Kunsthaus Wien: Seen on Earth

März 15, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Bilder davon, wie Plastik die Erde zumüllt

Serie „Hong Kong Soup: 1826“ – Lotus Garden, 2012–2014 Bild: © Mandy Barker

Serie „Hong Kong Soup: 1826“ – Lotus Garden, 2012–2014
Bild: © Mandy Barker

Die Ausstellung „Seen on Earth“, ab 17. März im Kunsthaus Wien zu sehen, zeigt auf eindringliche Weise die fortschreitende Zerstörung der Umwelt. Mandy Barker, Eduardo Leal und Simon Norfolk arbeiten mit dem Medium Fotografie, einem der wirksamsten Mittel, um durch Menschen verursachte Umweltschäden zu dokumentieren. Ihre auf drei verschieden Kontinenten – Afrika, Amerika und Asien – aufgenommenen Bilder zeigen die global fortschreitende Verschmutzung der Umwelt und die daraus resultierenden Auswirkungen auf Vegetation und Klima und das sich verändernde Ökosystem. Eine Thematik, die, unabhängig vom Ort des Geschehens, die gesamte Menschheit betrifft. Alle drei Künstler wurden 2015 mit dem EarthAward von LensCulture ausgezeichnet (mehr: www.lensculture.com).

Die Bilder der Serie „Hong Kong Soup: 1826“ der britischen Fotografin Mandy Barker bilden Plastikmüll ab, der seit 2012 an verschiedenen Stränden rund um Hongkong gesammelt wurde. Die unterschiedlichen Objekt- beziehungweise Müllgruppen auf den Bildern beziehen sich auf bestimmte Ereignisse, wie das Drachenbootfest oder sie versammeln Gegenstände wie Eislutscherverpackungen, Feuerzeuge oder Action-Figuren. Die ansprechenden Arrangements, die auf den ersten Blick wie Blumen oder Tapeten aussehen, stellen eine Verknüpfung zu den Handlungen her, die den Müll verursachen.

Mit dem meistverbreiteten Konsumartikel der Welt beschäftigt sich der gebürtige Portugiese Eduardo Leal. Das Plastiksackerl ist zur weltweit führenden Ursache für Umweltverschmutzung geworden. Es ist von Meeresböden bis zur Arktis überall zu finden, und weil sich das Plastik überwiegend nicht biologisch abbauen lässt, wird es sich Hunderte von Jahren in der Umwelt erhalten. Leal hat in der bolivianischen Hochebene Altiplano die Verbreitung von Plastiksackerln dokumentiert, wohin Millionen davon vom Wind getragen werden und sich in Büschen verfangen. Die „Plastic Trees“ hat Eduardo Leal aus einem niedrigen Blickwinkel und bei Sonnenuntergang fotografiert. Die monumentale Wirkung der eigentlich kleinen und leichten Plastiksackerl in den Sträuchern unterstreicht die gigantische Belastung der Umwelt durch ebendiese.

Für sein Projekt „When I Am Laid In Earth“ reiste Simon Norfolk zum Lewis-Gletscher, dem größten Gletscher auf Afrikas zweitgrößtem Berg, dem Mount Kenya in Kenia, um zu dokumentieren , was einst da war und was jetzt nicht mehr ist. Neben seiner Fotoausrüstung war eine Fackel das wichtigste Equipment für die Visualisierung der Geschichte des Gletscherrückgangs. Der gebürtie Nigerianer Norfolk, der für seine bedachte Fotografie in Kriegsgebieten international bekannt ist, hat mittels historischer Landkarten und moderner GPS-Technik die ehemaligen Umrisse des Lewis-Gletschers – dieser hat seit 1934 circa 90 Prozent seiner Masse verloren – recherchiert, um sie mit der Fackel abzugehen und durch Langzeitbelichtung fotografisch zu fixieren.

www.kunsthauswien.com

Wien, 15. 3. 2016