Leopold Museum: Theodor von Hörmann

April 29, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Die erste umfassende Ausstellung des Werks in Wien

Theodor von Hörmann: In den Tuilerien, um 1888 Bild: © Belvedere, Wien

Theodor von Hörmann: In den Tuilerien, um 1888 Bild: © Belvedere, Wien

Theodor von Hörmann: Blumenmarkt an der Madeleine IV, 1889. Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 511

Theodor von Hörmann: Blumenmarkt an der Madeleine IV, 1889. Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 511

Das Leopold Museum präsentiert ab 29. April das Werk von Theodor von Hörmann in der bisher größten Ausstellung dieses bedeutenden österreichischen Malers. 120 Jahre nach dem Tod des Künstlers ist nun ein umfassender Überblick über sein Schaffen  in der Schau „Theodor von Hörmann. Von Paris zur Secession“ zu sehen.

Anhand von etwa 80 Werken wird eindrucksvoll Hörmanns Weg vom Realisten zum Impressionisten beschrieben. Gemälde, ergänzt durch Arbeiten auf Papier, zahlreiche Fotografien und Autografen des Künstlers sowie ausgewählte Werke von Zeitgenossen ermöglichen einen detaillierten Einblick in Hörmanns Leben und Umfeld.

Bei der Ausstellungseröffnung beschrieb Leopold-Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger Hörmann als „einen der ungewöhnlichsten und eigenständigsten Künstler des späten 19. Jahrhunderts, der sich stets intensiv mit den neuesten Tendenzen seiner Zeit – vom Impressionismus bis hin zu secessionistischen Ideen – auseinandersetzte“.

Im Jahrhundert des Realismus suchte Hörmann eine größtmögliche Objektivität in der Interpretation von Landschaft zu erreichen, ohne dabei am rein Gegenständlichen haften zu bleiben. Der 1840 im Tiroler Ort Imst geborene Künstler übersiedelte 1886 nach Paris. Auf den Spuren der Pleinairmaler der École de Barbizon arbeitete er in den Wäldern um Fontainebleau und fing die Stimmungen der Natur ein. Eine entscheidende Phase, wie Marianne Hussl-Hörmann, die Kuratorin der Ausstellung erklärt: „Erstmals beschäftigte sich Hörmann hier auch mit der atmosphärischen Erscheinung einer bestimmten Tageszeit und so mit einem Kernthema des Impressionismus“. In Paris selbst entstanden Stadtansichten.

Nach seiner Rückkehr aus Frankreich ließ sich Hörmann im mährische Städtchen Znaim nieder. Hier entstanden lichtdurchflutete Bilder, „Huldigungen an die freie Natur“, unter anderem die berühmte Serie der „Esparsettenfelder“. 1891 wurden Hörmanns für eine Ausstellung im Wiener Künstlerhaus eingereichte Werke abgelehnt. Der Künstler stellte daraufhin im Kunstverein München aus und traf in Dachau auf die deutschen Impressionisten. „Im Kreis der Maler Fritz von Uhde und Ludwig Dill wurde er mit deren secessionistischen Ideen bekannt und in Folge zu einem vehementen Vertreter dieser Bewegung“, so Wipplinger. „In seiner Malerei wie in seinem kulturpolitischen Engagement beschritt Hörmann innovative Wege und entwickelte visionäre Ideen.“

Theodor von Hörmann: Tümpel im Buchenwald, 1892. Bild: © Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

Theodor von Hörmann: Tümpel im Buchenwald, 1892. Bild: © Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

Theodor von Hörmann: Esparsettenfeld I. Studie, um 1893. Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 336

Theodor von Hörmann: Esparsettenfeld I. Studie, um 1893. Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 336

In Hörmanns letztem Lebensjahr zog es den Maler verstärkt nach Wien. Hier entstand 1895 mit dem Gemälde „Der neue Markt“ eine monumentale Wiener Stadtansicht. Hörmanns Werk ist ein eindrucksvolles Beispiel für das Ringen um eine neue Wahrnehmung. Nicht umsonst gilt er als Gründungsvater der Wiener Secession, der die von dieser reformorientierten Künstlergruppe formulierten revolutionären Ideen als Erster unnachgiebig einforderte, deren Realisierung aber nicht mehr erlebte.

www.leopoldmuseum.org

Wien, 29. 4. 2016