Neue Oper Wien: Das Programm der Saison 2016/17

März 30, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Von der „Staatsoperette“ bis „Pallas Athene weint“

Walter Kobéra Bild: Armin Bardel

Walter Kobéra. Bild: Armin Bardel

„Finanzkrise, Eurokrise, Griechenlandkrise, zuletzt die Flüchtlingskrise, bestimmen die Nachrichten. Der Fokus verschiebt sich auf die jeweils neue und mündet in der Suggestion, die vorangegangenen wären bereits bewältigt. Europa steht vor der Herausforderung Lösungen zu finden, ansonsten droht eine Spaltung der Gesellschaft. Genau darum geht es in den Werken des Spielplans 2016/17“, erklärt Walter Kobéra, Intendant und musikalischer Leiter der Neuen Oper Wien bei dessen Präsentation.

Das Programm startet am 2. August mit der Uraufführung von Otto M. Zykans „Staatsoperette“, einer Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen, einer Bühnenfassung des 1977er-„Skandalfilms“ von Regisseur Franz Novotny. Zykan plante bereits damals eine Bühnenfassung, die jedoch nie fertiggestellt oder szenisch aufgeführt werden konnte. Das Fragment erfuhr nun eine Überarbeitung, die Darstellung der politischen Akteure werden Puppen übernehmen.

„Das“, so Kobéra, „verdeutlicht ihre Austauschbarkeit und zeigt somit auch, dass die Macht diverser Lobbys die Welt der Politik heute immer noch beherrscht.“ Nikolaus Habjan coacht die Sänger, darunter Marco Di Sapia, Camillo Dell’ Antonio, Thomas Weinhappel, Barbara Pöltl und Laura Schneiderhahn. Regie führt Simon Meusburger. Ab 13. September ist die Produktion im Wiener Theater Akzent zu sehen.

Ernst Kreneks Todestag jährt sich 2016 zum 25. Mal. Seine Oper „Pallas Athene weint“ steht deshalb ab 25. Oktober in der Halle E im MuseumsQuartier Wien auf dem Programm. Unter dem Vorwand die Werte Athens beschützen zu müssen, wird für die handelnden Figuren im peloponnesischen Krieg jedes Mittel legitim. Die Lehren des Mentors Sokrates werden, unterschiedlich gedeutet, für eigene Zwecke missbraucht. Zunehmend kommt es zum Beschneiden der Rechte des Einzelnen, für die man eigentlich vorgibt zu kämpfen. Reflexion und Selbstkritik fallen blindem Egozentrismus zum Opfer und tragen zum gemeinsamen Untergang bei. Pallas Athene ist von der eigenen Stadt um ihre Werte betrogen … Kreneks Werk setzt sich mit dem Phänomen des Populismus auseinander und zeigt beängstigend aktuell daraus entstehende Konflikte und Krisen. Er komponierte dieses Werk in den USA unter dem Eindruck der McCarthy-Ära, die darin dargestellte „Krisenbewältigung“ ist jedoch bis in die Gegenwart gültig. Es singen unter anderem Mareike Jankowski, Megan Kahts, Klemens Sander und Lorin Wey; es inszeniert Christoph Zauner.

„Le Maletendu“ – „Das Missverständnis“, Theaterstück von Albert Camus, wurde vom Argentinier Fabian Panisello vertont. Im April 2016 wird Walter Kobéra dieses Werk in Buenos Aires uraufführen, am 21. Februar 2017 wird es im Semper-Depot Wien seine europäische Erstaufführung erleben und danach in Madrid gezeigt. Die Regie übernimmt Mariano Tenconi Blanco, es spielt und singt das amadeus ensemble-wien.

"Die Nase" aus der Saison 2015/16: Georg Klimbacher, Lorin Weg und der Wiener Kammerchor. Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=15005. Bild: Armin Bardel

Die Nase: Georg Klimbacher, Lorin Weg und der Wiener Kammerchor. Bild: Armin Bardel

Im April zeigt die Neue Oper Wien die erfolgreiche Produktion „Die Nase“ in Trient. Am 4. Mai präsentieren die Schülerinnen und Schüler der AHS Diefenbachgasse gemeinsam mit drei jugendlichen Flüchtlingen ihr zu diesem Werk selbst erarbeitetes Stück im Rahmen der jungen oper wien.

„Das Einbinden von jugendlichen Flüchtlingen in das Projekt junge oper wien und das Mitwirken von Flüchtlingen als Statisten bei der Oper ,Pallas Athene weint‘ vermittelt zentrale Werte für einen gelungenen Integrationsprozess: gegenseitige Wertschätzung und Respekt, gewaltfreie Kommunikation, Reflexionsfähigkeit und das Erkennen von eigenen Begabungen“, sagt Kobéra. „Berührungsängste und andere Hürden sollen im Zuge dieser Projekte von beiden Seiten überwunden werden. Das Medium Musiktheater mit all seinen Kunstformen bietet die Chance, dies niederschwellig, leicht zugänglich und intuitiv zu bewältigen“. Mit dem Georg Danzer Haus und dem Verein Alpine Peace Crossing hat die Neue Oper Wien zwei perfekte Partner für diese Aufgabe gefunden.

NEU: Zum ersten Mal bietet die Neue Oper Wien ein Abonnement an. Bestellungen sind ab sofort unter ticket@neueoperwien.at möglich. Der Verkauf von Einzelkarten startet am 13. Juni 2016.

www.neueoperwien.at

Wien, 30. 3. 2016