25 Jahre Kunst Haus Wien: Das Jubiläumsprogramm

April 4, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Alles Hundertwasser – von Bildern und Buch bis „Walk“

Cora Pongracz: Hundertwasser in Venedig, ca. 1970 Bild: © 2016 Fotosammlung OstLicht

Cora Pongracz: Hundertwasser in Venedig, ca. 1970
Bild: © 2016 Fotosammlung OstLicht

Zahlreiche Highlights rund um ein Haus und seinen Erfinder: Montagvormittag präsentierte Kunst Haus Wien-Direktorin Bettina Leidl das Jubiläumsprogramm fürs Museums Hundertwasser. Neben einer Gesprächsreihe mit renommierten Weggefährten Hundertwassers ist das unter anderem die neue Publikation „100 x Hundertwasser“, ein „Hundertwasser-Walk“und eine vierteilige Hundertwasser-Fotoedition. Das Kunst Haus Wien feiert 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Das Museum beherbergt die weltweit einzige umfassende permanente Ausstellung seines visionären Schöpfers und widmet sich in seinen Sonderausstellungen der Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts.

Mit der im Vorjahr eingeleiteten inhaltlichen Neupositionierung als „grünes Museum“ und der Öffnung neuer Ausstellungsflächen bewegte sich das Museum einen Schritt weiter in die Zukunft. „Ausgehend von den zukunftsweisenden Ideen Hundertwassers zu ökologischen Themen schafft das Kunst Haus Wien einen neuen Ort für Künstler und Kreative, die sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel, Recycling oder generationsübergreifender Verantwortung aus heutiger Sicht kritisch und visionär auseinandersetzen“, so Leidl.

Die Bilanz der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte kann sich mit 90 internationalen Ausstellungen und mehr als dreieinhalb Millionen Besuchern sehen lassen. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1991 zeigte das Kunst Haus Wien 90 Wechselausstellungen renommierter Künstler. Darunter auch solche, die Fotografiegeschichte geschrieben haben wie Cecil Beaton, René Burri, David LaChapelle, Annie Leibovitz, Robert Mapplethorpe, Man Ray, Herb Ritts, Henri Cartier-Bresson und zuletzt die sehr erfolgreiche Schau von Joel Meyerowitz.  Dieses Jahr widmet das Museum dem Magnum Fotografen Martin Parr seine erste Retrospektive in Österreich. Mit seinem Interesse an kulturellen Traditionen, Eigenheiten und Ritualen ist der Brite Parr einer der einflussreichsten dokumentarisch arbeitenden Fotografen der Gegenwart. Das Alltägliche und Absurde liegen in diesem Werk stets dicht beieinander. Zuspitzungen, Pointen und Klischees schrecken Parr nicht: Mit seinem von trockenem Humor getragenen, direkten Blick ist er einer der unverhohlensten Chronisten unserer Zeit. Zu sehen ab 3. Juni.

GB. England. New Brighton. From 'The Last Resort'. 1983-85. Bild: © Martin Parr / Magnum Photos

GB. England. New Brighton. From „The Last Resort“. 1983-85. Bild: © Martin Parr / Magnum Photos

Das Jubiläumsprogramm wird mit einer kuratierten Gesprächsreihe mit renommierten Künstlern und Weggefährten von Friedensreich Hundertwasser eröffnet. Nach Gustav Peichl, der am 8. April zu Gast sein wird, kommen auch Arnulf Rainer, Elfie Semotan oder André Heller zu Wort. Am Jubiläumstag selbst, dem 9. April, lädt das Kunst Haus Wien zum großen „Familiensamstag“ ein.

Auf dem Programm stehen zahlreiche Workshops in den Ausstellungen, im Foyer und im Garten sowie Führungen für Eltern und Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren. Erstmals wird an diesem Tag die Familienjahreskarte erhältlich sein. Mit ihr können Familien, zwei Erwachsene und zwei Kinder, ein ganzes Jahr um 39 Euro das Museum und alle Sonderausstellungen besuchen. Ebenfalls zum Jubiläum erscheint die neue Hundertwasser-Publikation mit dem Titel „100 x Hundertwasser“ im Metro-Verlag. Autorin Caro Wiesauer präsentiert darin das Ausnahmetalent, dessen Ideen und unkonventioneller Zugang zum Alltagsleben weltweit faszinieren. Zwischen Hundertwasserhaus und Kunst Haus Wien wird ein „Hundertwasser-Walk“ angelegt. Säulen werden als Leitsystem von der Kegelgasse zur Unteren Weißgerberstraße führen und dabei gleichzeitig über das Leben und Werk von Friedensreich Hundertwasser informieren. Außerdem erscheint eine limitierte Fotoedition der Fotografen Cora Pongratz und Roland Pleterski, vier Fotosujets zu einer Auflage von 200 Stück. Die Edition erscheint in Zusammenarbeit mit OstLicht.

Peter Dressler - Eher seltene Rezepte, 1987 Bild: Leo Kandl

Peter Dressler – Eher seltene Rezepte, 1987.
Bild: Leo Kandl

Die Jubiläumsausstellung schließlich widmet sich ab 16. November dem österreichischen Fotografen Peter Dressler. Wie wenige andere Persönlichkeiten hat Peter Dressler als Künstler, Sammler und kritischer Teilnehmer der Kunstszene die österreichische Fotografie seit den 1970er Jahren mit beeinflusst. Dressler ist bekannt durch seine seriellen Bildfolgen gleich einer Fotogeschichte mit einer metaphorischen Bildsprache. Erste fotografische Arbeiten entstanden in den 1960er-Jahren. Das „Dresslersche“ Wien dieser Zeit ist eine Stadt in der die „Magie des Alltäglichen in hohem Maß vorhanden ist“.

Öffentliche Räume, die er durch Zufall fand, und Alltagssituationen dienten ihm als Schauplätze, in denen er für seine Fotografien temporäre Eingriffe vornahm. Sein Künstlerbuch „Zwischenspiel“ enthält Fotografien seiner städtischen Erkundungen im Wien der frühen 1970er-Jahre, es wurde jedoch erst 1989 publiziert. In den Jahren 1975 bis 1978 realisierten Peter Dressler und Franz Zadrazil den Schwarzweiß-Film „Sonderfahrt“; dabei entstand ein audiovisuelles Mosaik als eine Mischung von assoziativ Gefundenem und Gespieltem. Die Ausstellung im Kunst Haus Wien ist die erste Retrospektive von Peter Dressler in Österreich.

www.kunsthauswien.com

Wien, 4. 4. 2016