Erni Mangold: Großer Diagonale-Schauspielpreis 2016

Februar 11, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Die „alte Indianerin“ nimmt den Preis in Graz entgegen

Erni Mangold Bild: mottingers-meinung.at

Erni Mangold
Bild: mottingers-meinung.at

Die Diagonale ehrt Erni Mangold mit dem Großen Schauspielpreis 2016. Die 89-jährige Ausnahmekünstlerin wird das von Anna Paul gestaltete Kunstwerk bei der Festivaleröffnung am 8. März in der Grazer Helmut-List-Halle persönlich entgegennehmen.

„Ich bin wie eine alte Indianerin oder ein Zirkuspferd: Stürz’ mich auf eine Rolle und schau, dass ich’s derpack“, erklärte Erni Mangold einmal in einem Interview. Die Wahlwaldviertlerin mit Hang zur ungeschönten Ehrlichkeit und trockenem Humor zählt zu den markantesten Charakterdarstellern unserer Zeit. Als wandlungsfähige Spezialistin für skurrile und bisweilen eigenwillige Kunstfiguren wirkte sie in bis dato mehr als 80 Fernseh- und Kinofilmen sowie unzähligen Theaterproduktionen mit.

Erste filmschauspielerische Schritte machte Mangold, hauptberuflich stets Bühnendarstellerin, 1948 an der Seite von Paula Wessely und Attila Hörbiger in „Der Engel mit der Posaune“. Mit „Der Förster vom Silberwald“ spielte sie ausnahmsweise einmal auch in einem klassischen Heimatfilm mit. „Ich fand diese 1950er-Filme ja grauenhaft. Mir standen keine Dirndln, darum hat man mich ohnehin nicht in solchen Filmen beschäftigt. Ich war sehr froh darüber“, sagt sie. Zwischen 1965 und 1972 folgten Engagements in Deutschland und der Schweiz: „In Deutschland habe ich in den Filmen immer die Frau gespielt, die der Ehefrau den Mann ausspannt“, erzählt Mangold süffisant über diese Zeit.

In Kontakt mit dem Hollywood-Kino kam Mangold schließlich mit ihrer Rolle als Handleserin in Richard Linklaters „Before Sunrise“, 1995, mit Ethan Hawke und Julie Delpy. Darauf folgte 2011 das international ausgezeichnete Drama „Anfang 80“ von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl, in dem Mangold die verlassene Ehefrau einer der Hauptfiguren verkörperte. Drei Jahre später schließlich: die viel umjubelte Darbietung in „Der letzte Tanz“ von Houchang Allahyari, für die sie mit dem Diagonale-Schauspielpreis ausgezeichnet wurde. Die Jury damals: „Das ist hohe Schauspielkunst, berührende Menschlichkeit, definitiv ein starker Auftritt und eine große, vielleicht bleibende Szene der österreichischen Filmkultur.“

Zuletzt brillierte Erni Mangold auf dem niederösterreichischen Thalhof und im Wiener Metro Kinokulturhaus in der Kinobühnenschau „La Pasada“ von Anna Maria Krassnigg, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=16119. In der Produktion des Salon5 ist sie in einer ihrer Paraderollen zu sehen; als ewigjunges Mädchen mit schelmischem Augenzwinkern erzählt sie von Lust und Leid eines ganzen Menschenlebens.

www.diagonale.at

Wien, 11. 2. 201