkriegszeit sind beide eng mit dem mumok verbunden. Hat Werner Hofmann den Grundstock der Sammlung angelegt, verdankt das mumok Viktor Matejka eines seiner Archive.

Als Gründungsdirektor des ehemaligen Museums des 20. Jahrhunderts, heute mumok, legte Werner Hofmann den Basisbestand des Hauses an, der in der Ausstellung in seiner Gesamtheit zu sehen ist. Hofmann war im Wien der Nachkriegszeit der konsequenteste Vertreter der Idee der Moderne und sah in den Avantgarden der 1910er- und 1920er-Jahre die künstlerische Essenz des Jahrhunderts. Seine seit 1960 aufgebaute Lehrsammlung beinhaltet die wesentlichsten Richtungen und Künstler wie Expressionismus mit Richard Gerstl, Ernst Ludwig Kirchner und Oskar Kokoschka, Kubismus und Futurismus mit Giacomo Balla und Henri Laurens, oder konstruktive Tendenzen und Bauhaus mit László Moholy-Nagy und Piet Mondrian. Dada und Surrealismus sind mit Max Ernst oder René Magritte vertreten. Unter den Werken befinden sich einige der Inkunabeln der Moderne, so etwa „Homme accroupi“von André Derain oder „Nocturne“ von František Kupka.

Neben seiner Sammlung der klassischen Moderne erwarb Hofmann zeitgenössische Werke internationaler Ausrichtung. Wenn auch sein Schwerpunkt auf Malerei und Skulptur lag, galt sein Interesse ebenso Film, Fotografie, Tanz und Musik. Neben Hauptwerken der von Werner Hofmann angelegten Sammlung wird dessen Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit mit Dokumenten, Fotografien und Plakaten in der Ausstellung veranschaulicht.

Oskar Kokoschka: Karl Kraus II, 1925. © Bildrecht Wien, 2016. Bild: mumok

Oskar Kokoschka: Karl Kraus II, 1925. © Bildrecht Wien, 2016. Bild: mumok

Herbert Boeckl: Die Apokalypse, 1952. © Leonore Boeckl. Bild: mumok

Herbert Boeckl: Die Apokalypse, 1952. © Leonore Boeckl. Bild: mumok

Viktor Matejka ist durch seine Sammeltätigkeit ebenfalls eng mit dem Haus verbunden. Als erster Nachkriegskulturstadtrat spielte er eine zentrale Rolle im kulturpolitischen Leben Wiens und blieb auch nach Beendigung seiner institutionellen Tätigkeit eine viel gefragte Autorität. Besondere Bedeutung maß er der Aufarbeitung der NS-Zeit und der Rückkehr von vertriebenen Künstlern wie Oskar Kokoschka und Arnold Schönberg bei.

Matejka war der einzige österreichische Politiker, der diese Einladung aussprach. Seine Kulturpolitik war weltoffen. Sein Geschichtsbewusstsein war eng mit Bildung und Archivierung verknüpft, förderte Matejka doch von jeher die Wiener Volkshochschulen und legte bereits vor dem Krieg getreu seiner Devise: „Es geht nichts verloren, wenn es gesammelt und gesichert wird“, sein erstes, heute nicht mehr erhaltenes Archiv an.

Während seiner Internierung im KZ Dachau entstanden die legendären Pickbücher, die Matejka aus Zeitungsausschnitten anfertigte und an Mithäftlinge weitergab. Nach Kriegsende legte der KPÖ-Abgeordnete abermals ein großes Medienarchiv an, das sich verschiedenen Themen aus Politik, Kultur und Zeitgeschichte widmete. Den archivalischen Bestand zur bildenden Kunst übergab Matejka Ende der 1970er-Jahre dem mumok mit der Aufforderung, ihn laufend zu erweitern.

Mit Schwerpunkt auf den 1960er-Jahren, besteht dieses Archiv aus Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitten sowie Ephemera. Eine Auswahl daraus ist in der Ausstellung gemeinsam mit Werken der wichtigsten künstlerischen Gruppierungen nach 1945 zu sehen. Beginnend mit den Akademielehrern der Nachkriegszeit, Herbert Boeckl, Albert Paris Gütersloh und Fritz Wotruba, werden die Abstrakten um die Galerie nächst St. Stephan, die Phantastischen Realisten, Maria Lassnig, Kiki Kogelnik, die Wiener Gruppe und die Wiener Aktionisten aus dem Bestand des mumok gezeigt.

www.mumok.at

Wien, 6. 5. 2016