Albertina: Erwin Bohatsch

April 11, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Papierarbeiten von kammermusikalischer Intimität

Erwin Bohatsch: Ohne Titel, 2015. Albertina, Wien Bild: © Erwin Bohatsch

Erwin Bohatsch: Ohne Titel, 2015. Albertina, Wien Bild: © Erwin Bohatsch

Die Albertina würdigt zurzeit Erwin Bohatsch mit einer Personalie. Die Ausstellung erschließt ein facettenreiches Kaleidoskop von vier Dekaden des einzigartigen Schaffens Bohatschs und beleuchtet dabei den stets intensiven Dialog zwischen dem malerischen und dem grafischen Werk des Künstlers.

Erwin Bohatsch, geboren 1951 im steirischen Mürzzuschlag, nimmt innerhalb seiner Generation der „Neuen Wilden“ eine Sonderstellung ein: Der Künstler ist bei der Ausstellung „Hacken im Eis“ im Wiener 20erHaus, die 1986 ein wichtiges Gruppenbewusstsein österreichischer Nachkriegsmalerei prägte, nicht vertreten: Sie zeigt mit Herbert Brandl, Gunter Damisch, Josef Danner, Hubert Scheibl und Otto Zitko aktuelle „wilde“ malerische Positionen junger österreichischer Künstler. Schon damals zeichnet sich in Bohatschs künstlerischem Werk ab, dass weniger der explosive Duktus des expressiven Malens, als vielmehr ein sensibles Austarieren der Malerei im Mittelpunkt seines Interesses steht.
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Ohne konzeptuell zu agieren, umkreist Erwin Bohatsch in weiterer Folge seines Schaffens die Pole Abstraktion und Gegenständlichkeit, Buntfarbigkeit und Monochromie, sichtbarer Pinselführung und unterdrückter Handschriftlichkeit. Ausgehend von schlammfarbig figurativen Arbeiten aus den 1980er-Jahren, entwickeln sich in seinem Werk biomorphe Blasen-und Tropfenformen in irisierenden Farben und oftmals starken Helldunkel-Kontrasten. Bohatsch liebt die Spannung zwischen abstraktem Expressionismus und streng konzeptueller Malerei. Seit 2005 leitet er an der Akademie der bildenden Künste die Klasse für Abstrakte Malerei.
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Erwin Bohatsch: Ohne Titel, 2014. Albertina, Wien Bild: © Erwin Bohatsch

Erwin Bohatsch: Ohne Titel, 2014. Albertina, Wien Bild: © Erwin Bohatsch

In der Albertina ist er mit mehr als 60 Arbeiten vertreten. Die Werke spannen den zeitlichen Bogen von seiner ersten, noch figurativen Periode der 1980er-Jahre bis zu den neuesten Werkgruppen und den jüngst geschaffenen Drucken. Die retrospektiv angelegte Präsentation rückt erstmals die Zeichnungen, Monotypien und Aquarelle ins Zentrum. Sie bilden zum einen den bislang wenig wahrgenommenen roten Faden in seinem Œuvre. Zum anderen erlaubt sich Bohatsch gerade auf Papier künstlerische Freiheiten, die in den Gemälden oftmals nur unterschwellig erkennbar sind.

„Im Vergleich zur Malerei sind für mich die Papierarbeiten von kammermusikalischer Intimität“, sagt Erwin Bohatsch. „Sie erlauben mir eine größere Freiheit und erleichtern das Experimentieren. Am Tisch sitzend habe ich eine größere Nähe zum Papier, feinere Nuancierungen sind möglich. Sie sind so eine Art Rückgrat für alle anderen Arbeiten.“

In seinen kleinformatigen Arbeiten auf Papier experimentiert er frei von den Gestaltungsgrenzen der großformatigen Malerei. Nicht zufällig basieren die rezenten, ebenfalls kleinformatigen, Gemälde auf den Erfahrungen der intimen zeichnerischen Arbeit.

www.albertina.at

Wien, 11. 4. 2016