Haus der Geschichte: Kritik von allen Seiten

Januar 20, 2016 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zu viele Millionen, zu viel parteipolitischer Einfluss

14982841530_929bdf654c_bDer Rechnungshof kritisiert in einer Stellungnahme zur geplanten Novelle des Bundesmuseengesetzes, deren Begutachtungsfrist am Sonntag abgelaufen ist, die bisherigen Kostenschätzungen zum Projekt Haus der Geschichte Österreich. Die tatsächlich anzunehmenden Gesamtkosten seien „nicht plausibel nachvollziehbar dargestellt“, die angeführten Beträge so nicht herzuleiten. Sie beträfen zudem nur einen Teil der in dem Bericht der Steuerungsgruppe kalkulierten Kosten.

„Unrichtig und fehlerhaft“ nennt auch die Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien, Eva Blimlinger, die Berechnungen. Anstelle der im Entwurf genannten 46,7 Millionen Euro soll sogar mit 40 Millionen Euro mehr zu rechnen sein. Statt wie geplant in der Neuen Burg könne das Geschichtsmuseum „mit einem wesentlich geringeren administrativen, baulichen und finanziellen Aufwand“ im Amalientrakt der Hofburg untergebracht werden. Dort stehen ebenfalls etwa 3.000 Quadratmeter Fläche für die Ausstellung zur Verfügung. Auch die beabsichtigte organisationsrechtliche Eingliederung des Hauses in die Österreichischen Nationalbibliothek hält Blimlinger für „vollständig verfehlt“. Wenn es denn so gewollt werde, brauche es dafür „eine eigenständige Anstalt öffentlichen Rechts“. Die Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats und Publikumsrats kritisiert die Rektorin in der geplanten Form ebenfalls heftig. Es ginge hier „in massiver Weise um parteipolitischen Einfluss“.

Gerade in dieser Causa, dem Nominierungsrecht für die Beiräte, melden sich noch mehr Stimmen zu Wort. So urgiert etwa die Bischofskonferenz ein Nominierungsrecht für den Publikumsrat und die Einbeziehung anderer „für Österreich geschichtlich bedeutsamen“ Kirchen oder Religionsgemeinschaften. Der Gewerkschaftsbund bemängelt, dass die Bestellung des Publikumsforums aus den Bereichen Kunst und Kultur, Pädagogik, Wirtschaft, Religion und Wissenschaften, nicht jedoch aus dem Bereich Arbeit erfolgen soll. Eine „angemessene Berücksichtigung der Perspektiven der Länder“ im wissenschaftlichen Beirat, in dem sie laut Entwurf mit einem Mitglied vertreten wären, regt die Tiroler Landesregierung an. Ähnliche Forderungen kommen aus Kärnten. Und die niederösterreichische Landesregierung will das Haus der Geschichte lieber an das Österreichische Staatsarchiv als an die Nationalbibliothek binden.

Punkto inhaltlicher Ausrichtung herrscht nach wie vor Uneinigkeit. Nun hat sich diesbezüglich der Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Thomas Winkelbauer, zu Wort gemeldet. Er befürchtet einen „übermächtigen“ Einfluss des Bundeskanzleramtes auf die Zusammensetzung des wissenschaftlichen Beirats und damit indirekt auf die Nominierung der Leitung. Kritisch beurteilt er auch die Beschickung des Publikumsrates in eine Institution, die nach seinem Dafürhalten „Haus der Geschichte der Republik Österreich“ – statt der derzeitigen offiziellen Bezeichnung „Österreichische Nationalbibliothek mit dem Haus der Geschichte“ – heißen sollte. Historiker Roman Sandgruber wiederum stellt, Name hin, Name her, dessen inhaltliche Fokussierung auf die Zeit ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Diskussion: „Jede derartige Festlegung ist Ideologie.“

Die Grünen und die FPÖ fordern einen Stopp des Vorhabens von Kulturminister Josef Ostermayer. Im Haus würden nach Entscheidung der Regierenden „Geschichtsbilder österreichischer Identität konstruiert und als eindimensionale Erzählung eingefroren“. Eben diese Regierenden hätten sich „in Form des Bundeskanzlers durch die parteipolitisch dominierte Besetzung des wissenschaftlichen Beirats in eine besonders mächtige Position gehievt. Von einer unabhängigen Institution kann damit keine Rede sein“, so der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl. Man solle angesichts der Budgetnot und dringend benötigter Gelder in so gut wie allen anderen Bereichen des Kulturbetriebs „zurück an den Start gehen und das Projekt neu andenken“.

Die Bundesmuseengesetznovelle soll noch im ersten Quartal 2016 in Kraft treten, damit die nächsten Schritte, darunter der Architekturwettbewerb und die Ausschreibung des Direktorenpostens, eingeleitet werden können. Die Eröffnung des Hauses der Geschichte ist für November 2018 geplant.

Mehr zum Thema Haus der Geschichte:

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Wien, 20. 1. 2016