Architekturzentrum Wien: Alles Frank! Zwei Tage rund um die Villa Beer

März 30, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Hausführungen und Spaziergänge durch das Grätzl

Josef Frank: Haus Beer, Wenzgasse, Wien, 1929–1931 Bild: © www.studiohuger.at/Stephan Huger

Josef Frank: Haus Beer, 1929–1931. Bild: © www.studiohuger.at/Stephan Huger

„Alles Frank!“ heißt es am 2. und 3. April, wenn das Architekturzentrum Wien zum ersten Mal die Villa Beer, ein Meisterwerk der Zwischenkriegsmoderne von Josef Frank, museal bespielt.

Hausführungen, Salongespräche und Grätzlrundgänge bieten die einmalige Gelegenheit, dieses architekturhistorische Juwel in Wien kennen zu lernen, auch in Hinblick auf den Einfluss Josef Franks auf das Architektur- und Designgeschehen heute.

Rund um die Veranstaltungen des Az W in der Villa Beer laden ein Design PopUp-Store von Svenskt Tenn und ein saisonales Catering von „Herzlichst, Anna´s“ vor Ort zum Verweilen und Genießen ein. Ab jeweils 11 Uhr, Villa Beer, Wien 13, Wenzgasse 12.

Das 1929 bis 1931 von Josef Frank und Oskar Wlach erbaute Haus Beer ist ein architekturhistorisches Monument, das den Geist der Moderne nicht nur atmet, sondern geradezu aufleben lässt. Gemeinsam mit Oskar Strnad und Oskar Wlach, mit dem Josef Frank 1925 bis 1938 das moderne Einrichtungshaus „Haus & Garten“ betrieb, hatte der Architekt und Designer schon ab 1910 eine eigene Strömung innerhalb der Wiener Moderne begründet, die stark auf psychologische Effekte und eine durchgehende, undogmatische Leichtigkeit sowohl im Bau als auch in der Einrichtung setzte. Diese Haltung unterschied sich sowohl vom hermetischen Ensemblegedanken der Secession als auch von Loos’ mitunter spröder Klassizität. Das Haus Beer ist das gebaute Manifest seiner Auffassung vom „Haus als Weg und Platz“, einer Weiterentwicklung des Loos’schen Raumplans. Dabei sollten die Bewohner wie in einer Stadt in einer Abfolge verschiedenster Raumerlebnisse ein ihren Stimmungslagen jeweils angemessenes Ambiente finden.
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Josef Frank: Haus Beer, Wenzgasse, Wien, 1929–1931 Bild: © www.studiohuger.at/Stephan Huger

Josef Frank: Haus Beer, 1929–1931
Bild: © www.studiohuger.at/Stephan Huger

Zur mehrgeschossigen Verschränkung von Halle und offener Stiege gehören „Teenischen“ ebenso wie Terrassen, Treppenpodeste und große Salons. Die elegante Leichtigkeit der Architektur und der Ausstattung des etwa 800 Quadratmeter großen Einfamilienhauses repräsentiert die im internationalen Vergleich um 1930 entwicklungsfähigste Position einer eigenständigen Wiener Moderne.

Im Zuge von Kaufverhandlungen um das Haus Beer 2005 erstellte das Az W für die Stadt Wien ein museales Nutzungskonzept für die „Josef Frank Villa Wien“ als Veranstaltungs- und Ausstellungsort. Obwohl die Villa Beer letztendlich wieder in privaten Besitz überging, wäre es heute erneut denkbar und wünschenswert, das derzeit leerstehende Bauwerk dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, etwa im Netzwerk der „Iconic Houses“: www.iconichouses.org.

Internationale Architekturexperten bezeichnen das Haus Beer als schönste und bedeutendste Villa der Moderne. Architekturinteressierte aus der ganzen Welt würden die einmalige Chance schätzen, wenn dieses einzigartige Anschauungsobjekt einer Philosophie der offenen Moderne besichtigt und inhaltlich entsprechend genutzt werden könnte. Politik und öffentliche Hand wären gefordert, um die dafür nötigen Entscheidungen zu treffen.

Das Programm:

Besichtigung der Villa Beer: Das Haus Beer ist eine der bedeutendsten Wiener Architekturschöpfungen des privaten Wohnbaus der 1920er- und 1930er-Jahre. Es gilt als gebautes Manifest der Auffassung Josef Franks vom „Haus als Weg und Platz“, einer Weiterentwicklung des Loos’schen Raumplans. Durch das derzeit leer stehende Juwel der Wiener Moderne führen Kunsthistorikerin Maria Welzig und die Architektin Claudia Cavallar. Die im Eintritt in die Villa inkludierten Hausführungen geben nach einer Einführung durch die Expertinnen Einblick in die oberen Geschoße der Villa. Die Repräsentationsräume der Villa sind auch ohne Hausführung zugänglich.

Salongespräche über Franks „Akzidentismus“  und „Frank heute“, jeweils um 18 Uhr.

Josef Frank: Haus Beer, Wenzgasse, Wien, 1929–1931 Bild: © Stefan Oláh

Josef Frank: Haus Beer, 1929–1931. Bild: © Stefan Oláh

Spaziergang rund um die Villa Beer: Das Grätzl rund um das Haus Beer gleicht einem Who-is-Who der Baukultur: Frank, Hoffmann, Loos, Plečnik. Der Spaziergang durch das Villenviertel führt wie durch ein Freilichtmuseum vorbei an Wohnhäusern und einer Schule, erbaut von Zeitgenossen Josef Franks, ein Denkmal erinnert an die jüdische Vergangenheit des Viertels. Aber auch das 21. Jahrhundert findet in Hietzing seinen Platz. Achtung: Wegen des großen Interesses gibt es hier bereits einen Zusatztermin am 9. April.

www.azw.at

Wien, 30. 3. 2016