Theater Nestroyhof Hamakom: Sam’s Bar

November 30, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Jüdisches, Jazziges, Konzerte und sehr viele Cocktails

18777691941_aaed155d05_bVon 5. bis 19. Dezember dreht das Theater Nestroyhof Hamakom wieder an der Uhr und baut eine Brücke zu einer Zeit, in der das Etablissement-Nestroysäle diesem wunderschönen Raum Leben einhauchte. Das Theater wird zu „Sam’s Bar“, in der das Publikum sechs Konzerte mit außergewöhnlichen Künstlern und in Zusammenarbeit mit David Maayan einen allinclusive Theaterbereich erleben kann, der künstlerische Intensionen mit gutem altem Entertainment verbindet.

Geboten wird Jüdisches, Jazziges, Visuelles, Kurdisches, Türkisches, Unabhängiges, Israelisches, Fiktives, Wienerisches, Improvisiertes, Komponiertes, Vergangenes, Persisches, Armenisches, Virtuoses und sehr viele Cocktails. Und the Sam Old Story.

Programmtipps:

5. Dezember, Sun Taylor: Seit der Veröffentlichung seines Debütalbums “Like The Tide” 2012 wurde Arnon Naor alias Sun Tailor zu einer der Leitfiguren der israelischen Indie-Folk-Szene. In den vergangenen drei Jahren trat er auf Hunderten von Bühnen in Israel und Europa auf. Von großen Veranstaltungsorten und Festivals bis hin zu kleinen akustischen Wohnzimmer-Shows. Derzeit tourt er mit seinem neuen, von den israelischen Medien hochgelobten Album „This Light“, das er nun auch in Sam’s Bar präsentieren wird, durch Europa. Video: www.youtube.com/watch?v=h7FV2WFVap8

Premiere 6. Dezember, Sam Old Story: 1904 bis 1919 führte das Theater Nestroyhof den Namen „Intimes Theater“. Dieser Begriff wurde von den verschiedenen Theaterdirektoren sehr unterschiedlich interpretiert. Zum einen war er bezeichnend für eine, zu dieser Zeit neuen, Theaterauffassung, die eine psychologisch motivierte „intime“ Darstellungsweise forderte. Zum anderen stand „Intimes Theater“ unter der Leitung Emil Richter-Rolands für Lust und Erotik was den Nestroyhof zum Wiener Spitzenreiter bezüglich der ausgesprochenen Zensurverbote eingereichter Stücke machte. Der israelische Regisseur David Maayan greift den Begriff des „Intimen Theaters“ auf und kreiert in seiner Theaterinstallation „Sam Old Story“ intime Begegnungen zwischen Zuschauern und Performern, der Geschichte des Hauses, der Umgebung des Theaters und der Vision Marmoreks, die jeder Ziegel in sich birgt. Fakten werden mit fiktiven Elementen vermischt. Zur selben Zeit befindet sich das Publikum in Sam’s Bar. Mit Musik, Drinks, Billard, Gesprächen und vielleicht sogar mit Sam…

11. Dezember, Özlem Bulut: Orient meets Jazz, Pop und Soul. Özlem Bulut stammt aus einem kleinen Dorf der Osttürkei. Sie begann ihre Karriere als Straßenmusikerin, setzte sie als Opernsängerin an der Wiener Staatsoper, der Opera Bastille und der Wiener Volksoper fort und gründete 2008 ein eigenes Musikprojekt, das Elemente anatolischer und orientalischer Musik mit Jazz, Pop und Soul verbindet. Die Musik stammt größtenteils aus der Feder des Wiener Komponisten und Pianisten Marco Annau. Wenn Özlem Bulut die Bühne betritt, entfacht sie ein sinnliches Feuerwerk. Die türkischen Texte handeln zumeist von Liebe, aber auch politische Themen wie Kinderheirat oder ein Leben ohne Ausweis werden besungen. Dennoch stellt sich dabei keine Schwermut ein. Die Lieder bleiben sinnlich, poetisch und voller Humor. Video: www.youtube.com/watch?v=CdPa0JgLs1Y

18. Dezember, Sormeh: Golnar Shahyar, Mona Matbou Riahi aus dem Iran und Jelena Popržan aus Serbien haben in Wien zu einem vielversprechenden Trio zusammengefunden, das einen Bogen spannt von orientalischer zu balkanischer Musik und seinen kosmopolitischen Kompromiss in jüdischen Musiktraditionen sowie eigenwilligen Arrangements und Improvisationslust findet. Kennengelernt haben sich die drei Musikerinnen beim Oficina Art Orchestra unter Leitung Alegre Corrêas. Golnar Shahyar interpretierte schon zuvor von persischer Tradition inspirierten Jazz. Mona Matbouh Riahi, jüngstes Mitglied und Hauptpoetin der Band, hat bereits mit Größen wie Alim Qasimov, Djivan Gasparyan und Aynur Doğan auf der Bühne gestanden. Jelena Popržan ist seit einigen Jahren mit ihrem Duo Catch-Pop String-Strong eine Fixgröße der österreichischen Musiklandschaft. Persische, jiddische, armenische, bulgarische, griechische und sephardische Lieder, schräge instrumentale Klezmer- und Balkan-Attacken sowie vertonte Lyrik, zeitlose wie zeitgenössische Chansons und Eigenkompositionen –  das hier ist Musik, die geistige wie musikalische Grenzen auflöst. Elegant und geheimnisvoll wie ein orientalischer Lidstrich, denn nichts anderes heißt das persische Wort „Sormeh“. Video: www.youtube.com/watch?v=8TKCZbJ4PEo

www.hamakom.at

Wien, 30. 11. 2015