Festival Neues Wiener Volkstheater

März 3, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Vier Tage volles Programm von jungen Theaterleuten

Bild: mottingers-meinung.at

Bild: mottingers-meinung.at

„Haltung und Unterhaltung“, das soll das von 10. bis 13. März entlang der U4 statt findende Festival „Neues Wiener Volkstheater“ bieten. Das Max Reinhardt Seminar, das Wiener Volkstheater und die Wiener Wortstaetten haben gemeinsam fünf Stücke junger Autoren ausgewählt, die zeigen sollen, wie ein zeitgemäßes Wiener Volkstheater aussieht und mit welchen Themen es sich befasst. Präsentiert werden die Stücke in szenischen Lesungen im Max Reinhardt Seminar von Schauspielern des Volkstheaters, Regie- und Schauspiel-Studierenden des Max Reinhardt Seminars und Gasthörern.

Im Rahmen des Festivals wird am 12. März im Volx/Margareten „Isabelle H. (geopfert wird immer)“, das mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnete Stück des österreichischen Autors Thomas Köck zur Österreichischen Erstaufführung gebracht. In der Regie von Max Reinhardt-Student Felix Hafner spielen die Volkstheater-Ensemblemitglieder Katharina Klar und Christoph Rothenbuchner und die beiden Max Reinhardt-Seminaristen Okan Cömert und Max Gindorff.

„Wir sind dabei, das mögliche Profil des Volkstheaters auszuloten, neu zu definieren, was heute ,Volks‘-Theater bedeutet, um die langfristige Relevanz des Volkstheaters für die Stadt zu sichern“, sagt Volkstheater-Direktorin Anna Badora. „Das Festival ,Neues Wiener Volkstheater‘ trägt gemeinsam mit dem Max Reinhardt Seminar und den Wiener Wortstaetten auf spielerische, spannende Weise dazu bei: Wir geben jungen Autoren, Schauspielern und Studenten eine Bühne für ihre Visionen eines Neuen Wiener Volkstheaters.“ – „Für uns ist das ein deutliches Zeichen der Öffnung in die Stadt“, ergänzt Tamara Metelka, Institutsleiterin am Max Reinhardt Seminar. „Nicht nur unsere Studierenden haben die Möglichkeit, mit Schauspielern eines großen Wiener Hauses zusammenzuarbeiten, wir öffnen auch das unsere. In den vier Tagen des Festivals werden unsere Lehrsäle erstmals zur Bühne. Besucher können Räumlichkeiten sehen, die sonst nicht zugänglich sind. Das ist ziemlich einmalig.“ – „Es ist uns ein Anliegen, junge Regisseure, Schauspieler und Autoren an einem Platz zusammenzubringen“, so die stellvertretende Institutsleiterin Anna Maria Krassnigg. „Wir alle haben großes Interesse an zeitgenössischen Stoffen, an Inhalten, die wir zu einem zeitgenössischen Theater zusammenführen wollen. Wenn hier nun junge Theaterschaffende mit jungen Autoren arbeiten, so treffen Menschen aufeinander, die ähnliche Vorstellungen und Ansichten der Welt haben. Das verspricht, spannend zu werden.“

Szenisch gelesen werden die Stücke: „Sonnenkinder. Sternenstaub. Letzte Televisionen.“ von Valerie Melichar. Den poetischen Endzeittext, in dem sich Hauptfigur Spider, ein junger Mann Anfang 20, auf den Weg macht, um die große Liebe zu finden, bevor die Welt endgültig untergeht, inszeniert Maria Sendlhofer mit Markus Bernhard Börger, Enrique Fiß und Carolin Knab. „Schöne Axt zum Auslichten“ von Margret Kreidl, inszeniert von Mira Stadler, mit Josephine Bloéb, Alina Hagenschulte, Lena Kalisch und Emilia Rupperti. „Danke, dass ich jetzt Ihren Hund halten darf“ von Magdalena Schrefel. Alexandru Weinberger-Bara setzt das abgründige Volksstück in bester Schwabʼscher Manier in Szene. Mit Maximilian Herzogenrath, Lukas Holzhausen, Johanns Prosl und Lukas Watzl. „Sammy und die Nacht“ von Azar Mortazavi liegt in den Händen von Stefan Schweigert, der die iranische Liebesgeschichte mit Bagher Ahmadi, Laura Laufenberg, Johnny Mhanna, Seyneb Saleh und Birgit Stöger auf die Bühne bringt. Sowie „Reigen reloaded“ von Rhea Krčmářová. David Stöhr zeigt das Stück mit Anja Herden und Sebastian Klein. Melichar und Mortazavi wurden bereits mit dem von den Wiener Wortstaetten vergebenen exil-DramatikerInnenpreis ausgezeichnet.

Im Rahmenprogramm des Festivals nähert man sich dem Begriff des Wiener Volkstheaters am 12. März mit einem „Dramatischen Salon“ unter dem Motto „Kaffee, Kuchen & Konflikte“ mit Gesprächen über die (Un)Möglichkeiten, die Verlockungen und die Ansprüche des zeitgenössischen Schreibens fürs Theater. Am 13. März gibt es ein Katerfrühstück inklusive Diskussion zum Thema „Perspektiven auf ein Neues Wiener Volkstheater“ mit Autor Thomas Köck, Volkstheater-Schauspielerin Anja Herden und Peter Roessler, Professor für Dramaturgie am Max Reinhardt Seminar. Der Abschluss des Festivals wird schließlich ausgiebig in den Räumlichkeiten des Max Reinhardt Seminars gefeiert.

www.volkstheater.at/festival/neues-wiener-volkstheater

www.mdw.ac.at/maxreinhardtseminar/festival_neues_wiener_volkstheater

www.wortstaetten.at

Wien, 3. 3. 2016