Theseustempel: Ron Muecks „Man in a Boat“

April 19, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Als würde er einen gleich ansprechen

Ron Mueck: Man in a Boat. Bild: mottingers-meinung.at

Ron Mueck: Man in a Boat. Bild: mottingers-meinung.at

Ron Mueck: Man in a Boat, National Gallery London, 2000–2002. Bild: © KHM

Ron Mueck: Man in a Boat. Bild: © KHM

Das Kunsthistorische Museum setzt seine Ausstellungsreihe im Theseustempel ab 20. April mit einer Skulptur „Man in a Boat“ des renommierten australischen Künstlers Ron Mueck fort. Nach den Werken von Ugo Rondinone, Kris Martin, Richard Wright, Edmund de Waal und Susan Philipsz ist die Arbeit von Ron Mueck nun das sechste Projekt, das im Rahmen der Ausstellungsreihe zu zeitgenössischer und moderner Kunst im Theseustempel zu sehen ist.

Mueck wurde Ende der 1990er-Jahre mit seiner detailgetreuen Skulptur eines ausgestreckten nackten Mannes berühmt, „Dead Dad“, einer verstörenden Darstellung seines verstorbenen Vaters. Die Perfektion dieser Arbeit ist charakteristisch für Muecks Schaffen und weist auf den ersten Beruf des Künstlers hin: Bevor er sich ganz der Kunst widmete, war Mueck in der Herstellung von Modellen und Spezialeffekten für Film und Werbung tätig, unter anderem 1986 für Jim Hensons „Die Reise ins Labyrinth“.

Das Werk „Dead Dad“ wurde im Rahmen der Ausstellung „Sensation“ an der Royal Academy in London gezeigt. Wie in vielen seiner Arbeiten setzte sich Mueck auch hier mit einer Reihe grundlegender Themen der menschlichen Existenz auseinander: Geburt, Kindheit, Jugend, dem eigenen Ich, Mutterschaft, Erwachsensein und Alter, Tod und der Frage, was danach folgen könnte. Die nun präsentierte Skulptur entstand während seiner zweijährigen Residency in den Jahren 2000 bis 2002 an der National Gallery in London.

Ron Muecks Werk entsteht auf traditionelle Weise; anhand von Fotos, Presseausschnitten oder lebenden Modellen werden plastische Vorstudien geschaffen, die schließlich zu einer Gipsform führen. Für die eigentlichen Werke kommen aber Polyester- und Acrylharze sowie Silikon und Fiberglas-Verbindungen zum Einsatz. Versehen mit Haar und Farbe, erlauben diese Materialien die Gestaltung veristisch anmutender Oberflächen. Zugleich gelingt es Mueck, seinen Figuren einen eindrucksvollen psychologischen Ausdruck zu verleihen. Sie wirken so lebendig, als würden sie einen gleich ansprechen. In der irrealen Anmutung ihrer Größenverhältnisse erscheinen sie aber wie Zwischenwesen. Als seien sie einer surrealen Erzählung entnommen, sprechen sie den Betrachter direkt an, beziehen ihn in ihren Raum mit ein und konfrontieren ihn letztlich mit sich selbst.

Die Ausstellung ist die erste Personale Ron Muecks in Österreich. Sie wurde kuratiert von Jasper Sharp.

www.khm.at

Wien, 19. 4. 2016