Barocktage Stift Melk 2016: Ein Fest zu Pfingsten

April 29, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Fünf Tipps aus dem Programm von Michael Schade

Der künstlerische Leiter des Festivals: Opernstar Michael Schade. Bild: photo-graphic-art

Festivalleiter: Opernstar Michael Schade. Bild: photo-graphic-art

Unter dem Motto „Le monde fantastique. Illusion und Wirklichkeit“ stehen die Internationalen Barocktage Stift Melk, die dieses Jahr am 12. Mai beginnen. Deren künstlerischer Leiter, Opernstar Michael Schade, hat ein Programm gewählt, das sich auch in der Location des Stiftes Melk widerspiegelt. „Unser Programm 2016 will dieses berauschende Prinzip aufnehmen, variieren und uns damit gleichzeitig inspirieren,“ erklärt Schade seine Pläne.

14 Konzerte wird er an fünf Tagen präsentieren, darunter erstmalig auch zwei für Kinder: „Mäuschen Max hört auf sein Herz“, eine barocke Tiergeschichte mit Musik von Johann Sebastian Bach und Johann Josef Fux und eigens komponierten Kinderliedern (12. und 13. Mai, Barockkeller).

Erst kürzlich wurde Schades Vertrag bis 2019 verlängert, was er „mit großer Freude, Dankbarkeit und einer Prise Stolz“ verkündet. „Ich brenne auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit. Melk ist etwas ganz besonderes. Mir scheint, dass jeder, der herkommt, die Stadt als besserer und zufriedenerer Mensch verlässt – so soll es auch bei den Barocktagen sein“, sagt er.

Wichtig ist ihm neben der Pflege der Alten Musik auch Brücken zwischen dieser und zeitgenössischer Interpretation zu schlagen, das will Schade mit der neu eingeführten Reihe „OffRoad Barock“ umsetzen: Das Janoska Ensemble, feat. Thomas Gansch, greift barocke Themen auf und interpretiert sie neu. Die Künstler verwenden moderne Instrumente und nähern sich der Alten Musik eigenwillig und dennoch lustvoll genau (16. Mai, Pfarrhof Melk).

Fünf Programmtipps:

Viele Veranstaltungen der Barocktage Melk sind ausverkauft. Hier einige Highlights, für die es noch Karten gibt:

Dum spiro, spero – Solange ich atme, hoffe ich. 14. Mai, Stiftskirche. Im pompösen Ambiente der barocken Stiftskirche begeben sich Orchester und Chor der Kölner Akademie auf eine Suche nach der Wahrheit. Berührende bis jubelnde Lobpreisungen Gottes stehen im Zentrum dieses Konzertes, das seinen Höhepunkt in Charpentiers Te Deum findet. Seine festliche Fanfare ist bekannt als Eurovisions-Melodie. Mit den Solisten Maïlys de Villoutreys, Myriam Arbouz und Countertenor Vincent Lièvre-Picard.

Unser Leben ist ein Schatten. 15. Mai, Stiftskirche. Ein ganz besonderes Erlebnis erwartet die Konzertbesucher in der nächtlichen Stiftskirche Melk: Der Arnold Schönberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner bietet neben Werken der Familie Bach auch die erstmalige öffentliche Aufführung der „Kleinen Litanei“ von Arvo Pärt. Das Werk wurde im Dezember in der Virgil Kapelle des Wiener Stephansdoms in geschlossener Gesellschaft uraufgeführt.

Das Janoska Ensemble interpretiert Barockklänge neu. Bild: © Julia Wesely

Das Janoska Ensemble interpretiert Barock neu. Bild: © Julia Wesely

Metamorphosen. 14. Mai, Kolomanisaal. In einem intimen Programm setzt sich das junge Ensemble NeoBarock mit unterschiedlichen Bach-Variationen auseinander und gibt bislang vermisste Bach-Triosonaten zum besten, die erahnen lassen, wie der Komponist sie gemeint und gefühlt haben könnte.

Schattenwelt. 15. Mai, Barockkeller. Ein Konzert als Hommage an den Schriftsteller Miguel de Cervantes, gestorben im April 1616, also vor 400 Jahren. Die Ouvertürensuite „Burlesque de Don Quixote“ von G.P. Telemann wird begleitet von einem Schattenspiel, in dem der tragische Held gegen die Windmühlen ankämpft, seiner großen Liebe nachtrauert und dabei Wahn und Wirklichkeit durcheinander bringt. Mit den Barocksolisten München, Dorothea Seel und dem Schatten- und Schauspieler Julian Button.

Règne, amour. 16. Mai, Kolomanisaal. Dass die Liebe immer siegt, zeigt das L´Orfeo Barockorchester, das 2016 sein 20-jähriges Jubiläum feiert, mit außergewöhnlichen Kompositionen Jean-Philipp Rameaus. Voll romantischer Thesen aus der antiken Sagenwelt ergibt das einen Klang, der die Zuhörer in ein magisches Traumuniversum entführt.

Nicht nur künstlerisch, auch geschäftlich sind die Barocktage erfolgreich. Das Vorjahresfestival mit insgesamt zwölf Konzerten, wurde von 3.200 Gästen besucht und brachte einen Kartenerlös von etwa 90.000 Euro ein. „Was uns aber neben Musik auf höchstem internationalen Niveau am Herzen liegt ist, dass unser Festival auch leistbar bleibt. Deswegen haben wir uns bewusst dazu entschlossen, dieses Jahr die Preise möglichst gering zu halten und auch attraktive Jugendkarten, für Jugendliche bis 26 Jahren von 15 bis maximal 25 Euro, anzubieten“, so Elisabeth Weigand, Geschäftsführerin der Wachau Kultur Melk.

Mehr zum Programm: www.mottingers-meinung.at/?p=16328

www.barocktagemelk.at

Wien, 29. 4. 2016