Volksoper Wien: Der Spielplan der Saison 2016/17

April 15, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Drew Sarich debütiert in einer Uraufführung am Haus

Spielplanpräsentation: Direktor Robert Meyer und der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Ladstätter. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Spielplanpräsentation: Direktor Robert Meyer und der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Ladstätter. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

„Mehr geht an der Volksoper nicht mehr“, berichtet deren Direktor Robert Meyer erfreut, als er Freitag Vormittag gemeinsam mit seinem kaufmännischen Geschäftsführer Christoph Ladstätter den Spielplan für die Saison 2016/17 präsentierte. Zehn Premieren stehen auf dem Programm, davon eine im erstmals zur Spielstätte für das Haus auserkorenen Kasino am Schwarzenbergplatz und eine Uraufführung.

Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit: Drew Sarich debütiert am Haus. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit: Drew Sarich debütiert am Haus. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Diese verspricht eines der spannendsten neuen Projekte zu werden, bringt sie doch erstmals Musicalstar Drew Sarich von den Vereinigten Bühnen Wien, wo er derzeit den Che in „Evita“ gibt, an die Volksoper. Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit heißt das Werk aus der Feder von Christian Kolonovits und Angelika Messner, eine „BaRock“-Oper über das Leben des Antonio Vivaldi, mit, sagt Meyer, „der Betonung auf Rock, denn im Orchestergraben wird auch eine Rockband sitzen. Das wird etwas völlig Neues für die Volksoper.“ Sarich spielt den „prete rosso“, den roten Priester Vivaldi, den Superstar der Barockmusik schlechthin. Nicht umsonst genoss das von ihm geleitete erste Damenorchester der Welt mit Mädchen aus dem Waisenhaus „Ospedale della Pietà“  legendären Ruf. Robert Meyer inszeniert. Mit dabei sind außerdem Boris Pfeifer und Morton Frank Larsen. Premiere ist am 3. Juni 2017.

In zwei weiteren Produktion wird Robert Meyer als Darsteller auf der Bühne stehen. Kurz vor Weihnachten, ab 9. Dezember, in Emmerich Kálmáns Die Zirkusprinzessin als Oberkellner Pelikan. Die Regie übernimmt einmal mehr Thomas Enzinger, der von seiner „Gräfin Mariza“ Carsten Süss und Astrid Kessler als Zirkusartist Mister X und dessen angebetete Fürstin Fedora mitnimmt. Otto Jaus, 2014 mit dem österreichischen Kabarettpreis ausgezeichneter Schauspieler „und ein bemerkenswerter Kollege, auf den ich mich schon sehr freue“, so Meyer, debütiert als Buffo Toni Schlumberger. Kurt Scheibmayer gibt den intriganten Fürsten Sergius Vladimir, Alfred Eschwé hat die musikalische Leitung inne. Am 25. Februar 2017 folgt dann das Musical Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen mit Robert Meyer in der ehemaligen Theo-Lingen-Rolle. Mathias Schlung, auch er erstmals am Haus, übernimmt den einstigen Part von Harald Juhnke. Erzählt wird ein american dream, die Geschichte eines Fensterputzers, der es nur mit seinem bubenhaften Charme und einer gehörigen Portion Chuzpe in die höchste Firmenetage schafft. Das Leading Team von „Sweeney Todd“, Joseph R. Olefirowicz, Matthias Davids und Mathias Fischer-Dieskau, wird das Werk des großen Broadwaykomponisten Frank Loesser auf die Bühne heben.

Mit dem Kasino am Schwarzenbergplatz hat die Volksoper eine neue, ideale Spielstätte gefunden, um künftig jedes Jahr ein zeitgenössisches Musiktheaterwerk herauszubringen. Die erste Premiere wird am 12. Februar 2017 dem deutschen Komponisten Manfred Trojan und seiner Trilogie Limonen aus Sizilien nach Texten von Luigi Pirandello und Eduardo De Filippo gewidmet. Wie sich Oper im Kasino platztechnisch ausgeht, erklärt Robert Meyer so: „Es ist ein Werk ohne Chor und ohne Ballett, mit acht Solisten aus dem Haus. Ich war mit meinen Musikern dort und habe mir alles angesehen: Wir brauchen ein 18-köpfiges Orchester, das geht sich aus. Und den schönen Ballsaal verwenden wir gleich statt eines Bühnenbilds als Dekoration.“ Die musikalische Leitung hat Gerrit Prießnitz, Mascha Pörzgen gibt als Regisseurin ihr Hausdebüt. Die Hauptrolle der unglücklichen Ehefrau Giulia Fabbri übernimmt Rebecca Nelsen, David Sitka ist Giulias Sohn, der in der dritten und letzten Episode von Carsten Süss gespielt wird. Verbunden sind die Geschichten durch das Motiv der Limone als Symbol für die Heimat, vor der es kein Entrinnen gibt.

Axel an der Himmelstür: Bettina Mönch und Andreas Bieber. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Axel an der Himmelstür: Bettina Mönch und Andreas Bieber. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Zum Saisonauftakt am 17. September bringt die Volksoper mit Ralph Benatzkys Axel an der Himmelstür einen Hauch Hollywood nach Wien. „Mit dieser Operette wurde niemand geringerer als Zarah Leander über Nacht zum Star“, erzählt Robert Meyer. Nun, 80 Jahre später, kommt die Geschichte um den Möchtegern-Reporter Axel, der seine Karriere mit einer Story über die Leinwandgöttin Gloria Mills anschieben will, erstmals auf die Bühne der Volksoper. In Szene gesetzt von Peter Lund und mit neuen musikalischen Arrangements von Kai Tietje. Mit Andreas Bieber als Axel und Bettina Mönch als Gloria Mills, Boris Eder und Johanna Arrouas.

Die erste Opernpremiere der kommenden Saison ist Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen am 15. Oktober. Die spektakuläre Inszenierung von Renaud Doucet und seinem Ausstatter André Barbe, die an der Volksoper bereits „Turandot“ und – seit heute als Wiederaufnahme zu sehen – „Sound of Music“ gezeigt haben, ist eine Kooperation mit der Oper Bonn. Gerrit Prießnitz steht am Pult. Als Dichter Hoffmann kehrt Mirko Roschkowski ans Haus zurück, die Rolle der Muse/Nicklausse übernimmt Juliette Mars. Josef Wagner, in dieser Saison Achim Freyers großartiger „Don Giovanni“, spielt in wechselnder Gestalt die Bösewichter. Am 28. Jänner 2017 folgt konzertant Erich Korngolds Das Wunder der Heliane mit Meagan Miller, Daniel Kirch und Martin Winkler, dirigiert von Jac van Steen. Am 25. März 2017 kommt erstmals Alfredo Catalanis La Wally an die Volksoper. Kurt Rydl wird den Stromminger geben. Astrid Kessler singt die Titelheldin, Endrick Wottrich und Martin Winkler verkörpern die beiden Konkurrenten Giuseppe Hagenbauch und Vincenzo Gellner. Die musikalische Leitung der Neuproduktion übernimmt Marc Piollet, die Inszenierung obliegt Aron Stiehl.

An Ballett-Premieren erwarten das Publikum: Aschenputtel am 13. November. Star-Choreograf Thierry Malandain, 2014 mit dem Europäischen Taglioni-Ballett-Preis ausgezeichnet, entwickelt die Geschichte mit zwanzig Tänzerinnen und Tänzern des Wiener Staatsballetts an der Volksoper als eine sehr persönliche Version, die „aus Asche und Magie“ entstanden ist. Und „Der Feuervogel“, „Petruschka“ und „Pulcinella“ – drei junge Choreographen aus der Kompanie des Wiener Staatsballetts interpretieren diese bedeutenden Bühnenwerke des 20. Jahrhunderts. Während sich András Lukács von Strawinskis „Pulcinella“ zu der Choreographie Movements to Stravinsky inspirieren lässt, gestalten Andrey Kaydanovskiy den Feuervogel und Eno Peci Petruschka neu. Premiere ist am 28. April 2017.

Erste Zahlen für die laufende Saison legte der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Ladstätter vor: Mit den ausverkauften Produktionen „Der Mann von La Mancha“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=15433), „Die Schneekönigin“, „Kismet“ und „Der Kongress tanzt“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=17709) liege man derzeit bei beinah 83 Prozent Auslastung, „womit wir mit der Saison 15/16 insgesamt einen Einnahmerekord anvisieren“. Was Ladstätter besonders gern berichtet: „In den vergangenen drei Jahren ist uns bei Kindern, Jugendlichen und Studenten als Publikum eine Zuschauersteigerung um 46 Prozent gelungen.“

www.volksoper.at

Wien, 15. 4. 2016